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Spieltriebe-Programm, Route 5: Gruppentherapie gegen Kriegsfrust

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Ob die drei Oskar-Schauspieler osteuropäische Gaukler, eine mittelalterliche Spielschar oder eine recht fantasievoll gekleidete afrikanische Straßentheatergruppe darstellen, wird nicht so recht deutlich. Harter Akzent und Polkamusik, weiß geschminkte clowneske Gesichter und Jonglage sowie wild zusammengewürfelte Kostüme erschweren eine örtliche und zeitliche Einordnung der Szenerie.

Abgesehen von dieser Verwirrung ist Alexander Franks Adaption von Henning Mankells Erfolgsroman „Chronist der Winde“ in der Gertrudenkirche ein emotionaler Blick in den Abgrund afrikanischer Straßenkinderrealität geworden.

Die Gaukler erzählen von der Armut des zehnjährigen Nelio, der in ihrem Theater von einem Wachmann erschossen wurde, wo er mit seiner Gang nachts heimlich geschauspielert hat. Zwischen kindlicher Leichtigkeit und der real existierenden Gewalt, denen Randexistenzen in Nelios Gesellschaft ausgesetzt sind, changiert das Stück zwar sicher, aber manchmal etwas zu steif. Ganz anders dagegen wenige Meter weiter in der ehemaligen Kantine der Psychiatrie am Gertrudenberg. Hier wird zur „entmilitarisierenden Maßnahme“ eingeladen, und sechs Soldaten haben sich um die die Gruppentherapie leitende Krankenschwester versammelt.

In „Ein bisschen Frieden“ wird kein einziges Wort gesprochen – nur gesungen. Mit Popsongs aus den letzten fünfzig Jahren Musikgeschichte singen sich die Militärs den (Kriegs-) Frust von der Seele. Was Peter Dorsch und Annette Pullen inszeniert haben, ist durchgehend brillant zynisch und kurzweilig, dabei immer wieder in Facetten psychologisch-tiefschürfend, wenn Thomas Schneider als Offizier mit Abbas „Take a Chance on me“ die Soldaten euphorisch für seine Befehle gewinnen will. Oder Alexandre Pierre als Vorzeigerekrut „Ich will mein Leben zurück“ aus „Die Reklamation“ von Wir sind Helden fordert.

 


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