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Wertstoff Holz unersetzbar 60 Jahre Waldschutzgenossenschaft Lintorf-Barkhausen

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Lintorf Ein Bürgermeister, der zum Jubiläum gratuliert, kommt häufiger vor. Dass der Gast dann auch noch stimmberechtigt ist – und das namens der Gemeinde – ist garantiert deutlich seltener der Fall. Möglich ist es dennoch, wie der Bad Essener Bürgermeister Günter Harmeyer beim 60. Geburtstag der Waldschutzgenossenschaft (WSG) Lintorf-Barkhausen bewies.

Schließlich verfügt die Kommune im Bereich der Jubiläums-WSG immerhin über eine Fläche von 4,32 Hektar und ist somit stimmberechtigt. Harmeyer kommentierte; „Ich genieße das.“ Insgesamt zählt die WSG rund 350 Mitglieder und 800 Hektar Wald. Die notwendigen Abstimmungen, die zur Mitgliederversammlung im Gasthaus Tönsmeyer in Brockhausen gehörten, erfolgten im Eilverfahren und einmütig. Das hatte mehrfachen Grund. Zum einen wusste Geschäftsführer Heinrich Rohlfes im Geschäftsbericht von schwarzen Zahlen zu berichten, und zum anderen galt es, auf die 60-jährige (erfolgreiche) Geschichte der WSG Rückschau zu halten.

Sechs Jahrzehnte Waldschutzgenossenschaft ließen gleich zwei Männer Revue passieren. Zunächst war das der heutige 87-jährige Kurt Kaase, der mit Gründung der Waldschutzgenossenschaften im Jahr 1952 die Försterstelle Wittlage-Ost übernahm. Wittlage-West leitete Hans Ohm. Von der zwangsweisen Holzabgabe direkt nach dem Krieg, ging es dank Währungsreform und Marktwirtschaft bergauf. Der Bedarf an Holz war in den 1950er-Jahren so groß, dass der Verkauf kein Problem war. „Nie waren die Erträge in der Forstwirtschaft höher als zu dieser Zeit“, unterstricht Kaase. Für gutes Buchenstammholz wurden demnach 180 DM je Festmeter gezahlt – bei einem Industrie-Stundenlohn von 1,50 DM. Bevor sehr günstiges Heizöl (8 Pfennige je Liter) auf den Markt kam, war Holz ein entscheidender Energieträger.

Und auch das gehörte zur Erinnerung an die frühen Zeiten der WSG: Hölzer wie Pappel und Strobe (Weymouthkiefer) spielten im Gegensatz zu heute eine erhebliche wirtschaftliche Rolle. Damwild gab es in den Wäldern noch nicht, der Rehwildbestand war kleiner, sodass einige Baumkulturen ohne Verbissschäden aufwachsen konnten – und die ersten Wildschweine sorgten für Gesprächsstoff. Der Zeitaufwand für Holzabrechnungen war groß: Gerechnet wurde per Kopf, Verkaufsverträge handschriftlich erstellt, und für weitere Ausfertigungen war Pauspapier erforderlich. Der heutige Vorsitzende erinnerte an die Anfänge der Waldschutzgenossenschaft Lintorf-Barkhausen. Ende 1951 trafen die Waldbesitzer den Gründungsbeschluss im damaligen Gasthaus Schomborg. Der forstliche Beratungsdienst war damals ebenso wichtig wie die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes und die Zwangsmitgliedschaft. „Das hat sich in schwierigen Zeiten als vorteilhaft erwiesen“, betonte Klausing.

Das Statut der WSG wurde im Mai 1952 vom Kreistag Wittlage bestätigt, die erste Mitgliederversammlung fand am 16. November 1952 im Gasthaus Lampe statt. Zum Vorsitzenden wurde Heinrich Glameyer gewählt. Ein großes Thema war damals die Wiederaufforstung, da während des Krieges nicht viel geschehen war. Nicht weniger wichtig: der Waldwegebau, um das Holz aus dem Wald herausbekommen zu können.

1958 wurde die erste Ein-Mann-Motorsäge angeschafft, 1963 wurde Heinrich Knippenberg Vorsitzender. Ihm folgte 1967 Fritz Schulte, der dieses Amt rund 34 Jahre ausübte und sich um den Wald verdient machte. Im Jahr 2000 wurde Hermann Glameyer Vorsitzender, und seit 2004 steht Rudolf Klausing an der Spitze der Vereinigung der Waldbesitzer.

Stürme wie im Jahr 1972 ließen die Holzpreise einbrechen, im Zusammenhang mit Wasserbohrungen im Glanebachtal wurde 1980 ein Beweissicherungsverfahren durchgesetzt und 1996 abgeschlossen. Zwei Jahre zuvor erfolgte erstmals im heimischen Forst die Holzernte mit dem Harvester.

„Die Aufgaben der WSG werden nicht kleiner“, betonte Klausing. Er fügte hinzu: „Naturschutz und Nachhaltigkeit sind unsere Aufgabe, die wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen dürfen. Wichtig ist zusammenzustehen und den Wald gemeinsam zu bewirtschaften.“

Bürgermeister Harmeyer unterstrich in seinem Glückwunsch, dass die Gemeinde die ehrenamtlich geleistete Arbeit der WSG sehr hoch bewertet. Er lobte: „Wenn es die WSG noch nicht gäbe, müsste sie dringend erfunden werden.“ Es gelinge dort seit Jahrzehnten, Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion mit dem Nachhaltigkeitsgrundsatz zu verbinden.

Klaus Burke, der frühere Bezirksförster, der heute Geschäftsführer der Nord-West-Holz eG ist, die das heimische Holz vermarktet, verwies darauf, dass der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft stammt. Er machte deutlich, dass das Brennholz in den vergangenen Jahren eine außergewöhnliche Entwicklung erfuhr, wobei das Nadelholz nicht die Resonanz findet. die es verdient. Er fasste zusammen: „Niemand weiß, wie es wirklich weitergeht. Aber Sie produzieren einen Wertstoff, der durch nichts zu ersetzen ist. Wenn wir uns dessen bewusst sind, gehen wir guten Zeiten entgegen.“

Bezirksförster Jochen Schulze-Pellingar teilte mit, dass der Holzeinschlag in der Waldschutzgenossenschaft Lintorf-Barkhausen „den guten Preisen folgte“ und gegenüber dem Vorjahr um rund 2000 auf jetzt rund 6500 Festmeter angestiegen sei.

Für das kommende Jahr sei zudem ein Brennholzverkauf zusammen mit der Gemeinde Bad Essen geplant – und in Arbeit. Veränderungen brachten die Vorstandswahlen für die vierjährige Amtsperiode mit sich. Vorsitzender bleibt Rudolf Klausing, neuer 2. Vorsitzender ist Achim Meyer, der Siegfried Meyer-Bahr ablöst. Ebenfalls neu: Beisitzer Ulrich Niemeyer.


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