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Spieltriebe-Programm, Route 2: Intensiv, rasend, schnell

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Auf heftige Gefühlswechsel dürfen sich Zuschauer der roten Limberg-Route einstellen. Im Naafi-Supermarkt begrüßt Schauspieler Dennis Pörtner sie mit „Odyssee“-Zitaten und führt sie in die deutschsprachige Erstaufführung von „Hundegrab“ , einem Stück, das die Italienerin Letizia Russo vor zehn Jahren geschrieben hat. Der Krieg hört hier nicht auf. Nicht jenseits der Front und nicht nach seinem Ende.

Regisseur Felix Meyer-Christian verschafft ein intensives Theatererlebnis. Das ist auch den überzeugenden Schauspielern zu verdanken, die sich die Kleider vom Leib reißen, mit Schlamm beschmieren und in Gefühle hineinsteigern. Doch das Suhlen im Schmutz befreit nicht von Schuldgefühlen, Trauer und Wut. Am Ende bleiben eine zerstörte Kulisse und die Frage, wer den Krieg begonnen hat. Etwa „du und ich“, wie Luther seine Frau Mánia fragt. Das alles ist zum Weinen traurig und doch beglückend, weil dieses Stück so gelungen ist.

Da tut der Spaziergang über das friedliche Gelände der verlassenen Kaserne gut, bevor es in der Kirche mit der Uraufführung von „Wartopia“ weitergeht. Regisseur Pedro Martins Beja und die Schauspieler Ana Berkenhoff und Christian Bayer haben die Performance ohne Stückvorlage entwickelt. Der ruhige Empfang im mit Bäumen geschmückten Gotteshaus täuscht. Was folgt, ist ein rasend schneller Mix aus Schauspiel, Video installationen, Livemusik und Texten, der sich mit nationalen Gefühlen und sozialistischen Bestrebungen, mit Krieg und Frieden befasst. Trotz anspruchsvoller Texte lässt die laute, bunte und witzige Collage nicht viel Zeit zum Denken. Aber immerhin die Erkenntnis über die „unendliche Entfernung zwischen unseren Gehirnen“. 


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