zuletzt aktualisiert vor

Kneipe für alle Generationen Auch ein Prinz aus Dubai war schon Gast bei „Tante Emma“ in Evinghausen

Meine Nachrichten

Um das Thema Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

<em>Über die Treue ihrer Stammkundschaft </em>freuen sich Herbert und Sabine Schulenborg.Foto: Yannick RichterÜber die Treue ihrer Stammkundschaft freuen sich Herbert und Sabine Schulenborg.Foto: Yannick Richter

Evinghausen. „Die kleine Kneipe in unserer Straße“ heißt ein alter Schlager. Das Lied ist ebenso in die Jahre gekommen wie die Kneipe an der Ecke, die es immer schwerer hat. In dieser Serie wollen wir einige Beispiele von Lokalen vorstellen, die dem Trend der Zeit trotzen.

Eine Quittung an „Herrn Schenkwirth & Colon Gerhard Friedrich Schulenborg“ vom 13. März 1888 dient als Beweis: In der Gaststätte „Tante Emma“ im beschaulichen Evinghausen werden schon seit über 120 Jahren Getränke ausgeschenkt. Vieles deutet sogar darauf hin, dass die Kneipen-Geschichte noch viel eher begann.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die Kneipe auch im Besitz der Familie Schulenborg. Mittlerweile leiten Herbert und Sabine Schulenborg die Geschicke in der Wirtschaft. Sie sind die vierte Generation der Schulenborgs, die die Kneipengeschäfte führt.

Der Name „Tante Emma“ erinnert an ein kleines Lebensmittelgeschäft, das bis 1993 noch im gleichen Haus existierte. „Das war ein richtiger Tante-Emma-Laden, der von meiner Tante betrieben wurde“, sagt Herbert Schulenborg. Witzigerweise hieß die Tante sogar Emma.

Mit dem kleinen Lebensmittelladen und der Gastwirtschaft bildet „Tante Emma“ seit über hundert Jahren den Mittel- und Treffpunkt Evinghausens. „In unserem Laden konnte man fast alles bekommen. Ganz früher wurden Zucker, Salz und Gries in Säcken verkauft“, blickt Sabine Schulenborg zurück. Neben Lebensmitteln gab es für die Evinghausener bei Schulenborgs auch allmögliche andere nützliche Dinge zu kaufen. Ein uraltes Petroleumfass in der Scheune der Schulenborgs erinnert an die heutzutage ungewöhnlich klingenden Geschäfte.

Bis zu ihrem Tod 1989 war Emma Schulenborg Inhaberin der Gaststätte und des Lebensmittelgeschäfts. Doch auch damals wirkten schon Teile mehrere Generationen der Familie Schulenborg mit. Danach ging der Kneipenbesitz an Sabine und Herbert Schulenborg über. In Erinnerung und Dankbarkeit an Emma Schulenborg brachte das Ehepaar dann ein Schild mit dem Namen „Tante Emma“ an. Seitdem hat die Gaststätte ihren offiziellen Namen.

Nachdem Wirtin Sabine Schulenborg im letzten Jahr eine schwere Herzkrankheit erlitt, trat das Ehepaar kürzer. „Seitdem haben wir nur noch von Freitag bis Montag auf“, erklärt Herbert Schulenborg. Über fehlende Gäste beklagen sich die beiden allerdings nicht. „Die Leute kommen genauso wie vorher. Nur dass sie jetzt nicht an jedem Tag kommen können, sondern nur an bestimmten. Wir haben keine Gäste verloren“, fährt Herbert Schulenborg fort.

Als Haupttag habe sich dabei überraschenderweise der Montag herauskristallisiert. „Da ist schon seit Ewigkeiten viel los bei uns“, sagt Sabine Schulenborg. „Alles fing 1976 an. Damals entstand bei einer Geburtstagsfeier ein Junggesellenclub. Jeden Montag trafen sich die unverheirateten Männer aus dem Ort bei uns zum Stammtisch.“ Auch nachdem die ehemaligen Junggesellen heirateten, blieb der Club bestehen. Aus gegebenem Anlass musste jedoch kurzerhand ein anderer Name her, sodass sich der Stammtisch zum „Montagsclub“ umbenannte. „Bis heute kommt die zehn- bis 14-köpfige Gruppe jeden Montag bei uns zusammen“, freut sich Sabine Schulenborg über die Treue ihrer Stammkundschaft.

Doch nicht nur der alte Stammtisch fühlt sich seit über 30 Jahren in der Gaststätte wohl, seit einiger Zeit gesellt sich auch jeden Montag zum traditionellen Stammtisch eine Gruppe jüngerer Evinghausener. „Das nimmt eine super Entwicklung“ freut sich das Ehepaar Schulenborg: Im Gegensatz zu vielen anderen Gaststätten kann ihre Kneipe auch auf das junge Publikum zählen. „Für die Zukunft wünschen wir uns, dass sich unsere Stammgäste weiter vermischen“, erklärt Herbert Schulenborg das integrative Ziel. Ebenfalls zu den Stammkunden gehört der Oldtimer-Club „Schmittenhöhe“, der sich seit 1989 monatlich in der Kneipe trifft.

Daneben begrüßen die Schulenborgs auch immer wieder Prominenz und außergewöhnliche Persönlichkeiten. So kamen beispielsweise Irene Prinzessin zu Bentheim und Steinfurt und ein Prinz aus Dubai nach Evinghausen. Ebenfalls stattete Tanzexperte Michael Hull den Wirten einen Besuch ab. Passend zu seiner damaligen Funktion als Juror der Fernsehshow „Let’s Dance“ attestierte Hull Sabine Schulenborg die Wertung 10 für ihren Strammen Max. Schon seit einer Ewigkeit ist die „Tante Emma“ für ihren Strammen Max weit über die Grenzen Evinghausens bekannt.

Einladend ist zudem der Biergarten auf dem Hof der Gaststätte. Hier genießen neben den Dauergästen auch viele Wanderer, Radfahrer und Motorradfahrer kühle Getränke. Die Lage der Gaststätte stellt sich dabei als profitabel für alle heraus. Das Anwesen der Familie Schulenborg liegt nämlich einerseits an der von Motorradfahrern beliebten Hauptstraße. Andererseits grenzt es an die Wälder und kleinen Radfahr- und Wanderwege Evinghausens. Passend dazu befindet sich seit Neuestem auch eine E-Bike-Ladestation auf dem Hof der Familie Schulenborg. Dort können nun Elektrofahrräder aufgeladen werden. Aber auch Reiter und Kutscher sind herzlich willkommen. Eigens für die Liebhaber der Einhufer wurde ein Schild „Parken nur für Pferde“ auf dem Hof der Schulenborgs angebracht. Sehr gut kommt auch der Süßigkeitenverkauf an. Da öffnet Wirtin Sabine Schulenborg für die Schulkinder der benachbarten Waldorfschule auch schon mal zur Mittagszeit die Türen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN