zuletzt aktualisiert vor

Abschied mit gemischten Gefühlen Maler Claus Gero Heitmann verlässt Malgarten

Meine Nachrichten

Um das Thema Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Vor dem Abschied: Claus-Gero und Doris Heitmann vor Bildern aus dem jüngsten Zyklus, in dem der Maler Elemente aus den Werken von Bach, Brahms, Chopin und Liszt verarbeitet hat. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeVor dem Abschied: Claus-Gero und Doris Heitmann vor Bildern aus dem jüngsten Zyklus, in dem der Maler Elemente aus den Werken von Bach, Brahms, Chopin und Liszt verarbeitet hat. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Malgarten. 13 Jahre Forum Kloster Malgarten, das waren 13 Jahre auch Claus Gero und Doris Heitmann und ihre Galerie. Namhafte Künstler wie Günther Uecker und Lore Bert stellten hier aus. Jetzt verlassen der Maler und seine Frau die historischen Räume an der Hase und ziehen nach Bremen. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, meint der Künstler.

„Back to the roots“, beschreibt der Maler die Motivation für den Umzug. Claus Gero Heitmann stammt gebürtig aus Brake. Man hat dort noch Verwandte und auch Kunden. Mit Bremer Künstlern ist man vernetzt. Außerdem möchte Heitmann auch einen künstlerischen Neuanfang wagen – nicht mehr mit Ölfarben malen wie in Malgarten, sondern zu Papier und Aquarellfarben greifen. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. „Die Entwicklung im Kloster entspricht nicht mehr dem Konzept, mit dem wir hier einmal angetreten sind.“ Das Stichwort Kommerzialisierung möchte Heitmann nicht ganz weit von sich weisen. Oder auch: „Hobbykunst und professionelle Kunst gehen nicht gut zusammen.“

Aber dennoch gehen Heitmanns nicht im Zorn. „Alles hat seine Zeit.“ Ein neuer Lebensabschnitt, ein neues Umfeld. „Wir werden ja auch nicht jünger.“ Zum Atelier sind viele Stufen zu überwinden.

Den Blick aus den hohen Fenstern auf die malerisch und gemächlich vorbeifließende Hase werden beide vermissen. Dieser Blick war es auch, der Claus Gero Heitmann im Jahr 1999 auch gleich Ja sagen ließ, als ihn sein Malerfreund Axel Gundrum aufforderte, gemeinsam in Malgarten ein Atelier und eine Galerie aufzubauen. Sechs bis sieben Ausstellungen fanden hier pro Jahr statt. Im Kunstfestival „arte regionale“ war Malgarten eine feste Größe. Sammler kamen von weit her.

Dann verlegte Axel Gundrum seinen Lebens- und Schaffensmittelpunkt nach Potsdam. In Malgarten kamen neue Mieter und blieben mehr oder weniger lange, mit den zuvor beschriebenen Konsequenzen. Nichtsdestotrotz ist Heitmann dem Besitzer der Klosteranlage, dem Osnabrücker Mediziner Dr. Andreas Wilhelm, dankbar. „Ohne sein Engagement wäre das alles hier nicht möglich gewesen.“

Während all der Jahre in Malgarten blieb allerdings eine Konstante – die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Internationalen Arbeitskreis für Musik (IAM) und seinem Geschäftsführer Peter Koch. Konzertreihen und Workshops lockten international renommierte Musiker und interessierte Laien in die romanische Klosteranlage im Osnabrücker Land. Zwischen der Pianistin Ragna Schirmer, die mehrfach im Rahmen des Malgartener Klavierherbstes musizierte, und dem Ehepaar Heitmann entwickelte sich eine Freundschaft, die über künstlerische Wertschätzung hinausgeht.

Musik und Malerei sind für Claus Gero Heitmann untrennbar verbunden. „Ich höre immer klassische Musik beim Malen“, versichert er. Manchmal dringen leise Klaviertöne durch das historische Gemäuer in das Atelier. Die Pianistin Dietlind Löbker gehört ebenfalls seit Jahren zu der Malgartener Künstlergemeinschaft. Die gemeinsame Liebe zur klassischen Musik gibt schließlich den Anstoß zu einem einzigartigen Bilderzyklus. Löbker spielt ausgewählte Werke von Bach, Brahms, Chopin und Liszt auf CD ein. Heitmann hört sie immer und immer wieder und versucht, musikalische Momente mit Ölfarbe auf Leinwand festzuhalten, ohne Musik eins zu eins abbilden zu wollen.

Diese Symbiose von Kunst und Musik können Freunde und Interessierte am Sonntag, 4. Dezember, ab 16.30 Uhr in der Konzertscheune des Klosters Malgarten erleben. Vor Heitmanns Bildern spielt Dietlind Löbker Bachs „Französische Suite Nr. 2, c-Moll, den Walzer, op. 39 und das Scherzo in es-Moll von Brahms, Chopins Fantasie-Impromtu, cis-Moll und Liszts Konzertetüde Nr. 3. Ein kleiner Empfang mit Sekt und Buffet folgen.

Und dann? Die ersten Kisten sind schon gepackt“, erzählt Doris Heitmann. Im Januar wird dann die Galerie aufgelöst. Eine Neue in Bremen soll es nicht geben. In Bremen will Gero Heitmann erst mal nur malen. Und vielleicht ein Buch schreiben, etwas Autobiografisches, mit eigenen Illustrationen. Über die Kunst und die Weser, zu der er nach 42 Jahren zurückgefunden hat.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN