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„Zufriedenheit nimmt nicht mehr zu“

Von Gerd Placke

Dinklage. „Unsere Gesellschaft ist nicht mehr jung, hungrig und unternehmungslustig.“ Mit diesem Satz beschrieb Professor Meinhard Miegel einen entscheidenden Wandel in der Gesellschaft, der sich in den letzten 100 Jahren ergeben habe.

Der Sozialforscher war Gast einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken Weser-Ems in Dinklage. Miegel sprach zum Thema „Exit – Wohlstand ohne Wachstum“, wobei er es mit vielen Beispielen aus der Menschheitsgeschichte verstand, die Zuhörer mit seinen Theorien vertraut zu machen.

Veränderungen in der Gesellschaft kämen nicht über Nacht. Sie kündigten sich teilweise über Jahre, ja Jahrzehnte an. Als Beispiel nannte Miegel die Demografie: Seit 1881 habe die Zahl der Deutschen nicht mehr zugenommen, seit fast 130 Jahren würden hierzulande weniger Kinder geboren als Todesfälle zu beklagen seien. Aber erst seit wenigen Jahren sei die Gesellschaft dabei, die damit zusammenhängenden gravierenden Probleme für die Zukunft zu begreifen.

Unsere Gesellschaft verstehe unter Wachstum nur das wirtschaftliche Vorankommen. Früher sei der Begriff nur im Zusammenhang mit der Natur, mit wachsenden Pflanzen oder dem Heranwachsen von Kindern verbunden worden.

In der Gesellschaft habe Wachstum bisher als Allheilmittel gegolten. Diese Sichtweise zog Miegel in Zweifel. Laufende Untersuchungen etwa hätten ergeben, dass die Zufriedenheit der Bürger bei einem wirtschaftlichen Aufschwung seit etwa 50 Jahren nicht mehr zunehme. Über eines müsse sich die Gesellschaft im Klaren sein: Es werde in Zukunft nicht immer wirtschaftliches Wachstum geben, denn immer mehr Menschen auf der Erde wollten am Wohlstand teilhaben – und das bedeute teilen.