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Im Gerichtssaal abgeführt Dissener Anwalt sitzt in Untersuchungshaft

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In Handschellen abgeführt: Wachtmeister geleiten den Dissener Anwalt aus dem Gerichtssaal. Foto: Lütkemeyer

Dissen/Münster. „Es besteht der dringende Tatverdacht der Anstiftung zur Falschaussage und Verdunkelungsgefahr.“ So äußerte sich der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Münster, Oberstaatsanwalt Heribert Beck, am Mittwoch zu der spektakulären Aktion, dass Dienstag ein Dissener Anwalt in Handschellen in einem Gerichtssaal in Münster abgeführt wurde. Noch am gleichen Tag sei Haftbefehl erlassen worden.

Seither sitzt der 54-jährige Jurist in der Justizvollzugsanstalt Münster in Untersuchungshaft. Der inzwischen vom Verhafteten als Rechtsvertreter eingeschaltete Osnabrücker Anwalt Jens Meggers ist überzeugt, dass sein Mandant wieder auf freien Fuß kommt. Fraglich sind für ihn auch die Umstände der Verhaftung, da zuvor ein anonymer Hinweis bei drei Medien eingegangen sein soll – unter anderem beim WDR-Studio in Münster. Ein Team der WDR-3-Sendung „Lokalzeit“ war auch passend vor Ort, um den Anwalt in Handschellen zu filmen. Meggers: „Da wird mit Bildern für eine Vorverurteilung gesorgt. Es gilt in unserem Rechtsstaat die Unschuldsvormutung.“

Dienstagmorgen hatte der Dissener, der im Gerichtssaal manchmal wie auf einer Bühne agiert und durch schneidiges Auftreten sowie provokante Fragen den Verlauf zu beeinflussen versucht, bei einem Steuerstrafprozess vor dem Landgericht Münster für Schlagzeilen gesorgt. Kurz nach Verhandlungsbeginn wandte sich der Vertreter der Anklage plötzlich mit den Worten in seine Richtung: „Ich nehme Sie vorläufig fest. Bitte ziehen Sie Ihre Robe aus.“ Die im Zuschauerraum das Prozessgeschehen verfolgende Ehefrau war fassungslos, wie ihr Mann daraufhin in Handschellen abgeführt wurde und sein Handy abgeben musste.

Der schwere Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Anwalt soll versucht haben, einen noch nicht vernommenen Zeugen mit 50000 Euro zu schmieren, damit dieser seinen Mandaten – einen Schrotthändler aus Senden, dem Umsatzsteuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen wird – nicht belastet. Das Angebot soll in der Gerichtskantine unterbreitet worden sein. Der Zeuge informierte jedoch die Anklage über den für ihn vorliegenden Bestechungsversuch.

Ein in dem Münsteraner Verfahren ebenfalls als Verteidiger des Hauptangeklagten tätiger Rechtsanwalt aus Versmold wollte sich am Mittwoch nicht zum Geschehen äußern: „Kein Kommentar.“ Gegen ihn wird wegen desselben Sachverhalts ebenfalls ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft Münster zeigte sich Mittwoch sicher, dass der seit März in dem Steuerstrafprozess vor dem Landgericht als Verteidiger involvierte Dissener vorerst weiter in seiner Einzelzelle in der Justizvollzugsanstalt bleibt. Verdunkelungsgefahr sei im Gegensatz zur Fluchtgefahr nicht durch eine Kaution zu mindern.

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