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Unlauterer Wettbewerb? Philologenverband sieht Existenz vieler Gymnasien bedroht

Quakenbrück/Bersenbrück. Die neuen Schulstrukturpläne von Kultusminister Althusmann (CDU) gefährden die Existenz vieler Gymnasien im Lande und stellen die Qualität der schulischen Abschlüsse infrage. Mit dieser bedrohlichen Erkenntnis kehrten Albrecht Düntsch, Hans-Ulrich Schmitz und Klaus Wand vom diesjährigen Niedersächsischen Philologentag zurück, wo sie als Delegierte die Ortsverbände Bersenbrück und Quakenbrück vertreten hatten.

Städte und Kreise könnten als Schulträger in Zukunft das Schulangebot vor Ort weitgehend nach ihrem Geschmack gestalten, erläuterten die Delegierten die Planungen des Kultusministers. Damit entstehe in Niedersachsen ein schulischer Flickenteppich, der Eltern mit schulpflichtigen Kindern einen Umzug stark erschwere. Kern der Neuerungen sei die Schaffung einer neuen zusätzlichen Regelschule, der „Oberschule“. Diese solle Haupt- und Realschule zusammenfassen und ab drei Parallelklassen auch einen Gymnasialzweig anbieten, der bei entsprechender Schülerzahl sogar bis zum Abitur führen solle.

Mit diesem „gymnasialen Angebot“ werde den Eltern jedoch eine gute Bildung nur vorgegaukelt. Wegen zu geringer Schülerzahl könne nämlich ein breites Fremdsprachen- sowie Wahlangebot auf gymnasialem Niveau gar nicht realisiert und zudem der Unterricht kaum von Gymnasiallehrern mit entsprechendem Anforderungshorizont erteilt werden. Allerdings würden diese Oberschulen schon aus Prestigegründen alles unternehmen, um von den bestehenden Gymnasien Schüler abzuwerben. Hinzu kämen die Versprechungen des Kultusministers, die Oberschulen durch kleinere Klassen, gute Ausstattung und Ganztagsbetrieb gegenüber den Gymnasien zu bevorzugen. „Das Ganze läuft auf Schülerklau mittels unlauterem Wettbewerb hinaus“, so die Delegierten.

Gefährdet würden die Gymnasien künftig zusätzlich dadurch, dass die neue Gesamtschule namens Oberschule künftig auch das Gymnasium am Ort vollständig ersetzen könne. Bedingung sei, dass ein Gymnasium „in zumutbarer Entfernung“ vorhanden sein müsse. Dies sei geradezu eine Aufforderung an gesamtschulfreundliche Schulträger, die Existenz der Gymnasien auszuhebeln. Der Philologenverband schätze, dass etwa ein Drittel der niedersächsischen Gymnasien durch dieses Gesetz akut bedroht sei.

Die von CDU und Regierung propagierte Bestandsgarantie für Gymnasien sei bei Lichte besehen eine Täuschung der Öffentlichkeit, stellten Düntsch, Schmitz und Wand angesichts dieses Szenarios fest. Dagegen habe der Philologentag ein eigenes zweigliedriges Schulmodell verabschiedet. Es gehe von einem Gymnasium und einer berufsorientierten Sekundarschule aus, so die Delegierten aus Quakenbrück und Bersenbrück.