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„Weg zu Votum beispielhaft“ Quakenbrücker Bahnhof beherbergt bald Büros

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<em>19 Büroräume</em> könnten im Quakenbrücker Bahnhof entstehen. Die Eingangshalle bliebe für eine öffentliche Nutzung erhalten. Foto: Christian Geers19 Büroräume könnten im Quakenbrücker Bahnhof entstehen. Die Eingangshalle bliebe für eine öffentliche Nutzung erhalten. Foto: Christian Geers

Quakenbrück. 45 Minuten brauchte der Stadtrat am Mittwochabend, um die Weichen für die Zukunft des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes zu stellen. Noch einmal wiesen Sprecher der fünf Fraktionen auf den „glücklichen Umstand“ hin, dass es gleich drei Interessenten für das Gebäude gibt, deren Vorschläge sie am liebsten alle verwirklichen würden. Am Ende entschieden sich 24 von 30 anwesenden Ratsmitgliedern für die Bürohaus-Variante.

Ein Wort zuvor: Bürgermeister Claus Peter Poppe (SPD) blickte vor der Abstimmung kurz auf die Diskussionen und Beratungen der vergangenen Monate zurück. „Das war beispielhaft“, sagte er und verwies auf den gewählten Weg der Entscheidungsfindung und auf den Austausch zwischen Rat und Bürgern. Es sei gelungen, die Nachnutzung des Bahnhofs „durchaus kontrovers zu diskutieren und mit einem geordneten Verfahren zu einem guten Schluss zu bringen“.

Mit dem Ratsbeschluss, so Poppe, sei die Arbeit aber noch nicht erledigt. Nun folgten Verhandlungen mit dem Investor, dem Sanierungsträger BauBeCon, der das Gebäude treuhänderisch für die Stadt erwarb, und dem Land Niedersachsen. Denn letztlich geht es bei allen drei Ideen auch ums Geld.

Drei Konzepte: Alle Vorschläge sind nur umsetzbar, wenn erhebliche öffentliche Zuschüsse aus Stadtsanierungsmitteln fließen. Beim Veranstaltungshaus mit Stadthallenfunktion waren dafür 2,6 Millionen Euro errechnet worden, für die Office-Station 2,1 Millionen Euro. Bei der Seniorenresidenz – eine genaue Kostenaufstellung liegt bisher nicht vor – wird nach einer ersten Schätzung ein Zuschuss in Höhe von rund 2,8 Millionen Euro benötigt. Bei dieser Variante sind die Auflagen des Denkmalschutzes wegen des geplanten Anbaus am schärfsten, bei der Office-Station sind die Eingriffe in die Gebäudesubstanz dagegen am geringsten.

Das sagt der Rat: Fünfmal habe der im Juni 2012 vom Stadtrat eingesetzte interfraktionelle Arbeitskreis getagt, Vorschläge begutachtet und bewertet. „Das war eine Herkulesaufgabe“, berichtete Arbeitskreis-Vorsitzender Paul Gärtner (SPD). Es sei ohne parteipolitisches Gezänk gelungen, eine sachgerechte Lösung für das Gebäude zu finden, „an dem die Bevölkerung hängt“. Nun müsse die Politik entscheiden.

Zwar sei lange und ausführlich über die Konzepte beraten worden, letztlich aber sei die „Stimmungslage in den Fraktionen unübersichtlich gewesen“, ein „klares Bild“ habe es nicht gegeben, sagte CDU-Fraktionschef Christian Calderone. Dennoch: Seine Partei entscheide sich für das Bürohaus, weil die finanziellen Folgen für die Stadt am geringsten seien und aus Sicht des Denkmalschutzes kaum Einwände zu erwarten seien. Der Bahnhof bleibe für die Öffentlichkeit zugänglich, die Belastung der Anlieger sei überschaubar.

