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Paradies für Kinder und Pferde Pachtvertrag läuft aus: Riester Reiterhof sucht neuen Standort

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<em>Das Team vom Reiterhof</em> sucht eine neue Heimat: Dominik (von links), Ulrike und Frank Nienhüser und Annemarie Torbecke mit Pony Goldi, dem großen Luigi und Hündin Biene. Foto: Ilona UphausDas Team vom Reiterhof sucht eine neue Heimat: Dominik (von links), Ulrike und Frank Nienhüser und Annemarie Torbecke mit Pony Goldi, dem großen Luigi und Hündin Biene. Foto: Ilona Uphaus

Rieste. Seit sieben Jahren sind sie in Rieste aktiv. Doch noch kennen nicht alle Riester den Reiterhof Hohe Hase, denn das Team um Familie Nienhüser offeriert ein ganz spezielles Angebot mit pädagogischem Anspruch. Im Großen Wittefelder Ort 5 wird fast ausschließlich mit kleinen Kindern gearbeitet. Das Paradies für Pferde und Kinder sucht jetzt einen neuen Standort, weil im November 2013 der Pachtvertrag ausläuft.

Samstagmittags herrscht Hochbetrieb auf dem Gelände. Vor der Reithalle treffen sich Mütter und Väter, um ihre Kinder zu holen oder zu bringen. In der Vorhalle striegelt die neunjährige Indira ein Pony, während die 11-jährige Kim dem geduldig wartenden Tier die Hufe auskratzt, beide offensichtlich mit großer Begeisterung dabei. In der großen Reithalle übt die Pony-Liga. Kleine Jungen und Mädchen reiten einen Parcours und stecken dabei kleine Plastikhütchen von einem Stab auf den nächsten.

„An Reitturnieren nehmen wir in erster Linie aus Spaß teil, da ist der sportliche Erfolg zweitrangig“, sagt Ulrike Nienhüser, auch wenn ihr Sohn Dominik bereits Preise bei Turnieren geholt hat. Der 23-Jährige ist gelernter Pferdewirt und macht zurzeit eine Ausbildung zum Verfahrenstechnologen. Nebenbei arbeitet er ehrenamtlich als Reitlehrer. Ebenso erfolgreich ist Annemarie Torbecke. Die 21-Jährige sei eine „ganz tolle engagierte Reitlehrerin“, lobt Ulrike Nienhüser. Die junge Riesterin arbeitet auch viele Stunden ehrenamtlich für den Reit- und Fahrverein Hohe Hase, der 2007 gegründet wurde und mit nunmehr 80 Mitgliedern steigende Tendenz aufweist. Erster Vorsitzender ist Ehemann Frank Nienhüser, der trotz Vollzeit-Job in einem Bersenbrücker Unternehmen nebenbei Reitunterricht gibt und seine komplette Freizeit für den Reiterhof einsetzt. „Urlaub machen wir nicht“, sagt der 48-Jährige.

Bis 2005 haben die Nienhüsers in Hollage einen Reiterhof betrieben. Viele der damaligen Kunden reiten jetzt in Rieste. Günstige Preise, Familienrabatte und der herzliche Umgang im Familienbetrieb ziehen etliche Auswärtige zum Reiten nach Rieste. Neben Kunden aus Osnabrück suchen verschiedenste Gruppen den Reiterhof auf, wie die Krebsstation des Dammer Krankenhauses oder eine Behindertengruppe aus Bochum. Eine Gruppe junger Mütter aus Bremen reist seit fünf Jahren einmal jährlich mit den Kindern an.

„Der Spaß ist das A und O“, sagt Ulrike Nienhüser, die schon Ponys vor dem Schlachthof gerettet hat und sich um verstörte Pferde kümmerte, die keiner mehr wollte. Für die kleinsten Reiter sei die 24-jährige „Goldi, unser bestes Pony“. Ein paar Kinder nutzen auch die Bildungsgutscheine, mit denen einkommensschwache Familien ihren Kindern das Hobby bezahlen können. „Es geht nur um die Kinder“, betont die 45-Jährige.

Neben acht Großpferden und zwölf Ponys gehört die elfjährige Hündin „Biene“ zum tierischen Team. Der Umgang mit Tieren habe einen „therapeutischen Effekt“, sagt Nienhüser. Die Kinder lernten Verantwortung zu übernehmen und stärkten ihr Selbstbewusstsein. „Die Kinder müssen unter Anleitung alles selber machen“, erklärt die Reitlehrerin. Und oft lernten „auch die Eltern satteln“. Manche Kinder seien schon mit drei Jahren hergekommen, um sich im Schritttempo führen zu lassen.

In der Stalltür steht ein Mädchen mit verlegenem Blick. „Willst du dich verabschieden“, fragt Ulrike Nienhüser. Es folgt eine feste Umarmung, feuchte Augen und der Trost „du kommst ja bald wieder“. Ulrike Nienhüser hat offensichtlich nicht nur ein Händchen für Pferde. „Manchmal fühle ich mich wie eine Zirkusfrau“, schmunzelt sie. Ihr Wunsch: möglichst bald eine neue Bleibe zu finden. „Wir sind anspruchslos“, erklärt sie. Zwei bis vier Hektar Weide möchte der Verein gerne pachten oder als Erbbaugrundstück erwerben, möglichst in Rieste oder näherer Umgebung. Schön wäre ein Stallgebäude, das die Vereinsmitglieder auch selber bauen würden. „Rieste braucht eine Vereinshalle“, findet Ulrike Nienhüser, die Bürgermeister Sebastian Hüdepohl um Unterstützung gebeten hat. Dem ist „sehr daran gelegen, dass Reiterhof und Verein in Rieste bleiben“. Er hat das Anliegen in der Ratssitzung vorgetragen und hofft, dass sich bald jemand findet, der Gelände zur Verfügung stellt.


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