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Sprung ins 21. Jahrhundert

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Wie ein kühner Sprung in die Gegenwart klingt die summarische Spielplan-Vorschau aus dem Munde von Osnabrücks Intendant Norbert Hilchenbach. Demnach liegt der Schwerpunkt der Saison 2003/2004 im erst drei Jahre jungen 21. Jahrhundert, gefolgt vom just abgelaufenen 20. Jahrhundert.

Insgesamt acht Uraufführungen befinden sich unter den 26 neuen Produktionen in den Sparten Schauspiel, Musiktheater und Tanztheater, dazu etliche Osnabrücker Erstaufführungen von Stücken, die lange Zeit nicht mehr an den Städtischen Bühnen gespielt worden sind. Liebe und Tod, Kunst und Wissenschaft, Politik, Geschichte und Krieg soll das gewichtige wie breit gefächerte thematische Spektrum sein.

Da Liebe und Tod schon in der laufenden Spielzeit im Zentrum des Schauspiels gestanden haben, grenzt Oberspielleiter Torsten Bischof das Thema für seine Sparte ein: der Einzelne und seine Gefühlswelt, seine Bindungen und Kontakte mit anderen will er mit seiner Stückauswahl untersuchen. Im Mittelpunkt soll die Entwicklung des Individuum bis zur Teilnahme an der Gesellschaft in Form der Schule, der Firma, des Staates und der Politik stehen. In den Komplex „Tod und Liebe, Geist und Wissenschaft“ passt für ihn besonders gut Margaret Edsons „Geist“ über eine krebskranke Frau, die unsentimental mit ihrer Krankheit umgeht – ein sinnlich-lustvolles Gegenwartsstück für das emma-theater, wie Bischof findet.

Mit Georg Büchners „Woyzeck“ liefert Regisseur Martin Meltke (Berliner Gorki-Theater, Theater Bern) einen Beitrag zu den Polen Liebe, Tod und Krieg, während Dürrenmatts „Physiker“ ziemlich untheoretisch dem Thema Wissenschaft geweiht ist, Regisseur Axel Siefer wird sich ihrer im Stadttheater annehmen. Die Nibelungen-Sage wird nach Worms und Freiburg auch in Osnabrück Einzug halten, allerdings mit einem eigenen emma-theater-Projekt von Roland Hüve um Liebe, Intrigen und Verrat. „Hort und Totschlag“ heißt die Uraufführung, die Musik stammt von Patrick Schimanski.

Der Sprung ins 21. Jahrhundert ist im Schauspiel vor allem auch dem Nachtfoyer-Publikum in der mehrfachen „Nacht der Entscheidung“ zu verdanken. Ihm gefiel besonders Jens Roselts neues Stück „Dreier“ und Wilfried Happels „Mein Onkel Bob“, die aufgrund ihrer formal ähnlichen Struktur, einer Dreierkonstellation, an einem emma-theater-Abend aufgeführt werden. Fast als Uraufführung am 6. Dezember, nachdem diese am Tag vorher in Nürnberg über die Bühne gegangen ist. Der Regisseur für George Feydeaus „Floh im Ohr“ im Großen Haus steht noch nicht fest, während Hermann Schmidt-Rahmer dort Edward Albees berühmtes Ehedrama „Wer hat Angst vor Virginia Woolf...?“ inszeniert. Dieser Beitrag zum amerikanischen Traum und seinem Zerfall wird für die Geschichte des Nachkriegsdeutschlands durch Christina Rasts „Amerika“ ergänzt. Der Film „Bombing für Columbine“ war ihr Impulsgeber, so Bischof.

Ein weiteres eigenes Projekt aus Filmvorlage und bereits vorhandenem Theaterstück gestaltet Roland Hüve aus Stephen Sinclair/Anthony McCarthens „Ladies Night“ fürs emma-theater – keine Uraufführung, wie Bischof betont. Während Margart Obexers „Von Kopf bis Fuss“ eine sein wird - die Autorin arbeitet noch daran. Das Stück über eine junge Frau, die entdeckt, was Liebe sein könnte, inszeniert Torsten Bischof selbst. Stefan Rogge, auch er kein Unbekannter in Osnabrück, führt Regie für George Taboris „Weisman und Rotgesicht“, während sich Intendant Hilchenbach Shakespeares „Was ihr wollt“ für das Große Haus vornimmt.

Wiederaufgenommen werden die Reza-Stücke „Kunst“ und „Drei Mal Leben“ sowie LaButes „Bash“. Außerdem muss noch ein Jugendstück fürs emma-theater, eine neue Produktion des Jugendclubs und ein Projekt der neuen Reihe „Theater der Generationen“ bestimmt werden. Fest steht Dieter Malzachers Puppen-Produktion „Pinocchio“ und das Weihnachtsmärchen, das im nächsten Winter das Tanztheater übernimmt. Es tanzt das Märchen „Das hässliche Entlein“.


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