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Romulus auf der Visitenkarte Evinghausen: Anspruchsvolles Theater in der Waldorfschule

Von Holger Schulze

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<em>Die Wechselwirkung</em> zwischen Farbe und Grau zeigte sich in dieser Szene deutlich. Foto: Holger SchulzeDie Wechselwirkung zwischen Farbe und Grau zeigte sich in dieser Szene deutlich. Foto: Holger Schulze

Evinghausen. Wenn sich in der Waldorfschule der Vorhang zu einem Theaterstück der zwölften Klassen öffnet, dann gibt die Schule stets auch eine Visitenkarte für Kreativität und künstlerische Kompetenz ab. In diesem Jahr steht auf diesem Aushängeschild „Romulus der Große“ von Friedrich Dürrenmatt.

„Ein Höhepunkt in der Schullaufbahn“ nennt Ulrike Kaiser, die gemeinsam mit Helmut Andras als Lehrer das aktuelle Stück begleitete, das Projekt.

Eine Komödie, aber bitte eine intelligente. Für jedes Alter geeignet, jedoch nichts Oberflächliches. Und natürlich mit aktuellem Bezug. Unterhaltsam sollte es sein. Aber der Zuschauer muss schon etwas zum Denken mit auf den Weg bekommen.

Solche Vorgaben, die sich die Schülerinnen und Schüler selbst im Prozess der Stückauswahl zur Bedingung machten, hatten es in sich.

Witzig, aber nicht platt. Für die Kleinen geeignet, jedoch kein Kindertheater. Es war nicht ganz unkompliziert, ein passendes Stück zu finden. Nach demokratischer Abstimmung fiel die Wahl schließlich auf den Romulus von Friedrich Dürrenmatt.

Auch in den dreiwöchigen Probenarbeiten unter der Regie von Oskar Plate, selbst sieben Jahre lang Waldorfschüler in Evinghausen und nunmehr Schauspieler und Theaterpädagoge, verlangten sich die 42 Zwölftklässler nochmals vollen Einsatz ab.

„Sie waren alle sehr motiviert und der Probenverlauf intensiv und engagiert“, bestätigte der Regisseur vor der Generalprobe seiner Truppe eine gelungene Zusammenarbeit. Und Helmut Andras unterstrich die Leistungsfähigkeit der Schüler auch: „Es ist ein besonderer Jahrgang mit starken Persönlichkeiten, die das Ganze tragen und Ideen haben.“

Gestemmt wurde wahrlich so manches von den jungen Leuten. Kostüme, Musik, Requisiten, Maske, Technik, Sponsorensuche, Öffentlichkeitsarbeit oder den Bühnenbau erledigten die Schauspieler nebenher in selbstständiger Eigenarbeit. Rollen wurden von ihnen gesplittet beziehungsweise neu erfunden, um der Schüleranzahl gerecht zu werden. Das Stück im Original kommt ohne Musik aus. Auch dies wollten die Waldorfschüler so nicht stehen lassen. Um einen Bezug zur heutigen Zeit herzustellen und den komödiantischen Charakter des Schauspiels zu untermalen, fügten sie drei moderne Musikstücke hinzu.

Die Geschichte selbst kreist um den Untergang des Römischen Reiches im fünften Jahrhundert nach Christus. Kaiser Romulus hat sich zurückgezogen, züchtet nur noch Hühner und ignoriert die Hiobsbotschaften, die ihm aus allen Teilen seines Imperiums zugetragen werden. Bis eines Tages die Germanen in seinem Palast auftauchen.

Nach internen Aufführungen kommt das Stück auch für die Öffentlichkeit auf die Bühne: am Freitag, 28. September, um 10.15 Uhr und um 20 Uhr; am Samstag, 29. September, ab 20 Uhr. Am Sonntag, 30. September, findet die letzte Vorstellung bereits ab 17 Uhr statt.


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