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Ein Augenzwinkern in Beton Architekt Rob Beerkens gibt dem Hasehaus am Neumarkt ein Gesicht

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Osnabrück/Hengelo. Es soll das Aufbruchsignal für den Neumarkt 2.0 sein: Im Mai oder Juni wird am Kollegienwall die Baustelle für das Hasehaus eröffnet. Dort, wo jetzt noch das Café Coppenrath steht, errichtet der Gronauer Investor Hoff und Partner ein originelles Büro- und Geschäftshaus. Es trägt die Handschrift von Rob Beerkens. Der Architekt aus dem Büro MAS in Hengelo wird demnächst wohl häufiger in Osnabrück sein.

Ist das nicht schräg? Der 49-jährige Architekt hat es auf das Augenzwinkern angelegt. Der Baukörper, der dem Neumarkt einen Akzent geben soll, ist mit Absicht so gestaltet, dass er – je nach Perspektive – als windschief empfunden werden kann. Ein bisschen jedenfalls. Das unregelmäßige Muster und die zurückspringende Fassade geben diesem Eindruck Nahrung.

Rob Beerkens betont, dass der Entwurf nicht allein auf ihn zurückgeht, sondern gemeinsam mit der Architektin Ingrid Overkamp entstanden ist. Sie arbeitet allerdings inzwischen in einem anderen Büro und ist an der weiteren Ausführung nicht mehr beteiligt.

Der Entwurf, den die Industriebau Hoff und Partner GmbH als Gemeinschaftsprojekt mit dem Büro MAS architectuur eingebracht hatte, machte vor einem Jahr das Rennen beim Investorenwettbewerb von Stadt und Sparkasse. In den Jahrzehnten davor waren mehrere Versuche gescheitert, die Ostseite des Neumarkts mit einem markanten Gebäude aufzuwerten.

Das Hasehaus, das in diesem Jahr Gestalt annehmen soll, besteht aus zwei Baukörpern – dem siebengeschossigen „Haseturm“, der dem Platz zugewandt ist, und dem fünfstöckigen „Hasewall“ am Kollegienwall. Dazwischen hatten Rob Beerkens und Ingrid Overkamp einen flachen Gebäudeteil vorgesehen, der im Luftraum bewusst eine Lücke lässt. Diese Schneise sollte mit einem „grünen Teppich“ überzogen werden, auch an den Seitenwänden. Von einem „vertikalen Garten“ mit gläsernen Erkern und Pflanzgefäßen sprach der Architekt bei der Projektvorstellung vor einem Jahr.

Inzwischen haben die künftigen Mieter den Wunsch angemeldet, die beiden Trakte mit einem Gang zu verbinden. Rob Beerkens musste seine Vorstellung von der „Nachhaltigkeit“ des Bauprojekts ein wenig zurückschrauben. Mit einer schmalen, drei Meter hohen Stahl- und Glaskonstruktion will er den Konflikt jetzt lösen.

Der 49-jährige Niederländer ist in Mönchengladbach zur Welt gekommen, weil sein Vater dort bei der Nato gearbeitet hat. In seinem Studium war monumentale Kunst sein Schwerpunkt, bevor er sich der Architektur zuwandte. Ein Gebäude wie ein Monument im öffentlichen Raum zu platzieren, ist für ihn jedes Mal eine Herausforderung. Vor allem, wenn eine solche Skulptur aus Beton und Glas wie die Bibliothek in Hengelo jeden Tag von 2500 Menschen betreten wird.

Aktuell arbeitet Rob Beerkens an einem Wohnungsbauprojekt in Amsterdam, einem Shoppingcenter mit Wohnungen in Hengelo und einem Gemeindehaus auf der niederländischen Karibikinsel Sint Eustatius.

An seinem Projekt in Osnabrück schätzt der Architekt die besondere Lage zwischen der Hase und dem Neumarkt. Aber auch in der Beziehung, die sich zwischen dem neuen Baukörper und dem Landgericht ergeben wird, sieht er ein Spannungsfeld, das sorgfältig bis ins Detail gestaltet werden muss. Das Hasehaus hat seine Form in vielen kleinen Schritten bekommen. Die Entwicklung lässt sich im Skizzenbuch ablesen, das Rob Beerkens immer mit sich führt.

Für den Neubau an der Hase ist die Arbeitsteilung zwischen dem Architekturbüro MAS und dem Investor Hoff und Partner zwar noch nicht bis zur letzten Fußleiste festgelegt. Das Team, das den Wettbewerb gewonnen hat, werde aber gemeinsam weitermachen, kündigt Rob Beerkens an. Die Rolle, die er und seine Architektenkollegen einnehmen wollen, beschreibt er so: „Wir bleiben bis zum letzten Stein verantwortlich für die ästhetische Ausarbeitung“.


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