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Regina Neumann unterwegs mit einem Solostück Auf Tuchfühlung mit dem Publikum

Von Holger Schulze

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Regina Neumann spielt mitten im Publikum. Foto: Holger SchulzeRegina Neumann spielt mitten im Publikum. Foto: Holger Schulze

hols Engter. Die Schauspielerin Regina Neumann tritt relativ häufig in der Kulturwerkstatt Engter auf. Zum sechsten Mal gastierte sie am Samstagabend erneut dort, diesmal wieder mit einem Solostück.

Sparsame Requisiten, ein Publikum, das sich nach Frauen und Männer getrennt gegenübersitzt, wenige Scheinwerfer und die Stimme von Helmut Thiele aus den Lautsprecher, es brauchte nicht viel, um die Kulturwerkstatt in ein Zimmertheater zu verwandeln. Der Inhalt des Abends hingegen ist üppig: Anton Tschechow und seine in der Erzählung „Die Dame mit dem Hündchen“ fixierten Gedanken zum ewigen Thema Liebe.

Regina Neumann ist Erzähler, Geliebte und Eroberer in einer Person. Doch sie bleibt als Akteurin nicht alleine. Die Regie von Valerij Persikov will es, dass sich das Bühnengeschehen ins Publikum fortsetzt. Der eine Teil wird zeitweilig zur Anna Sergeevna, indem Regina Neumann den Part der Geliebten in den weiblich besetzten Stuhlreihen spielt, Teelichter halten lässt oder ihr Sonnenschirm die Runde macht. Der Männerseite wird ebenfalls das Aktivsein zugemutet, wenn Regina Neumann als Dmitriy Dmitrievich Gurov mitten unter den Anwesenden weilt, Melonenstücke zum Verzehr verteilt oder den Geliebten aus dem Publikum in das Schlafzimmer entführt. „Die Dame mit dem Hündchen“ ist die Geschichte einer Liebe, die, als leichte, flüchtige Verbindung im Sommer während eines Kuraufenthalts begonnen, sich mit den Erinnerungen und danach verstreichenden Monaten verwandelt.

Dmitriy Dmitrievich Gurov findet sich in den Wintermonaten in einer unendlichen Sehnsucht wieder, die ihn an den Wohnsitz von Anna treibt. Ein Wiedersehen in der Oper bildet den Beginn einer liebenden Verbindlichkeit, die den beiden ihr Verfallenen einen ungeplanten Lebenszuschnitt mit heimlichen Treffen und Lügen abverlangt. Die Erzählung entlässt ihre Zuhörer mit der verhaltenen Hoffnung, dass es nicht mehr lange dauern könnte, „bis die Lösung gefunden sein und ein neues, wunderschönes Leben beginnen würde; und beide begriffen sehr gut, dass es bis zum Ende noch sehr, sehr weit war und die größten Schwierigkeiten und Komplikationen noch vor ihnen lagen“, so das Ende in den Worten von Tschechow.

Es ist Regina Neumann gelungen, die begrenzte Räumlichkeit der Kulturwerkstatt in eine zum Stück absolut passende Atmosphäre umzuwandeln. Gerade die unmittelbare Nähe zum Publikum eröffnete den Raum für die Intimitäten des Stücks. Diese Tuchfühlung zum Publikum ließ die dargestellten Gefühle intensiver erlebbar und unmittelbarer werden, als dies von einer Bühne herab hätte geschehen können. Große Emotionen also, perfekt in ein kleines Theater integriert. Der Kulturwerkstatt sind weitere Abende mit diesem Zuschnitt zu wünschen.


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