Andreas Henemann (Bündnis 90/Die Grünen) wies auf die finanziellen Auswirkungen hin, die für Quakenbrück „ganz erheblich sind“. Ein Drittel des möglichen Zuschusses – also bis zu 900000 Euro – habe die Stadt aufzubringen, was nur durch neue Schulden zu erreichen sei. Deshalb müsse die Nachnutzung stadtverträglich und nachhaltig sein. Die Grünen-Fraktion spreche sich gegen das Veranstaltungshaus („Gehobene Gastronomie erscheint mir ein wenig geschmeichelt“, „Nutzung trägt nicht zur wirtschaftlichen Stärkung der Stadt bei“) und letztlich auch gegen die Seniorenresidenz aus. Das Bürohaus dagegen bietet nach Henemanns Worten viele Vorteile, sei ohne großen Aufwand zu realisieren und passe gut zum Infrastrukturkonzept der Stadt.

„Entscheidungen wie heute treffen wir nicht alle Tage“, ergänzte FDP-Sprecher Franz Diekel. Die Zielvorgabe sei gewesen, den Entscheidungsprozess „transparent, nachvollziehbar und nachprüfbar zu machen“. Das sei mithilfe eines Kriterienkataloges für die Nutzwertanalyse und mit der Berechnung der Sanierungszuschüsse gelungen. Der Rat sei nun in der Lage, „eine Entscheidung nicht bauch-, sondern wissensbasiert zu treffen“. Deshalb stimmten die Liberalen für das Bürohaus.

Auch die Linke werde nun für die „Office-Station“ votieren, kündigte Andreas Maurer an. Anfangs habe seine Fraktion Sympathien für das Veranstaltungshaus gehabt, gestand er ein. „Wir müssen dankbar sein, dass drei Konzepte vorliegen und wir wählen können.“

Die Abstimmung: CDU, Grüne, Linke und FDP stimmten geschlossen für die Bürohaus-Variante. Fünf SPD-Ratsmitglieder enthielten sich der Stimme, während Lars Rennings (SPD) wie er es angekündigt hatte, als Einziger Nein sagte.

Wörtlich

„Ich hoffe, wir müssen eine solche Entscheidung nur alle hundert Jahre einmal treffen.“

Andreas Maurer (Die Linke)

„Du schon!“

Wolfgang Becker (CDU) in einer spontanen Erwiderung

„Selten hat eine Entscheidung so viel Kopfzerbrechen und Magengrummeln verursacht. [...] Zum Glück haben wir nur einen Bahnhof. In diesem Fall bräuchten wir aber drei.“

Wolfgang Becker (CDU)

„Alle Konzepte haben ihre Vor- und Nachteile. Wir sind nun in der schrecklich glücklichen Lage, eine Entscheidung treffen zu müssen.“

Thomas Fisse (SPD)

„Das ist auch eine Chance für die Wirtschaftsförderung. Wirtschaftsagentur Artland und Existenzgründer lassen sich im Bahnhof näher zusammenbringen.“

Petra Fischer (FDP)

„Es gibt nun eine breite Unterstützung. Das ist wichtig für Debatte und Investoren.“

Christian Calderone (CDU)

Die Entscheidung hat auf der Facebook-Seite des „Bersenbrücker Kreisblattes“ für Diskussionen gesorgt. Hier Auszüge aus Kommentaren:

„Wir hätten ein Premium-Veranstaltungshaus haben können mit regelmäßigen Shows in der richtigen Größenordnung für Quakenbrück. Perfekte Lage (Zuganbindung, Hotels, Parkplätze) – damit hätte man was machen können.“

„Es ist ein Segen, dass unser wunderschöner Bahnhof endlich restauriert wird. Allerdings gab es Alternativen zu einer für Quakenbrück völlig überflüssigen Office-Station. Nun hat man es verpasst, den Bahnhof und somit die Innenstadt zu beleben. Quakenbrück ist leider so gut wie ausgestorben.“

„Die Bürger hätten anders entschieden...wirklich traurig ist das.“

„Boomtown Q-City braucht eine Office-Stationso sehr wie China den Reisimport. Als wenn es an bezahlbaren (gewerblichen) Mietobjekten in der Stadt mangeln würde...“

„Die Stadt hat diesmal wirklich versucht, die Bürger mit einzubinden. Zum einen gab es im Bahnhof einen Workshop zur Ideenfindung, und zum anderen wurden vor zwei Wochen die drei Projekte vorgestellt. Dort konnte man auch seine Zweifel und Fragen [...] vortragen.“


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