zuletzt aktualisiert vor

Alfseeschule wird geschlossen Alfhausens letzte Rabauken

Meine Nachrichten

Um das Thema Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

<em>Zum letzten Mal</em> versammelte sich ein Entlassjahrgang der Alfseeschule zum Erinnerungsfoto vor dem Eingang der Schule. Foto: Martin SchmitzZum letzten Mal versammelte sich ein Entlassjahrgang der Alfseeschule zum Erinnerungsfoto vor dem Eingang der Schule. Foto: Martin Schmitz

Alfhausen. Es war ein Abschied der leisen Töne: Am Freitag entließ die Alfseeschule ihren letzten Jahrgang.

Simone Franz ist als Lehrerin erst seit November dabei. „Wenn diese Schule nicht geschlossen würde, wäre sie eine Versetzung wert“, bedauert sie. In weniger als einer Woche wird die Samtgemeinde Bersenbrück ihre letzte reine Hauptschule schließen. Ihre letzten etwa 20 Schüler gehen dann zur Oberschule Ankum, berichtet Schulleiter Andreas Heeke.

Heeke hatte in der Aula eine Ausstellung zu 350 Jahren Schulgeschichte in Alfhausen zusammengestellt. Jetzt erinnert er sich wehmütig, wie er als junger, großstädtischer Lehrer von Hausmeister Alfons Pellenwessel misstrauisch empfangen wurde, wie er die Schule lieben lernte, Jahre später von einem jungen Kollegen mit dem Hausmeister verwechselt wurde.

Eigentlich lief es mit dem letzten Jahrgang wie immer. Wieder einmal ließ die Schule keinen hängen, brachte alle durch, die meisten Schüler schafften sogar den Realschulabschluss. „Ihr seid auf alle Fälle immer etwas Besonderes“, rief Heeke ihnen zu. „Euren Kindern und Enkeln könnt ihr erzählen: Wir waren die Letzten.“

„Es bleibt die Erinnerung an eine lebendige Bildungseinrichtung, die ihren Schülern gutes Rüstzeug mitgab“, erklärte Hermann Meyer als Vertreter der Samtgemeinde. Riestes Bürgermeister Sebastian Hüdepohl dankt für die Gastlichkeit, mit der die Alfhausener Schule 22 Jahre lang auch die Schüler aus dem Nachbarort aufnahm.

Sein Alfhausener Bürgermeisterkollege Klaus Wübbolding fühlt einen „Stein im Bauch“, die Wut über den Verlust für seinen Ort, die nagende Frage, ob er für den Erhalt der Schule genug gekämpft hat, die Erkenntnis, dass die Kommunalpolitik machtlos ist gegenüber der „Abstimmung mit den Füßen“. Mit Bezug auf den aktuellen Streit um den Ausbau der Ankumer Oberschule erklärte Wübbolding: „Es geht nicht um Steine, es geht um Menschen.“ Das Miteinander der Lehrer mit Schülern und Eltern, das sei der Geist der Alfhausener Schule, ihr Vermächtnis und ihre Botschaft.

Auch Mea Kronen-Strzelczyk versagt die Stimme. Lokale Schulpolitik hatte die Ur-Grüne von Beginn ihrer politischen Karriere an beschäftigt, sie beließ es als Elternsprecherin bei einem Dank an die Lehrer für alles, was sie für diesen Jahrgang getan hätten.

Der Doppeljahrgang verabschiedet sich schlitzohrig, kokettiert mit dem Image, noch echte Dorfjugend zu sein. Mit Klassenlehrer Joachim Giesenhardt, der augenzwinkernd-larmoyant mit seiner baldigen Versetzung hadert, hatten sie eine Babyfotoschau arrangiert. Und als der baumlagen Dennis Raberg mit Marius Rautenstrauch zur Schülerrede ansetzt, verweisen sie auf das Positive dieser Entlassung: Die Lehrer seien „wieder einmal einen Rabaukenjahrgang losgeworden“.

Die Schüler:

Jahrgang 9: Dennis Heine, Franziska Rolle, Henrik Brune, Jamie Dögnitz, Jantje Hinrichs, Kim Jäger, Klaudia Fojna, Lorenz Stukenberg, Marius Rautenstrauch, Pascal Rosigkeit, Philip Zühlke.

Jahrgang 10: Katja Buck, Frank Elseberg, Nils-Lukas Freese, Julian Iding, Matthias Jäger, Thomas Jost, Volkan Kaya, Julien Kettler, Alexander Kwiecinski, Kai Mausolf, Marvin Müller, Dennis Raberg, Rudolf Reichert, Marco Richter, Lars Ritter, Christian Röhrig, Stefan Schljapin, Luca Setzkorn, Vanesse Thye, Michelle Walther.

Schule in Alfhausen

1655 wird zum ersten Mal eine Schule in Alfhausen schriftlich erwähnt. 1780 kauft die Gemeinde erstmals ein Gebäude für diese Schule, 1841 gibt es einen Neubau, das Gebäude kennen die Alfhausener heute noch als dieGaststätte „Zum alten Pauker“, heute ist ihr Eiscafé dort zu finden. 1964 wurde diese Schule auf den Bahnhofsesch verlegt. Außerdem gab es Schulen in Heeke (1820 bis 1969) und Thiene (1860 bis 1972), die in der Alfhausener Schule aufgingen. Nach der Auflösung der Riester Hauptschule 1991 besuchen auch Schüler aus Rieste diese Schule. 1996 bekam diese Schule nach einem heftigen kommunalpolitischen Streit mit Rieste eine Orientierungsstufe angegliedert, die 2004 aufgelöst wurde. Danach gingen die Schülerzahlen allmählich zurück: Viele Eltern schicken ihre Kinder bevorzugt auf größere Schulen in der Nachbarschaft.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN