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Deutsch-französischer Partnerschaftsverein Alfhausen/La Meignanne feiert zehnjähriges Bestehen Die Kontakte nehmen zu

Von Margarete Hartbecke

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Alfhausen. Vom 17. bis 19. Mai feiert der Partnerschaftsverein Alfhausen/La Meignanne sein zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass lädt er Freunde, Förderer und Interessierte zu 18 Uhr ins Schützenhaus auf dem Lokenberg ein. Im Gespräch mit dem „Bersenbrücker Kreisblatt“ erläutern der Vorsitzende des Vereins, Christoph Große-Rechtien, sowie Schriftführerin Theresia Brickwedde die Entwicklung des Vereins.

Wie ist es zur Vereinsgründung gekommen, und warum wurde gerade La Meignanne für eine Partnerschaft ausgewählt?

Große Rechtien: Seit fast 50 Jahren gibt es eine Partnerschaft zwischen der französischen Stadt Angers und Osnabrück. Umliegende französische Orte haben im Laufe der Jahre versucht, ebenfalls Kontakte aufzubauen. La Meignanne ergriff dann etwa 1998 die Initiative.

Brickwedde: Sie haben Nortrup und Alfhausen angeschrieben. Aber Alfhausen hat zuerst geantwortet und ist deshalb Partnergemeinde geworden. Das hat uns Bürgermeister Leonhard Renze aus Nortrup erzählt, als wir mit unseren französischen Freunden vor Jahren die Nortruper Brauerei besichtigten. Altbürgermeister Karl-Heinz Bittner und Dr. Hermann Meyer besuchten damals zuerst La Meignanne und knüpften die ersten Kontakte.

Wie wird die Partnerschaft organisatorisch abgewickelt, und welche Rolle spielt die politische Gemeinde dabei?

Große Rechtien: 2002 unterzeichneten die beiden amtierenden Bürgermeister Klaus Wübbolding und Marcel Maugais hier bei uns anlässlich der 1025-Jahr-Feier die offizielle Partnerschaftsurkunde zwischen den beiden Orten. Damals gründete Alfhausen den eingetragenen Partnerschaftsverein. Darin ist unter anderem festgehalten, dass der amtierende Bürgermeister Vorstandsmitglied ist. Die Franzosen regeln das nicht über einen Verein. Sie nennen sich Comitée. Im jährlichen Wechsel besuchen sich die Partnergemeinden immer während des Himmelfahrtwochenendes.

Schon vor der Vereinsgründung hat es fröhliche Zusammenkünfte von Vertretern beider Gemeinden gegeben. Während eines dieser Treffen im Backhaus am Alfsee wurde Frankreich 2000 Fußball-Europameister. Das wurde ausgelassen gefeiert. Wie laufen die Treffen mittlerweile ab?

Brickwedde: Für die Partnerschaften besteht die Möglichkeit, EU-Fördergelder aus Brüssel zu bekommen. Das setzt voraus, dass die Treffen vorrangig einen informellen und bildenden Charakter haben. Deshalb müssen wir sie vorab genau planen und akkurate Tagesordnungen liefern. Die Anträge auf Fördergelder sind ausgesprochen kompliziert. Zum Glück hat sich der frühere Kassierer Michael Erdhaus intensiv damit auseinandergesetzt. Er ist Betriebswirtschaftler und kennt sich mit solchen Formularen aus. Ein Laie würde die bürokratische Sprache gar nicht verstehen. Erdhaus hat einen Grundstock aufgebaut und eine To-do-Liste erstellt, die wir bei jedem neuen Antrag abarbeiten. Das erleichtert es auch der neuen Kassiererin Andrea Wehlage, in die Aufgabe hineinzuwachsen.

Große Rechtien: Die EU-Gelder sind aber nicht leicht zu bekommen. 2008 hat es das letzte Mal geklappt. Damals hatten wir das Thema Behinderte. Wir haben unter anderem die Paul-Moor-Schule und den neuen Behindertenreitstall in Bersenbrück besucht. Die Franzosen waren begeistert von den gezeigten Fördermöglichkeiten.

