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Ein typischer Enkeltrick-Betrugsanruf mit Kommentaren der Polizei So wird Hedwig Schulze ruck, zuck 5000 Euro los

<em>Thomas Schnorfeil,</em> Polizei GMHütte. Foto: Archiv/KöhlerThomas Schnorfeil, Polizei GMHütte. Foto: Archiv/Köhler

ack Osnabrück/Georgsmarienhütte. Wie schaffen es die Ganoven nur, sich glaubhaft als Enkel oder Neffen ihrer Opfer auszugeben? Dieser Frage sind wir bereits vor fünf Jahren nachgegangen, indem wir einen typischen Betrugsanruf dokumentiert haben, wie er so (oder so ähnlich) immer wieder vorkommt. Thomas Schnorfeil, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes bei der Polizei Georgsmarienhütte, hat damals die wichtigsten Stellen für uns kommentiert. Da das Thema nichts an Aktualität eingebüßt hat und die Tricks der Betrüger leider noch immer funktionieren, haben wir uns dafür entschieden, das nachgestellte Telefongespräch erneut zu veröffentlichen.

Hedwig Schulze (hebt ab): Schulze.

Betrüger: Hallo Oma Hedwig, wie geht’s dir denn?

Wer ist denn da?

Na, ich bin’s. Also, sag bloß, du erkennst mich nicht!

Schnorfeil: Es handelt sich um ein typisches Anbahnungsgespräch. Der Anrufer versucht, das Opfer in die Defensive zu drängen. Er will erreichen, dass die Frau kein weiteres Mal nachfragt. Wer gibt schon gerne zu, einen Verwandten nicht an der Stimme zu erkennen? Wer in eine solche Situation gerät, sollte trotzdem nachfragen und versuchen, die Gesprächsführung zu übernehmen.

Bist du es, Stefan?

Natürlich bin ich es. Hast du mich wirklich nicht gleich erkannt?

Junge, deine Stimme klingt so anders.

Ach, weißt du, das liegt am Rauchen. Morgens bin ich tierisch heiser, aber abends geht’s dann wieder.

Schnorfeil: Das Opfer fasst Vertrauen – der Betrüger hat sein erstes Ziel erreicht: Er hat einen Namen. Er wird jetzt dessen Identität annehmen.

Du, ich bin seit fünf Monaten arbeitslos.

Was? Aber du hattest doch diese gute Stelle…! Das tut mir aber leid.

Schnorfeil: Es folgt die zweite Phase der Gesprächsführung. Das Opfer soll Mitleid haben. Denn wer Mitleid hat, wird sicherlich gerne helfen wollen.

Ja, aber stell dir vor, ich könnte Filialleiter bei Edeka werden, hab schon morgen ein Vorstellungsgespräch in Süddeutschland.

Na, das freut mich aber.

Schnorfeil: Es wird wieder Hoffnung aufgebaut. In dieser Phase spielt der Täter mit den Gefühlen des Opfers – eine weitere vertrauensbildende Maßnahme.

Das Dumme ist nur, dass ich heute Morgen ’nen ziemlich schlimmen Autounfall hatte. Totalschaden. Ich weiß gar nicht, wie ich morgen nach München kommen soll…

Schnorfeil: Jetzt wird eine plötzliche Notsituation suggeriert. Das Opfer soll beeinflusst werden, damit es zur schnellen Hilfe bereit ist.

Junge, das ist ja schrecklich!

Na, das wird schon. Mir geht’s ja gut. Weißt du, ich könnte von einem Bekannten ganz billig einen fast neuen BMW kaufen, ein echtes Schnäppchen. Kannste mir dafür Geld leihen?

Schnorfeil: In diesem Moment ist das Opfer zunächst erleichtert, dass dem vermeintlichen Enkel nichts passiert ist. Natürlich will die alte Dame in dieser Notlage weiterhelfen.

Natürlich. Wie viel brauchst du denn?

30000 Euro brauche ich wohl.

Schnorfeil: Die Summe wird vom Täter besonders hoch angesetzt, um in dem Gespräch auszuloten, über wie viel Kapital das Opfer verfügt. Nur so lassen sich maximale Gewinne erzielen.

So viel hab ich gar nicht da.

Wie viel hast du denn?

Na, 5000, mehr hab ich nicht im Haus.

Du, das ist auch gut, das würde wohl als Anzahlung reichen. Das Blöde ist nur: Ich kann’s nicht abholen, mein Knie tut so weh nach dem Unfall.

Schnorfeil: Eine weitere Phase wird erreicht: Es geht um die Organisation der Geldübergabe. Dazu muss natürlich eine fremde Person ins Spiel gebracht werden.

Ich würd gern einen guten Freund schicken, den Harald.

Aber den kenne ich doch gar nicht…

Recht hast du. Damit du ihn erkennst, sollten wir ein Kennwort vereinbaren, damit bei dir kein Falscher auftaucht. Wie wäre es mit „Stefan hat Oma Hedwig lieb“?

Gute Idee. Wann kommt er denn vorbei?

Schnorfeil: Der Trick mit dem Kennwort soll weiteres Vertrauen schaffen. So erreicht der Täter sein Ziel.


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