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Spieltriebe-Programm, Route 3: Hinsehen? Wegsehen? Hingehen!

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Die grüne Route ist zu gut: Zwei Sprech-Stücke wurden so lang und unkürzbar, dass sie nicht ins Zeitgerüst passen. Die Zuschauer müssen nach der Pause entscheiden, welche Aufführung sie sehen wollen.

Zuerst aber kommt die Musik: Unter dem Titel „Kompositionen zwei“ kombinieren Markus Lafleur und Guillermo Amaya Arbeiten der Kompositionsklasse Sidney Corbetts. Der Bogen spannt sich von der anekdotischen Komödie „Der Mönch und der Samurai“  von Kian Geiselbrechtinger über Harold Bedoyas Kriegsfarce „Stentor“ bis hin zur Verzweiflungsmusik von „Flügeltraum“, in der Jürgen Sting mit Aichinger an die NS-Zeit erinnert.

Immer düsterer, immer komplexer werden die Klänge, denen das Publikum über drei improvisierte Bühnen durch die Limberger Kasernenmensa folgt. Dann heißt es wählen: Für Frank Abts „Wenn die Sonne immer noch so schön scheint“  wurden Interviews zu den 9/11-Erinnerungen von Osnabrückern zu Bühnenporträts verarbeitet: Wie sieht die Geschichte des Terrors aus regionaler Sicht aus? Die Alternative ist „Blogo sphere Iraq“ von Liz Rech. Mit Sandboden und -säcken statt Bestuhlung parodiert der Raum das Klischee vom Wüstenkrieg. Zitiert werden Blogs zum Irak-Krieg, der einer Irakerin und der eines US-Soldaten. Während sie die Rolle der Frau, den Wandel des Landes und Unrecht auf allen Seiten diskutiert, beobachtet er – Vögel. Zynische Weltflucht?

Das Stück belehrt uns eines Besseren: Wenn das echte (!) Video einer Geiselenthauptung projiziert wird, werden viele Zuschauer selbst den Blick zur Ornithologie des Soldaten wenden. Ein anarchischer, schneller, im besten Sinne überfordernder Abend, der selbst den Zeitdruck des Festivals zum Gag macht: mit ei ner rückwärts laufenden Uhr an der Wand.


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