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Straßensperrungen in Berge: Die Meinungen der Bürger gehen auseinander Ein Segen oder überflüssig?

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Gesperrt: der Wacholderweg in Berge. Foto: Jürgen AckmannGesperrt: der Wacholderweg in Berge. Foto: Jürgen Ackmann

ja Berge. Inzwischen werden es fast alle Berger gemerkt haben. Tannen- und Wacholderweg sind mit umlegbaren Pfählen für den Durchgangsverkehr zu den Einkaufsmärkten für eine Probezeit von drei Monaten gesperrt. Seit dem 14. Juli müssen alle Verkehrsteilnehmer aus den Siedlungen wieder über die Hauptstraße fahren. Die Anlieger, die sich mehrheitlich die Sperrung gewünscht hatten, freuen sich über die neu gewonnene Ruhe. Andere ärgern sich bisweilen.

In den ersten Tagen nach der Sperrung mussten viele Autofahrer nach dem Einbiegen in den Tannen- oder Wacholderweg wieder umdrehen – manchmal fluchend, manchmal ohne Gemeckere. Inzwischen hat sich die neue Regelung auf Probe herumgesprochen. „Es ist deutlich ruhiger geworden“, sagt zum Beispiel Willi Fasthoff. Er wohnt am Wacholderweg und freut sich zudem, dass die Seitenstreifen an der Straße langsam wieder grüner werden und wegen des starken Begegnungsverkehrs nicht mehr so abgefahren sind.

Ähnliches hat auch Maria Kolbeck festgestellt, ebenfalls Anliegerin am Wacholderweg. „Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Beruhigung des Verkehrs so deutlich bemerkbar macht“, erklärt sie. Die Absperrung der Straße bedeute aber nicht nur für die Autofahrer aus den umliegenden Siedlungen eine Umstellung. Auch die Anlieger selbst müssten nun ihre Fahrgewohnheiten verändern, betont Maria Kolbeck. Das nehme sie aber gerne in Kauf. Im Übrigen habe sie nichts dagegen, wenn das Thema im Ort diskutiert werde. Das sei gut und schaffe Klarheit.

Einer, der die Sperrung der beiden Straßen ablehnt, ist Hans-Georg Meyer. Er wohnt an der Römerschanze. Er kritisiert, dass auf der einen Seite zum Wohle der Bürger Einkaufsmärkte angesiedelt würden. Auf der anderen Seite aber gehe die Gemeinde hin und sperre die Zufahrtsstraßen, weil Anlieger sich beschwerten. Sein ironisch gemeinter Vorschlag an den Gemeinderat: eine Sammelbestellung für die Pfähle tätigen und damit gleich alle Siedlungsstraßen absperren. Das sei für die Kommune angesichts leerer Kassen günstiger. Wieder ernst gemeint fügt Hans-Georg Meyer hinzu, dass die Gemeinde Berge mit der Verhinderung von Durchgangsverkehr in Siedlungen und der Umleitung von Verkehrsströmen genau das erreiche, was Städte vermeiden wollten. Die Feinstaubbelastung steige, und es werde mehr Benzin verfahren. Speziell in Berge entstünden außerdem neue Gefahrenpunkte, weil jeder zweimal die Hauptstraße anfahren müsse. Zwar könne sich der Rat nun brüsten, etwas für die Anlieger getan zu haben. Besser sei es aber, wenn die Kommune die Straßen wieder in Ordnung bringe, erklärt Hans-Georg Meyer in einem Schreiben.

Andere Bürger kritisieren ebenfalls, dass es ein Unding sei, ein neues Einkaufszentrum zu bauen, um dann Straßen abzusperren. Es sei doch klar gewesen, dass mit Aldi und Co. auch der Verkehr anwachse. Zudem müssten wegen der Sperrung Anlieger aus dem Umfeld in einigen Fällen auch dann weitere Wege in Kauf nehmen, wenn sie gar nicht zum Einkaufen wollten.

So weit die Meinungen. Zum weiteren Prozedere: Wenn die Probezeit herum ist, wird der Rat tagen, um die Vor- und Nachteile der Sperrungen, die in Abstimmung mit dem Landkreis erfolgt sind, abwägen und dann weitere Entscheidungen treffen, wie Bürgermeister Volker Brandt sagt.


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