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Arbeitskreis will Betreibergesellschaft gründen Quakenbrück: Stromerzeugung contra Sohlgleite

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pm Quakenbrück. Im Schnitt 3,9 Kubikmeter Wasser, also knapp vier Tonnen, stürzen den Haseüberfall am Schützenhof pro Sekunde herunter –ungenutzt für die Energiegewinnung. Eine Sohlgleite mit Fischaufstieg ist beschlossen. Eine Nutzung günstiger Wasserkraft wäre damit endgültig passé.

Doch die energiepolitischen Parameter in Deutschland haben sich – ausgelöst durch die Anti-Atom-Debatte – nachhaltig geändert. In Quakenbrück hat sich jetzt ein Arbeitskreis gegründet, der sich der Fragen rund um Erneuerbare Energien in der Region annehmen und eine Betreibergesellschaft zur Nutzung der Wasserkraft gründen möchte.

Bei einem Ortstermin am Überfall informierten Otto Wetzig von nwerk eG (Bürgerenergiegenossenschaft für die Region Osnabrück) und Jürgen Klose von der Wasserkraft Nord West GmbH über planerische und bauliche Möglichkeiten eines Wasserkraftwerks am Haseüberfall. Dabei kamen Zweifel an den Planungen und der bestehenden Einschätzung auf, ein Wasserkraftwerk sei nicht wirtschaftlich zu betreiben, wie es seitens der Niedersächsischen Landesbehörde für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) heißt. Zum Vergleich dazu: Für die geplante Sohlgleite ist ein Investitionsvolumen von 2,4 Millionen Euro angesetzt. Hinzu käme die Brücke mit 600 000 Euro, sodass man von drei Millionen Euro ausgehen müsse. Für den Bau eines Wasserkraftwerks und Gründung dagegen hat die Hochschule Magdeburg etwa 1,4 Millionen Euro veranschlagt. In den Kosten wäre der Bau eines Fischaufstiegs enthalten. Diesen müsste die Betreibergesellschaft unter den gegebenen Voraussetzungen wohl oder übel zahlen.

Der Arbeitskreis „Alternativen zur Atomkraft“, der aus den „Montagsspaziergängen“ entstanden ist, macht deutlich, dass die Wasserkraft an diesem Standort ausreicht, um etwa 200 Haushalte mit Strom zu versorgen. „Das ist ein kleines Dorf!“, so Klose. Es käme nun darauf an, die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage noch einmal neu unter die Lupe zu nehmen. Dabei sollte diese Art der Stromerzeugung in ihrer Bedeutung höher geschätzt werden – auch im Verhältnis zur erwarteten Rendite.

An dem dort über Jahrzehnte entstandenen Kolk (Sandstrand) leben zudem seltene Libellenarten, die solche sandigen Ufer brauchen. Es soll geklärt werden, ob das im Rahmen der Sohlgleite geplante Zuschütten des Kolks mit den Belangen des Naturschutzes vereinbar ist. Dem Arbeitskreis sei darüber hinaus bewusst, dass ein anderer Fischaufstieg nicht mit einer Sohlgleite vergleichbar ist. Jedoch dürfe eine Entscheidung nicht auf den Interessen einzelner fußen. So schade auch die Kohlendioxid- Belastung den Fischen, so Klose. Ein Wasserkraftwerk würde einen Beitrag zur Einsparung von Kohlendioxid leisten. Der Arbeitskreis sucht nun nach einer Lösung, die möglichst allen Belangen Rechnung trägt. Auf jeden Fall sei aber eine Besserung des Status quo zu erreichen. Auch müsse überlegt werden, warum eingespartes Geld nicht beispielsweise in Renaturierungsprojekten angelegt werde. Dies sei aber aufgrund der rechtlichen Rahmenvorgaben und Aufgabenverteilungen derzeit schwierig.

Bei der Gründung einer Betreibergesellschaft, sowie den weiteren Schritten wird die Bürgerenergiegenossenschaft „Nwerk eG“ und die „Wasserkraft Nord West GmbH“ dem Arbeitskreis zur Seite stehen. Der Termin für eine Informationsversammlung wird in Kürze bekannt gegeben.


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