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Musikbazillus aus der Kur mitgebracht Veeh-Harfen-Konzert im Gemeindehaus in Lintorf

Von Gertrud Premke

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Lintorf. „Die zarten Klänge dieser besonderen Harfe schwingen durch den Raum und in die Seele hinein“, so beschreibt Pastor Vehrs den wunderbaren musikalischen Auftritt des Veeh-Harfen-Orchesters unter der Leitung von Gisela Renzelberg, Lemförde, während des Frauennachmittags im Gemeindehaus Lintorf.

Orchesterleiterin Renzelberg hatte morgens im Radio vom „ Tag der Poesie“ gehört , der dem deutschen Dichter Matthias Claudius (1740–1815) gewidmet war. Umgehend war ihr der Gedanke gekommen, auch zu diesem ersten Auftritt im Gemeindehaus Lintorf musikalisch auf seinen Spuren zu wandeln.

Siebzehn Spielerinnen und zwei Spieler zupften somit ihre Harfen unter der Regie ihrer Leiterin nach seinen Weisen. Gefühlvoll und unüberhörbar mit großem Sinn für zarte Musik spielten sie einige der bekanntesten Lieder des großen Dichters deutscher Volkslieder von „Ade zur guten Nacht“, „Guten Abend, gute Nacht“, „Abend wird es wieder“, „Der Mond ist aufgegangen“ bis zu „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ – zum Mitsingen. Übrigens: „Der Mond ist aufgegangen“ ist nach einer Umfrage im Jahre 2008 das Lieblingslied der Deutschen. Zur Abwechslung gab es zwischendurch auch einen Beitrag von Mozart.

Entspannend, sanft, anmutig und zum Mitsummen zu den Harfenklängen für die ungefähr 50 Besucher führte Gisela Renzelberg gekonnt durch das musikalische Programm, das auch immer mal wieder mit kleinen Gedichten und Geschichten, vorgetragen von den Akteuren, aufgelockert wurde.

„Veeh-Harfe“, da liegt der Gedanke nahe, wenn man die Bezeichnung hört, dass es mit Märchen zu tun hat. Aber dem ist nicht so. Die Veeh-Harfe ist ein besonderes Zupfinstrument, das der Landwirt Hermann Veeh aus Hemmersheim in Mittelfranken Ende der 1980er-Jahre aus einer Akkordzither entwickelt hat, und zwar für seinen Sohn Andreas, der mit dem Down-Sydrom auf die Welt kam. Die Familie Veeh war sehr musikalisch, und auch Andreas war die Liebe zur Musik mit in die Wiege gelegt, doch das Erlernen eines gewöhnlichen Musikinstrumentes schien für ihn unerreichbar. So konzipierte Vater Veeh ein Musikinstrument einfachster Handhabung, und zwar eine Harfe.

Bei dieser Harfe wird ein eigens entworfenes Notenblatt unter die Saiten auf den Resonanzkörper geschoben. Der Verlauf von Melodien und Begleitstimmen ist so notiert, dass die Notenköpfe der einzelnen Stimmen direkt unter den zu zupfenden Saiten liegen. Notenkenntnisse im herkömmlichen Sinn sind nicht erforderlich. Diese eigens für das Instrument entwickelte Notenschrift war recht einfach zu spielen und auf das Wesentliche reduziert, sodass Andreas das Instrument schnell erlernte – und für viele andere Menschen eröffnete sich ebenso eine wunderbare musikalische Welt.

Wie aber kommt dieses besondere Instrument in die heimische Region und vereint überregional ihre Spieler von Pr. Ströhen, Lemförde, Wagenfeld, Dielingen, über Bad Essen bis nach Lintorf?

Vor ungefähr fünf Jahren hatte Schwester Lydia Schulze vom Diakonissen-Mutterhaus Altvandburg in Lemförde eine Kur nach Gunzenhausen in Mittelfranken bekommen. Da sie nicht an allen sportlichen Aktivitäten teilnehmen konnte, sich aber andererseits für Musik sehr interessierte, lernte sie auf diese Weise diese besondere Harfe kennen und war sofort Feuer und Flamme. Schnell beherrschte sie das Instrument und brachte ihre Spielkenntnisse mit nach Lemförde, wo immer mehr Menschen Freude an den sanften Klängen fanden, sozusagen vom Harfen-Fieber angesteckt wurden. Darunter befand sich auch Gisela Renzelberg. Sie lernte ebenfalls die Harfe zu spielen, und unter ihrer Leitung entstand in Lemförde das Veeh-Harfen-Orchester, dem heute im hiesigen Raum ungefähr fünfzig Spielerinnen und Spieler angehören.

Monika Geneit aus Bad Essen war anfangs nur Zuhörerin während eines Auftritts im Haus „Simeon und Hanna“ in Eielstädt gewesen, aber auch sie erlag dem Zauber dieser Musik.

Anfangs fuhr sie zur Gruppe nach Lemförde, um so schnell das Instrument selbst spielen zu können. Nach und nach konnte sie immer mehr musikinstressierte Menschen gewinnen, und damit war der Grundstein für eine eigene Gruppe in Bad Essen gelegt, die ebenfalls von Giesela Renzelberg geleitet wird. Man trifft sich einmal wöchentlich donnerstags im TRIO (Treff im Ort), um zu üben.

Für die großen Veranstaltungen treten jeweils 12 bis 18 Spielerinnen und Spieler beider Gruppen des Veeh-Harfen-Orchesters (Bad Essen und Lemförde) gemeinsam auf und verzaubern mit ihrer Musik. Von Zuhörern heißt es immer wieder: „Davon möchte ich immer noch mehr hören.“

Unter großem Beifall der Zuhörer wurde das Orchester, dessen Künstler noch als Dankeschön jeder eine rote Rose in Empfang nehmen konnten, von Pastor Karsten Vehrs verabschiedet.


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