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Der Held oder der „Depp“ des Tages? Lengericher Fußballer Carlo Niemann Vorbild des Fair-Play

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Der Lengericher Carlo Niemann (rechts) eroberte gemeinsam mit seinem Sturmkollegen Christian Beyer (am Ball) im Spiel bei BW Lünne am vorletzten Spieltag die Tabellenspitze der 1. Kreisklasse Emsland-Süd. Jetzt mussten die Lengericher die Spitzenposition nach der Niederlage gegen Messingen an die Reserve des SC Spelle-Venhaus abgeben. Foto: W. RoggendorfDer Lengericher Carlo Niemann (rechts) eroberte gemeinsam mit seinem Sturmkollegen Christian Beyer (am Ball) im Spiel bei BW Lünne am vorletzten Spieltag die Tabellenspitze der 1. Kreisklasse Emsland-Süd. Jetzt mussten die Lengericher die Spitzenposition nach der Niederlage gegen Messingen an die Reserve des SC Spelle-Venhaus abgeben. Foto: W. Roggendorf

Messingen/Lengerich. „Ob ich der Held oder der ‚Depp‘ des Tages bin? Das ist eine schwierige Frage“, meinte Carlo Niemann am Montag. Zumindest sei er mit sich selbst im Reinen, so der Stürmer des SV Lengerich-Handrup.

Grund für die Frage unserer Zeitung an den Fußballer war eine Szene beim Gastspiel der als Tabellenführer zum Schlusslicht der 1. Kreisklasse nach Messingen gereisten Lengericher. „In der 23. Minute kam der Ball irgendwie zu mir. Ich habe nicht damit gerechnet und reflexartig die Hand rausgenommen“, beschrieb Niemann, wie er den Ball ins Messinger Tor bugsierte.

Was folgte, waren heftige Proteste der Gastgeber und die Frage des Unparteiischen Cemal Yavuz (TuS Lingen) an Niemann, ob er den Ball mit der Hand gespielt habe. „Wenn der Schiedsrichter mich fragt, muss ich das klare Handspiel zugeben“, verhielt Niemann sich ganz im Sinne des Fair Play. Er habe gemischte Gefühle, gab Niemann zu. „Wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre, wenn wir mit 1:0 in Führung gegangen wären?“, fragt er sich angesichts der unerwarteten Lengericher 0:1-Niederlage beim Tabellenletzten.

Doch Niemann kann beruhigt sein – innerhalb und außerhalb seines Vereins trifft sein Verhalten auf breite Zustimmung. Lengerichs Trainer Manfred Meemann lobte seinen Angreifer: „Ich habe ihm bereits in der Halbzeit gesagt, das sein Verhalten korrekt war“, so Meemann. Die Niederlage habe mit dieser Sache nichts zu tun. „Wenn man zahlreiche Chancen nicht nutzt, verliert man auch gegen Messingen“, nahm der Lengericher Übungsleiter sein gesamtes Team in die Verantwortung. „Andere sollten sich ein Beispiel an Carlo nehmen“, forderte Meemann.

Auch Hubert Hockling, Fußballobmann des SV Lengerich-Handrup, sah dies so. „Fair Play geht klar vor. Wenn die Punkte am Ende der Saison fehlen, ist das halt Pech“, äußerte er sich. Der Messinger Vereinsvorsitzende Karl Hopster lobte Niemann ebenfalls. „Wenn die Leute so reagieren, dann sind wir im Fußball auf dem richtigen Weg“, fand Hopster. „Wir werden Carlo beim Fußballverband für eine Fair-Play-Auszeichnung vorschlagen“, versprach der Messinger Vereinschef.

Michael Hüsing, Kreisschiedsrichterobmann, bezeichnete das Verhalten von Niemann ebenfalls als besonders fair. „In besonderen Ausnahmesituationen wie bei einer umstrittenen Torerzielung kann der Schiedsrichter die Spieler befragen“, erklärte Hüsing die Regeln. Er würde sich wünschen, dass seine Unparteiischen in ähnlichen Fällen durch solches Verhalten bei ihrer ohnehin schon schwierigen Aufgabe unterstützt würden.

Niemann selbst war sich am Tag nach dem Spiel sicher: „Ich würde das wieder so machen. Hätten wir gewonnen, dann hätte ich ein schlechtes Gewissen.“ Auch seine Mannschaftskameraden ständen überwiegend hinter ihm.

Bei so viel Lob für sein Verhalten darf Niemann sich im Sinne des Fair Play als „Held des Tages“ fühlen.


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