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29.12.2021, 16:55 Uhr KOLUMNE

Was 2022 bringen wird – ein satirischer Ausblick aufs Fußballjahr

Von Udo Muras


Bekommt in Udo Muras’ satirischem Jahresausblick viel zu tun bei den Bayern: Trainer Julian Nagelsmann.Bekommt in Udo Muras’ satirischem Jahresausblick viel zu tun bei den Bayern: Trainer Julian Nagelsmann.
imago/ActionPictures

Frankfurt. Kolumnist Udo Muras hat sich einige – nicht ganz ernst gemeinte – Gedanken gemacht und blickt auf das Fußball-Jahr 2022 voraus.

Die Zeit der Wünsche ist ja nun gerade erst vorbei, da naht die Zeit der Prognosen und Prophezeiungen, die ja nicht selten auch von Wünschen getrieben sind. Ich nehme mich ganz selbstlos der Aufgabe an, vorauszusagen, wie das kommende Fußballjahr wird.

Warum Fürth Kandidat für einen Friedensnobelpreis ist

An Bayerns zehnter Meisterschaft in Folge und einem WM-Finale im Advent kann keiner mehr etwas ändern, aber ansonsten zeichnen sich Dinge ab, die nicht jeder auf dem Wunschzettel haben dürfte. Man muss nur tief genug ins Sektglas schauen. Schon im Januar verschwindet Corona, weil das Virus Lothar Wielers blauen Anzug nicht mehr sehen kann. Davon profitiert auch der Fußball, die Stadien werden überall randvoll, außer da, wo sie eh nie voll werden. In Fürth zum Beispiel, wo Manager Azzouzi ein neues Saisonziel ausgibt. Sie wollen den Friedensnobelpreis, „denn wir schlagen keinen mehr“. Klappt nur fast.

Die Tasmania behält ihren Negativ-Rekord

Denn dummerweise hat Mitabsteiger FC Augsburg im letzten Saisonspiel keine Lust mehr und lässt die Fürther gewinnen – das war’s dann mit dem (Trost-)Preis. Dafür gibt’s ein Dankschreiben von Tasmania Berlin, die doch noch schlechtester Verein aller Zeiten bleiben dürfen – und ihr Markenzeichen sei ihnen doch so wichtig fürs Image.

Wenn Gladbach gegen Eintracht Frankfurt klagt...

Das von Borussia Mönchengladbach ist dagegen kräftig ramponiert, die Fohlen müssen in die Relegation gegen den HSV. „Ich bleibe“, sagt Adi Hütter zum Entsetzen von Max Eberl. Der schmeißt ihn raus und verklagt Eintracht Frankfurt wegen Produktenttäuschung. Für 7,5 Millionen Euro Ablöse von Platz acht auf 16, das nennt man wohl ein Abschussgeschäft.

imago/Langer
Adi Hütter

...und der BVB Gladbachs früheren Coach gerne wieder abgeben will

Für die Relegation holt Borussia Felix Magath, der natürlich gewinnen hilft, aber anschließend seinen Wohnsitz in Hamburg kündigen muss. Borussia Dortmund stürmt in zwei Pokalendspiele, verliert aber national gegen Freiburg und in der Europa League gegen Sherif Tiraspol. Michael Zorc greift zum Telefonhörer und fragt Max Eberl, ob er Marco Rose nicht wiederhaben will. Keine Titel könne der doch auch in Gladbach holen. Eberl beißt ins Telefon.

Haaland und Löw – ein neues Duo für den SC Freiburg

Dortmund stellt Rose jedenfalls frei und holt Lucien Favre zurück, der passe am besten zur Mentalität der Mannschaft. Erling Haaland wechselt nach Freiburg, weil er mal einen Titel aus der Nähe sehen will. 

imago/Revierfoto
Erling Haaland

Sein Pech: SC-Trainer Christian Streich tritt auf der Höhe des Erfolgs zurück und darf den Pokal auf dem Fahrradrücksitz mit nach Hause nehmen. Neuer Trainer in Freiburg wird Jogi Löw, den das Angebot högschd erfreut. Er muss nicht umziehen und nur bei den Heimspielen zugegen sein, den Rest regelt sein Co-Trainer. „Desch isch ja wie beim DFB“, sagt Löw und unterschreibt für zehn Jahre.

Nagelsmann wird bei Bayern zum Multi-Jobber

Auch bei den Bayern rollen Köpfe. Julian Nagelsmann wird verziehen, dass er im ersten Jahr nur Meister geworden ist, strafmildernd fällt der neue Torrekord (148 Treffer) ins Gewicht. Für Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der zum Fan-TV versetzt wird und eine monatliche Sendung bekommt („Jetzt spricht Brazzo“) aber ist Schluss. Nagelsmann macht seinen Job gleich mit, außerdem schreibt er die Reden für Oliver Kahn, der plötzlich die Beziehungen zu Katar aufkündigt. „Ich habe Eier, plötzlich wieder Eier“, erklärt der Titan seine Verwandlung den jubelnden Mitgliedern. Auch das passiert in München: Joshua Kimmich fällt noch bis April aus, denn er wird Repräsentant der Weltgesundheitsorganisation und lässt sich jede Woche auf einem anderen Kontinent impfen.

DFB-Elf bei WM besser als 2018: Aus erst im Viertelfinale

Ja, vieles wird doch noch gut in 2022. Sogar die Wüsten-WM. Das Gastgeberland zeigt sich von seiner sonnigsten Seite. Die mit null Punkten in der Vorrunde ausgeschiedene Mannschaft Katars wird nicht ausgepeitscht, die verstorbenen Bauarbeiter erhalten Gedenktafeln an den Stadionwänden und jeder Fan aus dem Ausland bekommt bei der Landung einen hochprozentigen Willkommensdrink, sofern er unterschreibt dass es der einzige bleibt bis zu seiner Abreise. Das Turnier verläuft reibungslos, abgesehen davon dass sich Fans permanent verlaufen und in falschen Stadien sitzen. Unsere Nationalmannschaft kann sich gegenüber 2018 kolossal steigern und übersteht tatsächlich die Vorrunde. Das Aus erfolgt erst im Viertelfinale, das auf den Nikolaustag fällt. Zu viele Spieler seien damit beschäftigt gewesen, für ihre Kinder Geschenke zu besorgen, die in der Hitze von Katar nicht schmelzen, knurrt der erstmals geschlagene Bundestrainer Hansi Flick nach dem 1:4 gegen Ecuador, „aber daraus lernen wir“. 

imago/Susanne Hübner
Hansi Flick

Das Finale bestreiten England und Brasilien und wie es ausgeht, wird nicht verraten. Nur so viel: Englands Eilantrag, bei Unentschieden künftig den Sieger wieder durch Münzwurf zu ermitteln, wird abgelehnt. Es kommt zum Elfmeterschießen…


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