zuletzt aktualisiert vor

Fahrt mit einem Heißluftballon Oben werden die Hähnchen gegrillt

Von Gerd Placke


gp Altkreis Wittlage. Nun fahren sie wieder, die Ballone, und sorgen für Aufsehen, wenn sie in der heimischen Region am Himmel auftauchen. Gertrud Premke aus Heithöfen hat ihre Eindrücke im nachfolgenden Bericht über eine Ballonfahrt zusammengefasst.

Der vierte Luftballon steigt endlich gleichmäßig gen Himmel. Diese Kleinstversion vom Freiballon dient als Test, ob die Winde für den Aufstieg des großen Bruders richtig stehen. Auf einer Wiese im westfälischen Hüllhorst warten drei Frauen und zwei Männer auf das Erlebnis, in einem nur 1,8 Quadratmeter großen Flechtkorb unter einem riesigen Ballon die Landschaft von oben bewundern zu können.

Unbehagen steht einigen bei den Vorbereitungen zum Start im Gesicht geschrieben. Dunkle Gedanken schwirren durch den Kopf. Andrea spricht aus, was die anderen vielleicht auch denken: „Da sollen wir alle reinpassen? Sechs Leute?“ Sie blickt dabei ungläubig auf den verhältnismäßig dünnen Korbboden. „Hält der das alles ?“

Bilder von Betrachtern solcher fahrenden Ballons bei Sonnenuntergang stimmen die kleine Gruppe dann jedoch wieder zuversichtlich.

Das Wetter muss stimmen. Daher finden die Fahrten entweder frühmorgens oder abends, wenn es zum Aufstieg windstill ist, statt. Und: Es darf kein Gewitter im Anmarsch sein, keine Bewölkung zu sehen sein, denn Regen oder starker Wind können die Fahrt gefährden.

„Sicherheit ist unser oberstes Gebot“, betont denn auch Ballonführer Udo , „und man fährt einen Ballon und fliegt ihn nicht“, erklärt er gleich zu Beginn seinen nervösen Gästen. Dabei strahlt er mit seinen 1300 Ballonfahrten eine beruhigende Selbstsicherheit aus. Ein cooler Pilot eben.

Der Korb am Boden ist vorerst mit einem Seil am Abschlepphaken eines schweren Geländewagens befestigt. Die zwei Gasbrenner werden oberhalb des Korbes an einem Gestänge befestigt. Der Korb wird mit den vielen dünnen strapazierfähigen Seilen am ausgerollten Ballon verbunden.

Mit einem großen Ventilator wird der feuerfeste Ballon mit Luft aufgepumpt bis zu der Größe, wo die zwei Gasbrenner eingesetzt und gezündet werden. Zwei riesige Stichflammen schießen mit einem heftigen Ton in den mit Luft gefüllten großen Ballon. Buuffffffffffff. Das Gas strömt ein.

Der Zeitpunkt für den Einstieg ist gekommen. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Oder doch? Eilig wird das Seil zum Geländewagen leicht gelockert, der Korb aufgerichtet, und der Erste hievt sich über den Rand in den Korb. Schnell steigen die weiteren hinzu. Udo arbeitet am Brenner, lässt weiter Gas ein, und wieder dieses knallend-forsche Buuffffffffffff.

Malte löst nun vollständig das Seil vom Geländewagen, und ab geht der Ballon samt Ladung gen Himmel. Dicht über den Köpfen der Fahrgäste hängen die beiden Brenner. Ein Grund dafür, dass es erstaunlich warm im Korb ist. Anfängliche Ängste scheinen sich, je höher es hinaufgeht, in Luft aufzulösen. Die Stimmung der kleinen Gruppe wird zunehmend entspannter. „Ich habe heute so viel Chemie, so viel Haarspray, in den Haaren“ meint Lilli und schaut dabei in die aufschießenden Stichflammen der Brenner und lacht. „ Ach was, da oben werden die Hähnchen gegrillt“, schlägt Anton vor.

Gleichmäßig schwebt der Ballon dem nicht enden wollenden Horizont entgegen. Die Kette des Wiehengebirges wirkt wie ein dunkler Strang auf einer Landkarte.

„Die Sicht kann bei klarem Wetter bis 200 Kilometer sein“, erläutert Udo und zeigt den Dümmersee als Silberstreif in weiter Ferne am Horizont. Ein Reh in einem weiten Kornfeld ergreift die Flucht und läuft einen Feldweg entlang. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Nach gut einstündiger Fahrt versinkt die Sonne als glutroter Feuerball am Horizont. „Noch bis 30 Minuten nach Sonnenuntergang darf gefahren werden“, beruhigt Udo.

Wundersame Abendstille breitet sich aus, Entspannung pur. Ballonpilot Udo fährt den Ballon runter und hält Ausschau nach einem geeigneten Landeplatz . Menschen stehen staunend in ihren Gärten. Kinder winken nach oben.

Man muss sich auf das Treiben des Windes verlassen. Der Ballon selbst kann nur nach oben und unten gesteuert werden.

Auf einem nahen Stoppelfeld wird schließlich zur Landung angesetzt. Meisterhaft setzt Udo mit ruhiger Hand auf dem Erdboden auf. „„Immer wieder!“, sind sich alle Passagiere nach der Landung einig. Diese Fahrt soll nicht die letzte gewesen sein.