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„Abwärme muss sich rechnen“ Bürgerstammtisch in Wellingholzhausen diskutierte über Bioenergie

pm Wellingholzhausen. Die Energiewende ist spürbar. Gerade im ländlichen Raum sind Fotovoltaik-Anlagen, Windkraft- und Biomasseanlagen aus dem Landschaftsbild nicht mehr wegzudenken. „Viele Vorbehalte bestimmen die Diskussion“, führte Hendrik Brinkmann, Sprecher für Infrastruktur und Energie, beim ersten Bürgerstammtisch der CDU Wellingholzhausen in die Thematik ein.

Der Hunger nach erneuerbarer Energie habe in Wellingholzhausen sowie im ganzen Stadtgebiet eine enorme Auswirkung auf die landwirtschaftliche Struktur.

„Gerade der Netzaufbau stellt uns vor große Herausforderungen“, machte Thomas Wirp von der RWE AG deutlich, „wir transportieren Energie nicht mehr von einem großen Kraftwerk, als Herzstück eines Systems, zu den Gliedmaßen, sondern müssen heute ein Netz bereithalten, das vielen dezentralen Erzeugern das Einspeisen von Strom ermöglicht.“ Die Energiewende sei eine unglaubliche Chance für diese Region, betonte Thomas Uhlen, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion. „Wir müssen Energie nicht mehr teuer importieren, sondern profitieren vor Ort als Energieerzeuger. Je mehr Bürgerinnen und Bürger in diese Wertschöpfungskette eingebunden werden können, desto größer ist auch die Akzeptanz in der Bevölkerung.“

„Dass ein höherer Maisanteil das Landschaftsbild stärker beeinflusst als mehr Zuckerrüben, ist klar“, erklärte Jürgen Balsmann von der Landwirtschaftskammer das subjektive Empfinden. Man forsche verstärkt nach alternativen Energiepflanzen, um auch eine sinnvollere Fruchtfolge zu ermöglichen. Dem Konflikt zur Lebensmittelerzeugung widersprach Landwirt Christoph Altemöller vehement: „Wenn die Hälfte der Nahrungsmittel heute in Deutschland noch weggeworfen werde, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, kann man von Lebensmittelknappheit noch lange nicht reden, sondern muss sich ganz andere ethische Fragen stellen.“

Gebraucht würden sinnvolle Nutzungsketten, brachte es der stellvertretende Landvolkvorsitzende Heinrich Niederniehaus auf den Punkt. „Die Kühltürme konventioneller Kraftwerke zeigen deutlich, wie ineffizient die Wärme hier genutzt wird. Gerade dezentrale Kraftwerke haben hier große Potenziale. Abwärmenutzung muss sich aber auch rechnen, erklärte Jürgen Balsmann abschließend. Die Investitionskosten für Fernwärmenetze seien immens hoch, die Nutzung von Abwärme keine lohnende Alternative.