zuletzt aktualisiert vor

Spieltriebe-Programm, Route 1: Temporeiche bewegende Bilder

Meine Nachrichten

Um das Thema Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Messerscharfe Dialoge, inszeniert im Maschinengewehr-Tempo, erwarten die Zuschauer in Theresia Walsers atemberaubendem und brisantem Schauspiel „Eine Stille für Frau Schirakesch“ im Emma-Theater.

„In 77 Minuten wird in Tschundakar Frau Schirakesch gesteinigt“, sagt Hilda. Sie ist Moderatorin einer TV-Talkrunde, die sich abgeschirmt auf dem Sofa im Wüstensand trifft: Zwei schillernde Schönheitsköniginnen, ein zackiger General, eine vom Auslandseinsatz traumatisierte Bundeswehrsoldatin sowie ihr vor Stolz platzender Vater wollen ein Solidaritätszeichen für die zum Tode verurteilte Frau setzen. Stattdessen demaskieren sie sich (und uns) während der bizarren Talk-Vorbereitung als Grüppchen voller hilfloser Selbstdarsteller angesichts der Realität eines Kriegs im Namen der Menschenrechte.

Die Dunkelheit, die Enge, die Todesangst – im Nussbaum-Haus sind sie während der dreiteiligen Choreografie „Grey Dust“ körperlich spürbar. Nanine Linning wagt in energiegeladenen Tanzbildern eine Annäherung an die Emotionen der Betroffenen der Terroranschläge des 11. September im World Trade Center. Hautnah ist ein Kampf mit animalisch-wirkenden Kräften gegen den Tod zu sehen oder verzweifelte, liebevolle Versuche, den Schwächeren zu stützen.

Innerlich sehr bewegt geht es weiter: Die 11-köpfige Jugendtheatergruppe „Amigos Bandidos“ verhandelt in „Gründe“ (Inszenierung: Johanna Bethge) im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Kriegsgründe – und rüttelt mit ihrem choreografischen Kreuzverhör kräftig auf. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN