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Dritter Besuch „Konnichi wa, Merzen“: Japanische Jugendliche lernen den deutschen Alltag kennen

Von Christian Geers

<em>Sport verbindet</em> Völker und Kulturen – davon ist Bernd Kunz überzeugt. Er übernimmt in Merzen die Betreuung der Gäste. Foto: Christian GeersSport verbindet Völker und Kulturen – davon ist Bernd Kunz überzeugt. Er übernimmt in Merzen die Betreuung der Gäste. Foto: Christian Geers

Merzen. Merzen bekommt wieder Besuch aus Fernost: Zehn Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren werden am Freitag, 10. August, in der Gemeinde erwartet. Sie gehören zu 125 Gästen aus Japan, die sich am Deutsch-Japanischen Sportjugend-Simultanaustausch beteiligen. Grund genug für Bernd Kunz, die japanische Fahne aus dem Schrank zu holen. Es ist der dritte Besuch aus dem Land des Lächelns in Merzen.

Bei Bernd Kunz laufen zurzeit die Fäden der Organisation zusammen. Der 55-Jährige freut sich auf die Gäste aus dem Land der aufgehenden Sonne und hat die vergangenen Wochen damit verbracht, den fünftägigen Aufenthalt der Japaner in Merzen zu organisieren. Was kein Problem ist, denn dabei kann er sich der Gastfreundschaft der Einwohner sicher sein.

„Auf die Merzener Gastfreundschaft ist Verlass“, sagt er und verweist auf die große Unterstützung. Familien, in denen die Besucher unterkommen und auf gleichaltrige Jugendliche treffen, hat er schnell gefunden, auch wenn es mit der Verständigung zwischen Deutschen und Japanern etwas schwierig werden dürfte. Zwar begleitet eine Dolmetscherin die Gruppe, sie ist allerdings nur bei den gemeinsamen Ausflügen dabei. In den Familien werden also Hände und Füße zur Verständigung eingesetzt – bei aller notwendigen Konversation, die über „konnichi wa“ („Guten Tag“), „arigato“ („Danke“) und „sayonara“ („Auf Wiedersehen“) hinausgeht.

„Das Englisch, das Japaner sprechen, ist oft nicht das beste“, weiß Bernd Kunz. Er war zuletzt im vergangenen Jahr in Japan zu Gast. Aber gerade die sprachliche Barriere mache den Reiz aus, diese zu überwinden sei eine „tolle Erfahrung“. Als Hilfsmittel, sozusagen für alle sprachlichen Notfälle, haben alle Familien eine deutsch-japanische Sprachfibel im Taschenbuchformat bekommen: Dort sind – in Wort und Bild – die wichtigsten Dinge aufgeführt. „Und zur Not zeigt man eben mit dem Finger auf das Wort, das gemeint ist“, schmunzelt er.

Auch die Vereine und Verbände des Ortes sowie viele Geschäftsleute hätten sich eingebracht, um den Gästen aus dem Land der Kirschblüte den Aufenthalt bis Mittwoch, 15. August, so angenehm wie möglich zu machen. Auf dem Tisch vor ihm liegt ein attraktives Programm: vom Empfang der Gäste im Rathaus, über Pizzabacken, einen Besuch bei den Traktoren- und Raritätenfreunden, einen Besuch im Medienhaus Neue OZ bis zur Abschiedsparty am Vorabend der Abreise. „Das wird eine spannende Sache“, hofft Kunz. Ein bisschen theoretisch wird es auch werden, denn an einem Nachmittag sollen Jugendliche aus Japan und Deutschland miteinander diskutieren. Das Thema gibt die Deutsche Sportjugend vor. Es lautet: „Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements von Jugendlichen im Sport.“

Aufregend dürfte für die japanische Delegation der Kontrast der Kulturen sein. Die sieben Mädchen und drei Jungen kommen aus der Region Kinki, in der mehr als 22 Millionen Japaner wohnen und in der Großstädte wie Osaka, Kyoto und Kobe liegen. Zwar verbringen die Gäste aus Japan nach ihrer Ankunft einige Tage in Frankfurt/Main. Wie klein jedoch muss den Jugendlichen dann die Mainmetropole mit ihren rund 700000 Einwohnern vorkommen und erst recht ein kleines Nest wie Merzen mit 4100 Einwohnern? Genau das sei das Ziel des deutsch-japanischen Austausches der Sportjugend: „Die Japaner sollen in den Familien in Merzen und Voltlage eben nicht das Touristen-Deutschland kennenlernen, sondern den ganz normalen deutschen Alltag.“ Mit allem, was dazugehört (Schule, Beruf, Freizeit) und auf den Tisch kommt. Deswegen müsse es auch nicht jeden Tag Reis geben, nur weil das bei den Japanern so üblich sei, so Bernd Kunz. Er wünscht sich wie in den Vorjahren ein ungezwungenes Miteinander, frei von jeglichen Vorbehalten und vermeintlichen Urteilen. Wobei: Hin und wieder sollten sich die Gastgeber etwas in Zurückhaltung üben: Im Beisein der Japaner den Walfang zu kritisieren sei nicht unbedingt empfehlenswert, rät der Betreuer.

Mit einer Sayonara-Party am Dienstag, 14. August, verabschieden sich die zehn Jugendlichen und ihre Dolmetscherin von den Gastgebern in Merzen. Doch zunächst freuen sich Bernd Kunz und die Gastfamilien auf den Besuch: In diesem Sinne: „Yoku irasshaimashita“ – „Herzlich willkommen“.

Zur Sache

Sport überwindet Grenzen, Sport verbindet Kulturen – das ist das Ziel des 39. deutsch-japanischen Sportjugend-Simultanaustausches. Seit 40 Jahren unterhält die Deutsche Sportjugend freundschaftliche Beziehungen mit der japanischen Sportjugend. Im Jahr 2006 besuchte erstmals eine Delegation die Gemeinde Merzen. Damals hatte Bernd Kunz kurzfristig einen Aufenthalt in Gastfamilien organisiert. Im Jahr darauf erhielten die Merzener erneut Besuch aus Fernost. Im vergangenen Jahr führte Bernd Kunz eine Gruppe aus Niedersachsen an, die nach Japan reiste. Damals erhielt der Merzener Sebastian Prinz eine besondere Auszeichnung: Er wurde als 10000. Teilnehmer des Simultanaustausches geehrt.

Info im Internet: www.japan-simultanaustausch.de


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