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„Frog Rock“: Adel Tawil und „Ich + Ich“ liefern in Quakenbrück alle Hits ab Gymnastik-Übung inklusive

Von Steffen Meyer


Quakenbrück. Dass Annette Humpe – die weibliche Hälfte von „Ich + Ich“ – keine Live-Auftritte mag und somit auch nicht am Samstagabend beim „Frog Rock Q“ auf der Bühne erschien, störte die mehr als 3500 Fans auf dem Segelflugplatz in Quakenbrück nicht weiter. Das Konzert einer der zurzeit erfolgreichsten deutschen Bands war auch so ein Genuss und zugleich der Höhepunkt des dreitägigen Festivals zur 775-Jahr-Feier der Stadt im Artland.

„Quakenbrück: Ich danke euch“, verkündete Adel Tawil, männlicher Part des Berliner Duos. Schon beim ersten Stück des Abends – dem Hit „Einer von Zweien“ des aktuellen Albums „Gute Reise“ – wurde der sympathische Sänger begeistert gefeiert. Daran schloss sich mit „Hilf mir“ ein ebenfalls neuer Song an, bei dem das Publikum erneut voll mit einstieg. Und als dann mit „Mach dein Licht an“ älteres Material präsentiert wurde, war der Bann endgültig gebrochen, und die Stimmung erreichte ihren ersten Höhepunkt. Kein Wunder also, dass sich Tawil schnell beeindruckt zeigte.

Was dann folgte, war eine überzeugende Mischung aus wunderschön eingängigen Melodien zu feinfühlig poetischen Texten, die zugleich dokumentierten, warum „Ich + Ich“ viereinhalb Jahre nach ihrer Gründung so erfolgreich sind. Mal rockig, mal poppig, mal sensibel und filigran faszinierte die deutsche Popband das Publikum durch ihre Vielseitigkeit und abwechslungsreichen Kompositionen. Da sangen nicht nur die eingefleischten Fans mit. In dem sehr altersgemischten Publikum stimmten alle mit ein.

Wie bei „Pflaster“, dem ersten Lied auf der aktuellen Scheibe. „Ich habe schon mehrfach das Gerücht gehört, wir würden darin ein Tier besingen. Hier also noch einmal: Es geht nicht um Hamster“, scherzte der Frontmann. Stattdessen wird darin die Liebe, Zweisamkeit, Schönheit und das Zusammensein der Menschen besungen. Gängige Themen in den Songs von „Ich + Ich“: Die Texte drehen sich fast ausschließlich um die Gefühlswelt, in der sich die Zuhörer generationsübergreifend wiederfinden.

„Ich + Ich“ präsentierten einen abwechslungsreichen Querschnitt aus ihren drei Alben – und wenn dann doch eine weibliche Begleitstimme erforderlich war, wie in dem Song „Vom selben Stern“, einem der erfolgreichsten Stücke der Band –, dann trat Maria Hellmin aus dem Hintergrund hervor und übernahm den Hauptpart. Ansonsten aber reihte sich die Geigerin und Sängerin in die Riege der Bandmusiker ein. Zwei elektrische Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboards, Trommeln und Backgroundstimmen sorgten für den richtigen Ton.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es dann aber doch, denn schon nach gerade mal 60 Minuten verabschiedete sich Frontsänger Tawil das erste Mal mit dem Song „So soll es bleiben“ von seinem Publikum. Früher brauchten erfolgreiche Musikgruppen mindestens die doppelte Zeit, um den Zugabenblock zu erreichen. Doch da bei „Ich + Ich“ weitere fünf Songs folgten, war niemand traurig, dass der Sänger die Fans zuerst aufforderte, mit ihm eine gemeinsame Gymnastik-Übung im Geiste von Annette Humpe (Tawil: „Ihr wisst ja: Sie liebt Yoga!“) zu machen, dann aber bereits das nahende Ende der Show in Aussicht stellte.

Auf „Ich + Ich“ eingestimmt wurde das Publikum durch Ashley Hicklin, einem studierten Geiger aus dem englischen Leeds, der heute in Hamburg lebt und im September mit „Parrysland“ sein Debütalbum präsentieren möchte. Die Musik des Newcomers passte sehr gut ins Vorprogramm, denn auch Hicklin setzt auf poppige Melodien und betonte durch ein Streicherquartett auf der Bühne die melodisch-poetischen Elemente in seiner Musik.

Er selbst aber griff zur Gitarre und lieferte einen überzeugenden Auftritt ab.