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Initiative gestartet Bippener Landfrauen wollen neue Kultur des Gebens und Nehmens schaffen

Von Cristina Schwietert

Sie wollen in Bippen eine neue Kultur des Gebens und Nehmens zwischen Jung und Alt aufbauen: der Initiativkreis der Landfrauen. Foto: Cristina SchwietertSie wollen in Bippen eine neue Kultur des Gebens und Nehmens zwischen Jung und Alt aufbauen: der Initiativkreis der Landfrauen. Foto: Cristina Schwietert

Bippen. Immer mehr Menschen in Deutschland leben alleine. Jeder Fünfte davon bewohnt eine große Wohnung oder gar ein Haus. Manche freiwillig, andere nicht. In den Dörfern sind das vor allem alte Leute, die alleine zurückbleiben – der Ehepartner ist verstorben, die Kinder haben oft in den Städten ihr Auskommen gefunden. Doch auch junge Familien sind zunehmend auf sich alleine gestellt, ohne Großfamilie oder nachbarschaftliche Hilfe. Es ist kein Geheimnis, das es auch im Nordkreis diese Probleme gibt. Deshalb haben die Landfrauen in Bippen nun einen Initiativkreis ins Leben gerufen, um eine neue Kultur des Miteinanders zu etablieren.

In der Tat lässt sich auch am Beispiel Bippen zeigen, wo die Probleme liegen. 3000 Einwohner hat die Gemeinde, liegt idyllisch und ist mit seinen acht Ortsteilen und einer Fläche von 79,3 Quadratkilometern zwar die größte Mitgliedskommune im Nordkreis, zugleich aber auch mit 38 Einwohnern je Quadratkilometer besonders dünn besiedelt. Wie überall altert auch in Bippen die Bevölkerung, bei den jungen Familien findet Berufstätigkeit zumeist außerhalb des Dorfes statt, viele Kinder werden in Kitas oder Ganztagsschulen betreut – das dörfliche Leben auf den späten Nachmittag oder Abend reduziert. Bippens Bürgermeister Helmut Tolsdorf (SPD) bringt es auf den Punkt: „Als ich vor 25 Jahren durch das Dorf gegangen bin, da war hier Leben auf der Straße. Jung und Alt waren unterwegs. Heute ist das Zeitfenster, in dem dörfliche Kommunikation stattfinden kann, sehr klein geworden. Wir brauchen, nicht nur in Bippen, eine neue Kultur des Zusammenseins.“

Und die beginnt sich zu entwickeln in Bippen. Die Landfrauen, gut vernetzt und tatkräftig, sind aktiv geworden. Sie suchen Mitstreiter: „Wir wollen versuchen, so eine Art Tauschbörse kleiner Dienste unter interessierten Bippener Bürgern zu etablieren. Das, was früher Familie und Nachbarn gemacht haben, könnte so wiederaufleben“, sagt Gabriele Wosnitza von der ländlichen Erwachsenenbildung, die zusammen mit den Landfrauen Berge/Bippen schon länger an der Umsetzung der Idee arbeitet. Jetzt sind sie an die Öffentlichkeit getreten, haben in den Maiburger Hof geladen und sind erfreut, wie Waltraud Fühne sagt, dass sich ein gutes Dutzend Menschen aus Bippen für die Tauschbörse und den Initiativkreis interessiert. Die Ideen sind vielfältig. Über ein Punktesystem könnte so zum Beispiel die allein lebende ältere Frau Unterstützung anbieten, etwa bei der Betreuung der Kinder einer jungen Familie, ihnen etwa mal ein Mittagessen kochen oder mit den Kindern spielen. Als Gegenleistung geht das Rasenmähen oder etwa Laubharken bei der alten Dame nun auf das Konto der jungen Familie.

„Die Möglichkeiten, sich gegenseitig zu helfen, sind so vielfältig wie die Leute, die bei der Tauschbörse mitmachen“, sagt Waltraud Fühne und verweist auf den nächsten Termin der Initiativgruppe am 23. August. Dann wird ein konkreter Fragebogen mit Angebot und Nachfrage erarbeitet, der in Bippen verteilt werden soll. Anmeldungen für den 23. August nimmt Marlies Tolle, Telefon 05435/2032, entgegen.