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Alte Schätze im Museumsdepot Hammerwalke: Zweimal 75 Kilo kneten den Stoff

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Achmer/Bramsche. In ihrem langen Leben reiste sie vom Vogtland ins bayerische Tittmoning, tat dort jahrzehntelang treu ihren Dienst, wurde schließlich still- und dann in ihre Bestandteile zerlegt. Mit etlichen anderen Maschinen brachte Markus Keppeler sie 1991 zum Tuchmachermuseum nach Bramsche. In der BN-Serie „Alte Schätze im Depot“ stellen wir die Hammerwalke vor, die inzwischen liebevoll restauriert wurde und auf dem Hof Hasemann in Achmer ihren Platz gefunden hat.

Walken ist eine uralte Technik in der Textilverarbeitung, erzählt Museumsleiterin Kerstin Schumann. Wasser trieb schon im 11. oder 12. Jahrhundert die ersten Walkmühlen an Flussläufen an, ergänzt Museumsmitarbeiter Heinz Höner. Wo dies nicht möglich war, besorgten Fußwalker die Verarbeitung vom gewebten Wollstoff zum festen, dichten und Wasser abweisenden Tuch. Eine anrüchige Angelegenheit, denn einer der Hauptbestandteile der Walkflüssigkeit war neben Soda und Seife Ammoniak, und der wiederum wurde aus vergorenem Urin gewonnen. In Kübeln wurde der gelbe Saft in den Gaststätten der frühen Zeit eingesammelt, am liebsten, wie frühe Quellen belegen, von Männern, die fett gegessen und viel getrunken hatten.

Mit solcher Brühe wurde die Hammerwalke wohl nicht mehr gefüllt, die Heinz Höner und Wolfgang Steffenhagen im Museumsdepot auf dem Hof Hasemann zusammengesetzt hat. An der grundlegenden chemischen Zusammensetzung hatte sich aber auch in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, als die Maschine gebaut wurde, noch nichts geändert. Vergleichbare Maschinen wurden wohl schon um die Jahrhundertwende vom 19. bis 20. Jahrhundert gebaut. Das Angebot der Firma Schuster an die Firma Johann Polster in Tittmoning ist noch in den Unterlagen vorhanden – es ist datiert vom 2. Juni 1924. Die Kurbelwalke sollte damals 2300 Goldmark kosten. Sie eignet sich laut Angebot für 30 bis 50 kg. Tuch und hat einen Kraftbedarf von etwa drei bis fünf PS.

Verdichtet und verfilzt

40 bis 70 Meter lang sind die etwa 1,80 Meter breiten Stoffbahnen, die in eine solche Hammerwalke „eingetafelt“ werden, wie Höner und Steffenhagen erzählen. Zwei 50 bis 75 Kilo schwere „Hämmer“ aus massiver Eiche walken das lockere Wollgewebe. Kerben in den Hämmern sorgen dafür, dass sich der Gewebeballen gleichmäßig dreht und bearbeitet wird. Walken ist zum großen Teil Erfahrungssache, erläutert Museumstechniker Karl-Heinz Krams. Der Stoff – übrigens eignet sich nur Wolle – wird bei dem Vorgang verdichtet und verfilzt. Und er läuft ein. Wenn im Museum der Stoff für die roten Decken im traditionellen Bramscher Rot gewalkt wird, braucht man eine 1,80 Meter breite Bahn um 1,50 Meter Breite zu bekommen. Wie lange die Maschine läuft, müssen die Techniker ebenso im Gefühl haben wie die richtige Zusammensetzung der Walklauge. „Man kann Stoffe auch kaputtwalken“, erzählt Krams. Beispielsweise wenn der Anteil an schleifenden Erden in der Lauge zu hoch ist. Oder wenn die Maschine zu schnell läuft. Die Regel sind 280 bis 300 Umdrehungen pro Minute. Da muss das Wollgewebe schon einiges aushalten, bis es seine Verwendung als klassischer bayerischer Lodenmantel findet, ein typischer Walkstoff übrigens.

Die Hammerwalke im Depot in Achmer wird allerdings nicht mehr in Betrieb genommen. Die Klappe, die den Laugenbottich abschließt, ließ sich auch unter Einsatz von viel technischem Geschick und Schmieröl nicht mehr gängig machen, erinnert sich Heinz Höner, an die Zeit, als sein Kollege Steffenhagen und er aus einem Container voller Maschinen-Puzzleteile die Walke zusammenbauten.

Nass und trocken

Die Maschine hatte lange Zeit draußen gestanden, das Wetter hatte ihr zugesetzt. Walken werden zwar mit Flüssigkeit gefüllt, der Wechsel zwischen nass und trocken ist aber Gift für das eigentlich sehr strapazierfähige Eichenholz. Es wird rissig. Teile zerbröselten, die Techniker versuchten mit Eichenspänen und Leim zu retten, was noch zu retten war. Die Eisenteile wurden vorsichtig entrostet und konserviert, die Eichenverkleidungen an den Innenseiten des Bottichs ersetzt oder ergänzt. Die Ersatz-Holzteile hat die Schreinerlehrwerkstatt der „Brücke“ in Bramsche hergestellt.

Steffenhagen greift ins Antriebsrad, die Hämmer bewegen sich. Einen maschinellen Antrieb würde das gute Stück aber wohl nicht mehr überstehen. Funktionsfähig, aber nicht einsatzbereit“, formuliert Museumsleiterin Kerstin Schumann vor diesem Hintergrund das Restaurationsziel. Immerhin steht im Museum eine Walke, die noch ihren Zweck erfüllt. Und ihre Schwester im Depot kann immerhin noch als Ersatzteillager dienen. Schließlich sollen am Mühlenort noch viele schöne Decken produziert werden.


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