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Marco kann wieder sprechen Wie ein junger Mann aus Alfhausen nach einem schweren Unfall ins Leben zurückkehrt

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Zurück im Leben: Sechs Jahre nach seinem Unfall kann Marco Conen wieder sprechen. Darüber freuen sich seine Mutter (2. von links), Dr. Axel Kreutzer (rechts) sowie alle Lehrer und Therapeuten. Foto: Hermann PentermannZurück im Leben: Sechs Jahre nach seinem Unfall kann Marco Conen wieder sprechen. Darüber freuen sich seine Mutter (2. von links), Dr. Axel Kreutzer (rechts) sowie alle Lehrer und Therapeuten. Foto: Hermann Pentermann

Bersenbrück/Alfhausen. „Marco wird uns noch manches Mal überraschen.“ Das sagte vor einigen Jahren Fabrice Jouffrau, Physiotherapeut und Onkel des 22-jährigen Alfhauseners. Am 20. Oktober 2004 war Marco Conen mit seinem Mofa schwer verunglückt. Die Ärzte versetzten ihn fünf Wochen lang in ein künstliches Koma. Überlebenschancen gaben sie ihm kaum. Doch Marco überraschte alle. Er kann wieder sitzen und stehen.

Und er kann seit einigen Wochen sogar wieder sprechen. „Ein kleines Wunder“, sagen die Fachleute unisono.</p>

Es waren wohl die schwersten Tage im Leben von Ingrid Conen, als sie vom Unfall ihres Sohnes erfuhr und anschließend wochenlang um sein Leben bangte. Ein fröhlicher Junge war Marco, ein hochbegabter Schüler und talentierter Sportler. Monate vor seinem Unfall hatte er noch bei den deutschen Judomeisterschaften den siebten Platz belegt.

Der 20. Oktober änderte alles. Statt Abitur und Spitzensport stand mühsame Rehabilitation auf der Agenda. Ingrid Conen kämpfte um ihren Sohn, ließ nichts unversucht. 2005 meldete sie Marco an der Paul-Moor-Schule in Bersenbrück an. Hier lernte sie Dr. Axel Kreutzer kennen, der sich mit seinem Team in besonderer Weise des Jungen annahm, neue Therapiegeräte besorgte, in Kooperation mit der Mutter Fachleute zur Verfügung stellte und vor allem an die Heilungskräfte von Marco glaubte.

Viel Zeit und Energie kosteten die nächsten Jahre. Doch der Kampf lohnte sich. Marco kam im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine. Ein erster kleiner Triumph – nicht nur für den Jungen, sondern auch für die Mutter. Ihre Energie sei unglaublich, ihre positive Grundhaltung ebenfalls, sagt Axel Kreutzer. Klassenlehrer Heinz Heit kann da nur anerkennend beipflichten. Er schätzt Mutter und Sohn sehr.

Seit einigen Wochen nun kann Marco sogar wieder sprechen. Ein wenig verwaschen – so wie kurz nach dem Aufstehen – ist seine Aussprache noch. Aber das stört niemanden. Nach mehr als sechs Jahren des Schweigens teilt sich Marco inzwischen wieder frei mit. Das genießt der 22-Jährige, macht sogar kleine Späße in seiner Klasse an der Paul-Moor-Schule. Dabei war lange Zeit noch nicht einmal klar, ob er seine Mitmenschen überhaupt verstehen kann. Manche zweifelten daran. „Ich habe das aber immer schon gewusst“, sagt Ingrid Conen. Ihr zweiter Triumph.

Auf dem Weg zurück ins Leben haben viele geholfen – die Mitschüler, die ganz selbstverständlich immer wieder mit Marco gesprochen haben, Verwandte wie der Onkel, die sich stets engagiert haben, die Therapeuten sowieso.

Dass Marco nun wieder sprechen kann, ist dennoch schwer erklärbar. Wie die Logopädin Sabine Korte sagt, sei es sehr ungewöhnlich, dass ein Mensch mit einer so schweren Aphasie nach so langer Zeit überhaupt wieder anfange zu sprechen. Normalerweise gingen Fachleute davon aus, dass es nach einer gewissen Zeit keine Therapiemöglichkeiten mehr gebe. Möglicherweise hätten die intensive Kombination aus Musik-, Sprach- und Bewegungstherapie sowie der Familienzusammenhalt dazu geführt, blockierte Fähigkeiten wieder zu aktivieren. Vielleicht gebe es noch andere Faktoren. Auf jeden Fall zeige das Beispiel von Marco, dass es sich lohne, nicht aufzugeben. „Ich habe immer noch Gänsehaut“, sagt Sabine Korte.

Unterdessen freut sich Ingrid Conen mit ihrem Sohn jeden Tag aufs Neue. Für sie bedeuten die Fortschritte von Marco auch ein Stück neue Freiheit. Das gibt sie unumwunden zu. Mit jeder Woche, die ihr Sohn selbstständiger werde, gewinne sie Zeit für sich selbst, sagt die berufstätige Frau. Auch sie werde älter und wünsche sich deshalb im eigenen Interesse und im Interesse von Marco ein Leben in möglichst großer Selbstbestimmtheit.

Inzwischen glauben alle, dass Marco noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung ist. Dass also noch viele kleine Wunder in ihm stecken. Seinen Onkel Fabrice Jouffrau jedenfalls hat Marco in diesen Tagen mit einem verschmitzten Lächeln sogar in französischer Sprache begrüßt. Wunderbar.


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