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Engagierter Bürger begehrt auf Weg mit Geschichte soll Feldern weichen

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Achmer. Schon seit alter Zeit führt ein Weg von Achmer-Grünegras bis nach Bramsche zur Martinskirche. Ein langes Teilstück davon ist als Grünegräserweg in Bramsche erhalten. Ein kurzer, aber besonders schöner Abschnitt könnte jetzt der Flurneuordnung in Achmer zum Opfer fallen.

Bei der Flurbereinigung geht es darum, land- und forstwirtschaftlichen Besitz so neu zu ordnen, dass effektiver auf größeren Flächen gearbeitet werden kann. Das regeln die Eigentümer der Flächen in der Teilnehmergemeinschaft unter Einbeziehung von Behörden und beteiligten Kommunen. Die Aufsicht führt die Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften, kurz GLL, in Osnabrück. Den Wegebau finanziert die EU, das Geld für andere Planungen stammt aus einem gemeinsamen Topf von Bund und Land. Beim Blick aufs große Ganze können schon einmal Details wie die Bedeutung eines kleinen Feldweges in den Hintergrund geraten.

Wer, vom Bramsche kommend, die Bebauung am Grünegräserweg hinter sich lässt und immer weiter geradeaus geht, kommt an eine Kreuzung, an der es links auf die Straße Ritzendiek und rechts in den Wald geht. Geradeaus führt ein unscheinbarer Feldweg weiter bis zum Hasenkamp und bis zum Grünegras. Der unscheinbare Pfad ist unbefestigt, gleichwohl Bestandteil des „jahrhundertealten Kirchwegs“, sagt der Bramscher Volkskundler Ernst-Helmut Segschneider. Er fragt sich, ob dies im Zuge des Flurbereinigungsverfahrens ausreichend berücksichtigt worden ist. Es könne doch nicht sein, dass so ein Weg verschwindet, nur damit landwirtschaftliche Maschinen noch rationeller arbeiten können.

Der Feldweg ist aber nicht nur historisch oder heimatkundlich eine Besonderheit. Es ist auch ein schönes Stück Wanderweg mit einem herrlichen Panoramablick Richtung Osnabrück und Ibbenbüren. Nicht umsonst heißt das Flurstück auf Platt Wietfeld, also weites Feld.. Wenn dieser Abschnitt verschwindet, bieten die Umwege über den Ritzendiek oder durch den Wald zum Hasenkamp weit weniger spektakuläre Ausblicke.

Wer wie Segschneider zudem einen Blick für die kleinen Kostbarkeiten am Wegesrand hat, wird hier pausenlos fündig: Dorniger Hauhechel, Zentaurie, „Pannkokendissel“ und viele andere Arten listet Segschneider beim Ortstermin auf. Zur reichen Flora gehört eine abwechslungsreiche Fauna mit Schmetterlingen, Käfern, Feldmäusen und anderem mehr. „Diese typische Feldrain-Lebenswelt verschwindet mit dem Weg“, klagt Segschneider. In einem Vorgriff auf die Baumaßnahme seien bereits jetzt seltene Pflanzen wie der Dornige Hauhechel unter einer Erdaufschüttung „plattgewalzt“ worden, klagt Segschneider.

Zu allen Überfluss soll im Zuge der Flurbereinigung auch noch eine kleine Wallhecke am Rande des Feldweges umgesetzt werden. In diesem Naturkleinod am Feldrand befinde sich ein unterirdisches Gängesystem, in dem Fuchs und Dachs zu Hause seien.

„Sechs rote Kreuzchen“ auf einem Plan hatten den Volkskundler alarmiert. Sie bedeuten, dass der Weg ersatzlos entfernt wird, um die umliegenden Felder zusammenzulegen. Segschneider wundert sich, dass keinem der am Verfahren beteiligten Verbände dieser Abschnitt aufgefallen ist. Einwände seien jedenfalls bisher nicht bekannt, sagt Johannes Fünfzig von der Stadt Bramsche. Die ist allerdings nicht Trägerin des Verfahrens. Für die Flurbereinigung ist beim GLL Osnabrück Norbert Wencker zuständig. Der sagte an diesem Freitag, 24. September, er sei zwar nicht über den letzten Stand der Dinge im Verfahren in Achmer informiert, grundsätzlich aber gebe es noch Möglichkeiten, etwas zu ändern. Die Einwender sollten sich melden, „dann müssen wir schauen, was wir da noch machen können“.

Mit einem Anruf von Ernst-Helmut Segschneider kann er sicher rechnen. Und auch im Ortsrat Achmer war die Flurbereinigung Thema: CDU-Ortsratsherr Hermann Droste verwies auf das Schicksal des alten Kirchweges. „Das Problem kannte ich gar nicht“, räumt Ortsbürgermeister Heiner Pahlmann ein. Die Kommunalpolitik ist beim Verfahren außen vor.

Markierungen am Wegesrand weisen darauf hin, dass die Bauarbeiten bald beginnen. Noch aber kann verhindert werden, was Segschneider fürchtet: Ein Weg mit „kulturhistorischer Biografie“ verschwindet, und mit ihm sagen „Fuchs und Dachs gute Nacht“.


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