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Spieltriebe-Programm, Route 4: Der Humor des Surrealen

Der Sex war toll. Aber sie ist eine Frau mit Spaß am unverbindlichen One-Night-Stand – und nicht die bestellte Prostituierte mit Safer-Sex-Garantie. Dem Höhepunkt folgt postkoitale Depression, der Lustgewinn verpufft in der Angst vor der Infektion: Der Mann ist „entsichert“.

Es ist dies eine Szene aus den „Drahtseilakrobaten“ von Peca Stefan. Der rumänische Autor zieht kontinuierlich seinen Protagonisten den Boden unter den Füßen weg: dem Autor die freie Rede, dem Paar die gemeinsam empfundene Liebe, der Tochter die Kommunikation – wie soll sie an den Vater rankommen, wenn der mit der Mumie seines Vaters reden will? Stefans Situationen wirken eher konstruiert als surreal, und der rote Faden erweist sich als rissig. Katja Lillih Leinenweber aber setzt das Stück im Piesberger Gesellschaftshaus filigran um, und das Ensemble agiert präzise und ernsthaft – was in diesem Fall grotesken Humor beinhaltet.

Eng am 9/11-Ausgangspunkt der Spieltriebe orientieren sich drei Kurzopern im Magazin des Museums Industriekultur. Panos Iliopoulos unterlegt die „Gaza Monologe“, Zeugnisse junger Palästinenser von einem israelischen Raketenangriff, mit rauen Klangflächen aus Streichern und Live elektronik, Benjamin Helmer konfrontiert in „Namenlos“ zu Streicher- und Schlagzeugklängen Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg mit Berichten aus dem Irak-Krieg, die das Sterben auf eine statistische Größe reduzieren. Am musiktheatralischsten geht Sebastian Bothe zu Werk: In seiner Musik-Text-Kollage „Requiem“ für Sprecher, Schauspieler, Sopran, Tenor und ein Ensemble aus Bläsern und zwei Celli fühlen sich die Schrecken des Kriegs wie der personifizierte Zorn Gottes an – ein zeitloses Phänomen.


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