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Salz satt und neues Räumgerät Lotte und Westerkappeln für den Winter gerüstet – Große Preisdifferenz

Von Astrid Springer


Lotte/Westerkappeln. Noch tritt Lottes Bauhofleiter Jörg Stork zu normalen Zeiten seinen Dienst an; mit dem ersten Wintereinbruch dürfte das allerdings ein seltener Luxus für ihn werden. Die Wettervorhersage allein reicht ihm nämlich nicht, um über den Einsatz der Streufahrzeuge zu entscheiden, bei drohender Glätte prüft er allmorgendlich selbst die aktuelle Lage.

„Gestreut wird nur, wenn tatsächlich Bedarf besteht“, so Stork. Ähnlich hält es auch Herbert Schoppmeyer vom Westerkappelner Bauhof, der dafür bereits um halb fünf auf den Gemeindestraßen unterwegs ist. Besonders das rote Pflaster im Ortskern sei tückisch, weiß er. Darüber hinaus prüft er Gefällestrecken wie etwa die Wilhelmshöhe.

Breiter Fuhrpark

Technisch sind die Gemeinden gut gerüstet, beide haben kürzlich ihren Gerätepark erweitert: Westerkappeln kann seither auf einen nagelneuen Unimog samt Schneeschild zurückgreifen und verfügt damit über zwei Unimogs mit Winterausrüstung sowie einen Lkw mit Streuautomat. Lotte schickt ebenfalls zwei Unimogs und einen Radlader in die Schneeschlacht. Erst in dieser Woche wurde ein neuer Streuaufsatz geliefert. Für Fuß- und Gehwege halten die Gemeinden noch kleinere Räumfahrzeuge vor.

Viele der Hauptverbindungen sind Landes- oder Kreisstraßen und fallen nicht in die gemeindliche Zuständigkeit; einzelne Strecken wurden zudem vertraglich an den Landesbetrieb Straßen NRW abgegeben. Aber auch mit den übrigen innerörtlichen Verbindungen und dem Außenbereich haben die kommunalen Räumdienste noch alle Hände voll zu tun. „Neben den Straßen streuen wir auch viele Gehwege und die Haltestellen“, erläutert Schoppmeyer.

„Wir räumen streng nach Streuplan“, erklären die beiden Bauhofleiter einhellig. Und der weist für beide Gemeinden als Erstes Schulbuswege und Gefällestrecken aus. In Westerkappeln gehören dazu beispielsweise Gartenkamp, Wulverliet und Rabenstraße, in Lotte haben Osterberger Münsterstraße und die Bahnhofstraße erste Priorität. Auch die Zufahrten zu Schulen und Kindergärten stehen oben auf den Listen. Sorgen vor dem Wintereinbruch macht sich aber keiner der Bauhofsleiter, denn für den Fall haben sie reichlich Streusalz auf Lager: Im Lotter Silo lagern noch aus der vergangenen Saison 40 Tonnen kristallines Salz, weitere 50 Tonnen liegen in Säcken auf dem Bauhof bereit. Die Westerkappelner ließen ihren Silo im September auffüllen und verfügen damit über gut 50 Tonnen Streusalz, Sackware hält Westerkappeln nicht vor, es fehlt an Lagermöglichkeiten.

Zwei Einkaufsstrategien

„Wir kommen mit dem Silo sehr gut zurecht“, berichtet Schoppmeyer. Sobald sich die Füllhöhe absehbar halbiere, werde nachgeordert. Die neue Lieferung sei gewöhnlich in zwei Tagen, spätestens am dritten Tag da.

Für ihre Salzversorgung fahren die Gemeinden verschiedene Strategien: Während Westerkappeln als Einzelkäufer agiert, kauft Lotte im Verbund über den Landesbetrieb Straßen NRW sein Salz ein, um so in den Genuss der günstigen Preise für einen Großeinkäufer zu kommen. Die Rechnung scheint aufzugehen: Dem Vernehmen nach zahlte Lotte in diesem Jahr ein gutes Fünftel weniger als Westerkappeln.

Bei solchen Konditionen sei auch der Mindermengen-Zuschlag in milden Wintern erträglich, so Stork. Zudem garantiere ihm die Kooperation eine Nachlieferungsfrist von 24 Stunden für sein vorbestelltes Kontingent. Auch bei kurzfristigem Zusatzbedarf sichere ihm der Verbund einen Preis, der unter dem am freien Markt liegt.

„Wenn wir wüssten, wann der Winter kommt und wie er ausfällt, das wäre genial“, resümiert Stork. Die Langzeittrends der Wettervorhersage seien aber zu variabel, und so schauen er und sein Westerkappelner Kollege Schoppmeyer allabendlich die Wetternachrichten und vergleichen die Warnungen mit der Realität am Morgen. Müssen sie tatsächlich ausrücken, so haben beide Zugriff auf jeweils zehn Leute, die für den Einsatz bereitstehen.

Aber die beiden Bauhofleiter können auch das Gegenteil: „Wir haben schon manche Rodelstrecke für den Verkehr gesperrt“, berichten sie. Entsprechende Anfragen würden jeweils in Rücksprache mit dem Bürgermeister geprüft. So eine Option dürfte auch manchen Erwachsenen begeistern und mit den bisweilen lästigen Eigenschaften der weißen Pracht wieder versöhnen.