Wie hat sich die Partnerschaft im Laufe der Jahre entwickelt? Gibt es neben den regelmäßigen Besuchen am Himmelfahrtwochenende weitere Kontakte?

Brickwedde: Da hat sich einiges getan. Der Direktor der landwirtschaftlichen Fachschule in La Meignanne, Guy Martin, hat sich 2003 an uns gewandt mit dem Wunsch, französische Praktikanten zu vermitteln. 2004 haben dann vier junge Franzosen hier im Umkreis ein dreiwöchiges Praktikum auf Bauernhöfen absolviert. Im nächsten Jahr wollten schon 17 kommen. Für so viele fehlten mir aber die Kontakte. Ich hab mich deshalb mit der Lehrerin Angelika Janßen-Brunnecke von den Berufsbildenden Schulen Bersenbrück in Verbindung gesetzt. Sie hat neue Adressen gefunden. Seitdem vermitteln wir die Praktikanten gemeinsam. Ein ausländisches Praktikum ist in Frankreich für die landwirtschaftliche Ausbildung Pflicht. Deshalb kommen mehr Franzosen zu uns als umgekehrt. Eine junge Französin ist auch geblieben. Sie hat ein dreiwöchiges Praktikum auf einem Reitstall in Menslage abgeleistet. Dann beendete sie ihre Schulausbildung in Frankreich und kam für zwei Jahre als Au-pair zurück nach Neuenkirchen. Mittlerweile lebt sie mit Ehemann und Sohn in Hessen. Auch das gibt es. Eine junge Alfhausener BWL-Studentin ist vor Kurzem nach La Meignanne gefahren und hat dort drei Wochen lang ihre Französischkenntnisse aufpoliert.Zurzeit sucht die Fachbereichsleiterin der von-Ravensberg-Schule in Bersenbrück für Französisch eine Partnerschule in Frankreich. Sie wird am 18. Mai auch bei der Jubiläumsfeier dabei sein und hofft, über unsere französischen Gäste neue Kontakte knüpfen zu können.

Auch deutsch-französische Fußballturniere hat es schon zweimal gegeben. Aber das läuft schwierig ab. Denn sie finden in den Osterferien statt, wenn viele Spieler in Urlaub sind und die Mannschaften dann stark ausgedünnt sind.Französisch ist hier in Deutschland keine Pflichtfremdsprache. Wie klappt es mit der Kommunikation?Große Rechtien: „Ich möchte ja auch wohl mitmachen, aber ich spreche kein Französisch!“ Das hören wir ganz oft. Aber das läuft ganz anders. Meist sind Gäste und Gastgeber in Gruppen zusammen. Da spricht immer einer Französisch oder einer Deutsch. Zu mir kommt immer Alain Flipot mit seiner Familie. Wir unterhalten uns auf Englisch. Manchmal helfen auch Hände und Füße. Und das Wörterbuch ist immer mit dabei. Wir haben einige Alfhausener, die gut Französisch sprechen. Am besten hat sich Theresia eingearbeitet. Sie ist mittlerweile unsere Dolmetscherin. Keiner braucht das Gefühl zu haben, ausgeliefert zu sein. Da hilft man sich gegenseitig. Sogar eine polnische Familie aus Wallenhorst ist zu uns gestoßen, und das klappt prima.

Was ist für die Zukunft geplant?

Brickwedde: Ich hoffe, dass immer wieder neue junge Leute dazukommen und sie irgendwann auch einmal unsere Vorstandsarbeit übernehmen.

Große Rechtien: Mir gefällt die Altersstruktur im Partnerschaftsverein. Die Älteren sind dabei geblieben, unser „Mittelalter“ ist da, und auch viele Jüngere sind nachgekommen. Ich hoffe, dass wir das nächste Jubiläum in zehn oder 15 Jahren auch in dieser Gruppenstärke und breiten Altersstruktur feiern können.


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