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Leidenschaft wird zur beruflichen Perspektive Hermann Schulze-Nünning aus Alfhausen: Mit dem Trecker zur Schule

Von Maren Friedrich

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Hermann Schulze-Nünning, 16-jähriger Schüler aus Alfhausen, im Führerhaus des elterlichen Treckers. Foto: Maren FriedrichHermann Schulze-Nünning, 16-jähriger Schüler aus Alfhausen, im Führerhaus des elterlichen Treckers. Foto: Maren Friedrich

Alfhausen. Die Liebe zur Landwirtschaft ist Hermann Schulze-Nünning aus Alfhausen bereits mit in die Wiege gelegt worden. Entstammt er doch einer Land und Wald besitzenden Familie in Alfhausen. Sein Garten ist ein Wald. Hier fühlt er sich wohl. Hier hat er viel gelernt.

Doch Hermann wollte mehr. Er wollte nicht nur auf Papas Trecker mitfahren, sondern selbst dieses tonnenschwere Gefährt steuern können.

Dieses Ziel hat er nun erreicht. Bereits Ende 2011 bestand er im ersten Anlauf die theoretische Prüfung des Treckerführerscheins. Im März dieses Jahres konnte er sich dann auch praktisch beweisen und darf nun mit amtlicher Erlaubnis Trecker fahren.

Zur Freude seiner Mitschüler fährt er auch schon mal mit dem Trecker in die Schule.

Der Weg dorthin war nicht leicht. Hermann hat einen besonderen Förderbedarf in geistiger Entwicklung und braucht einfach ein bisschen mehr Zeit, um zu lesen und zu schreiben. Diese Zeit und Förderung bekommt er in seiner Schule, in der inklusiv unterrichtet wird.

Uneingeschränkte Unterstützung erhielt der lernfreudige Schüler auch von seiner Familie und fand in Peter Hackmann von der Fahrschule Beckermann einen verständnisvollen Fahrlehrer. „Mein Fahrlehrer hat immer gesagt: Du schaffst das“, erzählt Hermann. „Diese Ermutigung war wichtig für mich!“

Hermanns handwerkliches Geschick fiel auch in seiner Schule, den kooperierenden Klassen der Paul-Moor-Schule an der Alfseeschule auf. In dem gemeinsam mit der Berufsschule durchgeführten Porsche-Trecker-Projekt hat Hermann viele praktische Erfahrungen gesammelt. Dieses Wissen kann er nun auch privat anwenden.

Zusammen mit Vater Detlef, einem gelernten Landmaschinenschlosser, hat sich Hermann an die Restaurierung eines Trecker-Oldtimers aus dem Jahr 1958 gewagt. Der McCormick D430 soll bald wieder in neuem Glanz erstrahlen. Insgesamt bereitet sich Hermann in der Schule zielgerichtet auf seine berufliche Zukunft vor. Die liegt natürlich im landwirtschaftlichen Bereich.

Gerne möchte er später beruflich Trecker fahren und warten. Eigenes Geld hat er bereits verdient. Das war die Grundlage für den 2010 erworbenen Mofaführerschein und einen eigenen Roller. Einmal wöchentlich fährt der Schüler in die Berufsschule (BBS) nach Bersenbrück. Dort lernt er in der Bau AG unter Leitung von Berufsschullehrer Karl-Heinz Küthe mauern, verputzen, verschalen und vieles mehr. Lehrkraft André Waschelowski freut sich über die positive Entwicklung seines Schülers: „Hermann hat großes Geschick im praktischen Bereich. Durch intensive Förderung im kognitiven Bereich hat er sich einen Zusatz an Möglichkeiten geschaffen.“ Das berufsorientierte Bildungskonzept der Paul-Moor-Schule in enger Vernetzung mit der BBS sieht bereits in der Oberstufe eine theoretische Vermittlung verschiedener Arbeitsbereiche, eine Feststellung von Neigungen (auch mithilfe von Testverfahren) und die Erfahrung von Schlüsselqualifikationen vor. Hospitationstage, Betriebsbesichtigungen und Kennenlerneinheiten geben den Schülern die Möglichkeit verbesserte Teilhabemöglichkeiten an der Arbeitswelt zu erreichen.

Hermann hat bereits das nächste Ziel im Visier. Er möchte den Pkw-Führerschein machen. Im Computerraum seiner Schule kann er sich darauf bestens vorbereiten. Das nötige Geld für die Fahrstunden will sich der patente junge Mann selbst verdienen. Am liebsten beim Maschinenring in Nortrup oder Bersenbrück. Notwendige Voraussetzungen wie Pünktlichkeit, Spaß an praktischer Arbeit und die Bereitschaft, überall anzufassen, sind gegeben. Jetzt fehlt nur noch die Gelegenheit.


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