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DM im Moorfußball Dreckige Siege auf schwerem Geläuf in Rieste

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Rieste. Die Damen des Piesberger SV sind neue Deutsche Meisterinnen im Moorfußball. Bei den Herren verteidigten die „Moormonen“ ihren Titel. Sie fahren zur Weltmeisterschaft nach Finnland. Im Mittelpunkt des matschigen Vergnügens standen jedoch nicht Erfolge oder Pokale, sondern Spaß und gute Laune.

Samstagvormittag, gegen 10 Uhr: Sonne, zehn Grad warm – oder kalt? Jedenfalls kein ideales Moorfußballwetter. Um diese Zeit waren die Trikots der Spielerinnen und Spieler noch blütenweiß. Mit ihren weißen Hosen und blauen Trikots erinnerten die Damen des TuS Harpen an den VfL Bochum. Tatsächlich waren sie aus der Stadt des ehemals unabsteigbaren Erstligisten nach Rieste gereist – und zwar ahnungslos. „Unser Trainer hat gesagt, er hätte ein gutes Turnier für uns gefunden“, erzählte die 20-jährige Nina Rauh. Dass es sich dabei um Moorfußball handelte, hatte die Damenmannschaft aus der Kreisliga erst am Alfsee erfahren. Es machte ihnen aber nichts aus. Im Gegenteil: „Das ist cool“, sagte Amelie Brunneken. Und Angst, sich dreckig zu machen, hatten die Bochumerinnen auch nicht: „Wir sind Asis“, meinte Torfrau Dina Lakew, und ihre Mitspielerinnen stimmten den alten Spruch an: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert.“

Während sich die Harpener Damen mit Bier und Pizza für kommende Aufgaben stärkten, labten sich Theresa Schmidt und Julia Sahlfeld an „Hugo“. Das ist Prosecco mit Holundersaft. Die jungen Frauen gehörten zur SG Hesepe-Sögeln-Alfhausen. Sie gewannen den Titel bei den Damen im vergangenen Jahr. Sie benutzten aber auch ein anderes Getränk fürs mentale Doping: Salmicki. Das, so erklärten sie, ist schwarzer Lakritzschnaps, den sie vor einem Jahr bei der Moorfußball-Weltmeisterschaft im finnischen Ukkohalla entdeckt hatten. Dort traten sie als Deutsche Meisterinnen an. „Die hiesigen Plätze sind im Gegensatz zu Finnland staubtrocken“, meinten sie.

Zur Weltmeisterschaft hätten auch die Kicker der „Moormomen“ fahren können. Sie hatten den Titel 2012 bei den Herren gewonnen, bekamen aber keinen Urlaub. In diesem Jahr werden sie wohl auch nicht nach Finnland fahren, da das Schützenfest zur gleichen Zeit wie die Weltmeisterschaft stattfindet. Ihr gutes Abschneiden kommentierte Marius Starmann von den „Moormonen“ so: „Wir kommen vom Dorf. Da weiß man, wie man auf einem Acker läuft.“

Vom Dorf kamen auch die 14 Herren und die eine Dame der Mannschaft mit dem ungewöhnlichen Namen „MfG HauDraufWieNix“. Sie reisten mit dem Planwagen aus Lorse bei Holdorf an. Auf dem Trecker saß Helena Heil. „Ich bin der treueste Fan“, sagte sie. Mitspielen wollte sie nicht. Zu viel Dreck, sagte sie. Ihr Bruder Felix Heil sah nach dem ersten Spiel aus, als hätte er ein Schlammbad genommen. Der 20-Jährige spielte barfuß, weil er seine Schuhe vergessen hatte. „So kann ich meine Füße auch besser aus dem Moor ziehen“, meinte er. Seit zwei Jahren gibt es die Lorser als Theken-Mannschaft. Coach Steffen Arnold gab für die Lorser die Taktik aus, hinten gut zu stehen, den Ball hochzuhalten und vollen Einsatz zu geben. Er selbst spielte nicht mit. Seine Schützlinge meinten: „Moorfußball ist ziemlich anstrengend.“

Veranstalter Karsten Lammers war nach zwei Tagen Moorfußball-Turnier zwar geschafft, aber zufrieden: „Es war eine große Fußball-Party.“


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