zuletzt aktualisiert vor

Der Himmel über Restrup reicht

Partner im Leben und auf der Bühne: Angela Gülck und Jirka Sova sind Schauspieler der Compagnia Buffo. Der Himmel über Restrup reicht ihnen zum kreativen Glück. Foto: Liesel HoevermannPartner im Leben und auf der Bühne: Angela Gülck und Jirka Sova sind Schauspieler der Compagnia Buffo. Der Himmel über Restrup reicht ihnen zum kreativen Glück. Foto: Liesel Hoevermann

Jirka Sova und Angela Gülck sind keine typischen Landbewohner, sie haben auch keine typischen Lebensläufe. Sie sind Schauspieler. Mit voller Inbrunst. Aus Leidenschaft. Heute Abend zum Beispiel. Da stehen sie wieder auf der Bühne im Theatersaal der Compagnia Buffo in Restrup. „Orte der Tat – Tatorte“ heißt ihr kriminalistisches Stück, das sie als „Teatro Divadlo“ aufführen, was nichts anderes heißt als „Theater, Theater“ – einmal auf Italienisch, einmal auf Tschechisch.

Während der Wintermonate wohnt das Duo in Restrup, dieser kleinen Bauerschaft mit wenig Häusern und viel Gegend. Dort haben sie die Muße, intensiv zu proben, damit das neue Stück bei den Aufführungen in Restrup und während der Sommertour durch Deutschland auch wirklich sitzt. Wer aber sind Jirka Sova und Angela Gülck eigentlich? Es ist an der Zeit, die beiden Landmitbewohner einmal „hautnah“ vorzustellen.

Angela Gülck dürfte den meisten Theaterfans schon etwas bekannt sein, schließlich ist sie seit 1991 festes Mitglied bei den „Buffos“ und seit 1993 auch Darstellerin auf der Bühne. Das verschmitzte Lächeln unter den großen, immer ein bisschen erstaunt schauenden Augen ist ihr Markenzeichen, ihre schauspielerische Vielseitigkeit hat sie an der Seite von Uli Beek und später Willi Lieverscheidt über Jahre unter Beweis gestellt. 1962 in Hamburg geboren, zog sie als Kind mit ihren Eltern berufsbedingt quer durch Deutschland. Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden- Württemberg waren Stationen. In Stuttgart hat sie schließlich ihr Abitur gemacht und schon kurze Zeit später die Schauspieltruppe der Compagnia Buffo mit Uli Beek auf ihrer Sommertour kennengelernt. Die Faszination des etwas anderen Theaters, die Liebe zu Uli Beek und die gemeinsame Tochter Maja schafften eine dauerhafte Verbindung. „Anfänglich habe ich die Schauspieler nur begleitet, sie bekocht und ihnen hinter der Bühne geholfen“, erinnert sich Angela Gülck. Später hat sie Kostüme genäht und bei der Gestaltung der Bühnenbilder mitgearbeitet. Nach und nach entwickelte sie sich zur Bühnendarstellerin. Heute ist sie die Partnerin von Jirka Sova – auf der Bühne und im Leben.

Jirka Sova lebt seit 2006 in Restrup, kennt die „Buffos“ aber schon seit 15 Jahren, da sich freie Künstler während ihrer Engagements „immer mal wieder über den Weg laufen“. Wie das eben so ist.

Jirka Sova –  „Sova“ bedeutet im Tschechischen übrigens Eule –  wurde 1962 in Prag geboren. Dort verbrachte er auch seine Kindheit und Jugend, bevor er an der dortigen Kunstakademie studierte. Schon als Kind lernte er tanzen, durchaus üblich im ehemals sozialistischen Tschechien. Eine klassische Ausbildung lehnte er ab, der moderne choreografische Tanz faszinierte ihn mehr, das nonverbale Theater, die Pantomime im klassischen italienischen Stil. Seine erste Solovorstellung hatte er mit 22 Jahren. 1984 wurde Jirka Sova tschechischer Meister im klassischen Stepptanz, einer weiteren Art der nonverbalen Darstellung. Neben Tanz und Theater faszinierte ihn die Musik, Banjo, und Hawaii-Gitarre spielt er immer noch. Viele Jahre agierte er in Swing- und Jazzbands, tourte mit ihnen durch Europa. Dazwischen gab es Engagements an Theatern in vielen Städten, in Liberec, ehemalig Reichenberg in Tschechien, am Lago Maggiore in Italien, in der Schweiz, in Frankreich und immer wieder in Deutschland. Jirka Sova spielte am Freiburger Stadttheater, im Landestheater Tübingen, am Bundestheater in Bonn, bei den Bad Hersfelder Festspielen. Er spielte, sang und tanzte in Schauspiel, Opern und Musicals, bekam den Kritikerpreis für seine Darstellung im Musical Hair. Für diverse Produktionen ging er viele Jahre im Sommer zurück ins heimatliche Prag. Im Jahr 2000 war die Metropole Kulturhauptstadt, Sova war damals aktiv an der Organisation der Straßentheaterszene beteiligt. „Man hat mir sogar eine Professur in Prag angeboten, aber das Stadtleben gefällt mir auf die Dauer nicht“, sagt er. „Der Himmel über Restrup“ reiche als Dach für kreative Ideen und neue Theaterpläne. „Die Fantasie hinter den Gedanken anzuregen“ ist seine Intention, mit unterschiedlichen Stilmitteln das Publikum in die Theaterwelt zu entführen. Aber er bleibt dabei bodenständig, ist begeisterter Handwerker mit Erfahrungen im Maschinenbau, auch das gehörte zur Ausbildung in Tschechien, setzt diese Fähigkeiten aktiv bei der Gestaltung der Zelt- und Bühnenkonstruktion ein. Irgendwann zwischendurch hat er auch eine Ausbildung zum „Rolfer“ gemacht. Rolfing ist eine Kombination aus Bindegewebsmassage und Haltungstraining und bietet offensichtlich auch verspannten Schauspielerkörpern große Erleichterung, wie Angela Gülck sagt. Na denn.


0 Kommentare