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Prachtbau steht vor Neuverkauf Meller kaufte Bahnhof mit Atombunker

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Ein imposantes Gebäude ist der Hannover’sche Bahnhof, der jetzt wieder verkauft werden soll.Foto: Gert WestdörpEin imposantes Gebäude ist der Hannover’sche Bahnhof, der jetzt wieder verkauft werden soll.Foto: Gert Westdörp

Melle/Osnabrück. Monatelang herrschte Rätselraten bei Politik und Verwaltung in Osnabrück: Was will der Käufer aus Melle mit dem „Hannoverschen Bahnhof“? Der Meller Kaufmann, der ungenannt bleiben möchte, lüftete jetzt auf Anfrage unserer Zeitung das Geheimnis: „Nichts, ich bin gerade dabei, das Gebäude wieder zu verkaufen“.

Die Verkaufsgespräche liefen sehr intensiv und stünden kurz vor dem Abschluss. „Der Bahnhof ist sozusagen so gut wie verkauft, wir haben schon einen Beurkundungstermin“, sagte der Meller. Zu den Gründen des Kaufs wollte er sich nicht explizit äußern. Insofern bleibt offen, ob er sich in das prächtige Sandsteingebäude verliebt hat und es deswegen damals spontan kaufte. Möglich ist aber auch, dass er seinerzeit ein Schnäppchen machte und sich der jetzt anstehende Verkauf für ihn in klingender Münze auszahlt.

Auf jeden Fall hat der Mann ein Original der Osnabrücker Eisenbahngeschichte erworben. Der Hannoversche Bahnhof unweit des Berliner Platzes war der erste Bahnhof der Hasestadt und erhielt seinen Namen von der Zugverbindung: Ab 1855 fuhren nämlich die ersten Züge von dort nach Löhne und von da aus „durch Preußen“ weiter nach Hannover.

1895 eröffnete dann der Hauptbahnhof, ein Jahr später der Hasetorbahnhof. Der Hannoversche Bahnhof wurde zum Güterbahnhof. Der repräsentative Bau zwischen dem Verlagsgebäude der Neuen OZ und dem Stadtwerke-Areal wurde anschließend von verschiedenen Dienststellen der Bundesbahn und später der Bahn AG genutzt.

Ob der Eigentümer aus Melle wohl weiß, dass er mit dem Kauf auch Besitzer eines großen Atombunkers wurde? Direkt vor dem Gebäude, dort wo heute große Trauerbuchen stehen, breitet sich nämlich eine mächtige unterirdische Bunkeranlage aus. Sie war in den 60er-Jahren auf dem Höhepunkt des kalten Krieges gebaut worden. In ihr befanden sich Leitstellen, mit denen im Falles eines Atomkrieges der Zugverkehr in Nordwestdeutschland koordiniert und gesteuert werden sollte.

Der Sprecher der Stadt Osnabrück, Sven Jürgensen, bestätigte vielfaches Interesse an dem Gebäude. Es habe in den vergangenen Jahren immer mal wieder Nachfragen gegeben. Die Stadt könne sich dort eine Nutzung im gewerblichen Bereich eher vorstellen als für Wohnzwecke. „Konkrete Planungen von Eigentümern sind uns aber nicht bekannt“, so der Sprecher.


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