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Verzicht auf Kandidatur 2013 Lingener MdB Hermann Kues: Kümmerer mit politischer Statur

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Hermann Kues zieht sich ins Private zurück. Foto: ArchivHermann Kues zieht sich ins Private zurück. Foto: Archiv

Altenlingen. Auch wenn Hermann Kues den Abschied von seinem Beruf als Politiker verkündet hat, ist er es bis zum Ende der Legislaturperiode noch, will es auch sein.

Auf der Terrasse seines Hauses in Altenlingen macht sich der 62-Jährige über einen Stapel Papiere aus dem Bundesfamilienministerium her, kritzelt Notizen an den Rand. Es geht um Frauen in Minijobs, außerdem um den Haushaltsplan 2013 für das Ministerium. Bis Dienstag, wenn der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär wieder in Berlin ist, will er die Unterlagen durchgearbeitet haben.

Seit 1994 hat Kues den Wahlkreis Mittelems, der die Grafschaft Bentheim und die Altkreise Lingen und Meppen ohne Haren und Twist umfasst, in fünf Wahlgängen jeweils direkt und mit deutlicher Mehrheit gewonnen. Seit 2005 ist er Parlamentarischer Staatssekretär im Familienministerium, die Liste weiterer Ämter ist lang. Der hochgewachsene Altenlingener ist auch aufgrund seiner politischen Statur nicht zu übersehen, weder in Berlin noch in seinem Wahlkreis.

Gleichwohl: Kues hat im November Geburtstag und wäre im Falle einer Wiederwahl Ende 2013 zu Beginn der neuen Legislaturperiode 64 Jahre alt. Er gehört dann seit knapp 20 Jahren dem Bundestag an. „Ich hab’s gern gemacht, aber nun ist es gut gewesen“, sagt der CDU-Politiker mit einem lachenden und weinenden Auge.

Der Christdemokrat schaut dankbar auf diese Zeit zurück, sie ist ihm aber kein Ansporn weiterzumachen. „Alles hat seine Zeit. Es sind neue Leute mit neuen Ideen gefragt“, begründet er in einem Brief an den Lingener CDU-Kreisvorsitzenden Heinz Rolfes seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur.

„Nicht leichtgefallen“

„Leicht ist mir das nicht gefallen“, räumt Kues ein. Ursula Kues schmunzelt. Sie finde, 20 Jahre Teilzeitehe seien genug, lächelt sie. Doch es ist nicht so, dass die Ehefrau des Bundestagsabgeordneten ihren Mann von einem weiteren politischen Engagement in Berlin und im Wahlkreis abgehalten hat. Hermann Kues selbst wollte die Entscheidung zu einem Zeitpunkt treffen, an dem die Gruppe derer, die diesen Schritt bedauert, größer ist als die Zahl der schweigenden Kritiker. Der Altenlingener hat in der Politik, aber nicht nur da, genug Funktionsträger getroffen, die einfach nicht loslassen konnten und nur einen Seufzer der Erleichterung bei Umstehenden auslösten, als es dann endlich so weit war.

Die Entscheidung sei dennoch schwer gewesen, räumt Kues ein. Wer den Altenlingener in all den Jahren beobachtet hat, konnte feststellen, dass ihm die zentrale Aufgabe eines MdB, eine Art Vertrauensarbeiter für die Demokratie zu sein, Bindeglied zwischen Politikbetrieb und Bevölkerung, mit großer Freude erfüllt hat. „Die Möglichkeiten der Mitgestaltung in der Grafschaft und im Emsland haben mir immer viel Spaß gemacht“, blickt er auf die unzähligen Veranstaltungen und Begegnungen in beiden Landkreisen zurück.

Viel Zeit investierte Kues dabei, wollte aber auch der Familienmensch sein, Vater von drei inzwischen erwachsenen Töchtern. Ein schwieriger Spagat, bei dem so manche Politikerehe schon zerbrochen ist. Kues weiß, dass er in all den Abgeordnetenjahren stets auf seine Frau zählen konnte. „Dass wir einen privaten Freundeskreis in Lingen haben, habe ich ihr zu verdanken“, beschreibt er ein Netzwerk, das nicht aus politischen Seilschaften besteht, sondern auf persönlicher Wertschätzung.

Kues’ politischer Kompass orientiert sich an christlichen Wertmaßstäben. Der biomedizinischen Grundsatzdebatte in Deutschland, der Frage, wie weit die Stammzellenforschung gehen darf, hat er ein Profil gegeben. Diese grundsätzliche Debatte sei faszinierend gewesen, erinnert der Altenlingener an parteiübergreifende Bündnisse mit Gleichgesinnten aus den Fraktionen von SPD und Grünen. Auch der Arbeitsmarktreform und deren Ausgestaltung in der Modellregion Emsland drückte er zusammen mit anderen seinen Stempel auf. Kues war in all den Jahren auch Türöffner, Netzwerker für die Kommunen in Berlin, wenn es um Straßenbau, Wasserwirtschaft und anderes ging.

Immer aber eben auch um Menschen. Der Politiker war ein Kümmerer und bleibt es auch – der Schwerpunkt verlagert sich aber künftig Richtung Familie und Freunde vor Ort. Mit ihnen ist er heute zum Wandern unterwegs. Einmal im Jahr geht es ein Wochenende lang auf Tour. Dieses Mal ist das Eggegebirge bei Paderborn an der Reihe. Kues’ Ausstieg beim Aufstieg wird sicher ein Thema sein. Aber unter Freunden nicht das einzige.


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