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Wilfried Schmickler aktuell Satirespitzen im Bramscher Universum

<em>Für seine verbalen Box-Einlagen</em> ist Wilfried Schmickler bekannt. Im vergangenen Jahr stieg er im „Universum“ in den Ring. Foto: ArchivFür seine verbalen Box-Einlagen ist Wilfried Schmickler bekannt. Im vergangenen Jahr stieg er im „Universum“ in den Ring. Foto: Archiv

knap Bramsche. Mit spitzen Endlosformulierungen und wortgewaltiger Polit-Satire begeisterte Wilfried Schmickler sein Publikum am Mittwochabend im schon seit Wochen ausverkauften Filmtheater Universum. Der Kabarettist präsentierte sein aktuelles Programm „Weiter!“ und setzte zum Rundumschlag an.

Dass Schmickler nicht zum ersten Mal in Bramsche gastierte, machte der „Mitternachtsspitzen“-Stammgast bereits beim Betreten der Bühne deutlich. Ein Auftritt in seinem „absoluten Lieblings-Universum“ sei für ihn immer wieder etwas Besonderes, bekannte der Kleinkünstler und setzte danach zu seinem gewohnt atemlos-fantasievollen Rhetorikritt an.

Natürlich bekam die politische Klasse von Wilfried Schmickler wieder deftige Zeilen ins Stammbuch geschrieben, die Humor mit Ernsthaftigkeit verknüpften. Kein Blatt vor den Mund zu nehmen ist sein Markenzeichen, das in zugespitzten Beschreibungen wie „die größte Lusche am Kabinettstisch“ (Philipp Rösler), „die faulste Europa-Abgeordnete aller Zeiten“ (Silvana Koch-Mehrin) oder „ahnungslose Trutsche“ (Kristina Schröder) zum Ausdruck kam.

Aber auch den neuen Bundespräsidenten und vor allem die Bundeskanzlerin nahm sich der 58-Jährige vor. Den „gesalbten Kondens-Präsi“ Joachim Gauck rief Schmickler zum „Bundespräsidenten der Herzen“ aus und rechnete mit dessen „gesponsertem“ Vorgänger, dem „moralischen Rubbellosverkäufer“ Christian Wulff, ab. „Mutti Merkels Matriarchat“ beschrieb der Rheinländer als wirkungsvolles Machtinstrument. Da sie sich der parteiinternen Gegner allesamt entledigt habe, hat es die Regierungschefin laut Schmickler heutzutage vor allem mit den drei „Pamper-Boys von der FDP“ (Philipp Rösler, Daniel Bahr und Patrick Döring), Personal „aus dem Regal mit den Einwegflaschen“ (Philipp Mißfelder, Dirk Niebel, Ronald Pofalla) und einem „an der Autobahnraststätte ausgesetzten Königspudel“ (Norbert Röttgen) zu tun.

Der Meister des punkt- und kommalosen Schwadronierens nahm jedoch nicht nur unsere Politiker aufs Korn. Sein launisches Granteln beschäftigte sich auch mit dem „rhetorischen Niveaulimbo“ der heutigen Jugend, ungerechtfertigtem Lehrer-Bashing, der Abrechnung mit unzählig-unsäglichen Fernsehköchen und Schmicklers ganz persönlichem Levitenlesen der katholischen Kirche. Der wortgewaltige Nörgler lief dabei pausenlos zur Höchstform auf. Denn wenn sich Schmickler schon echauffiert, dann auch richtig. Dass der selbst ernannte „Fusselrollen-Vertreter“ viel Neumodisches kritisiert und die Verwahrlosung sozialer und gesellschaftlicher Werte anprangert, konnte man in den ernsteren Passagen seines Auftritts deutlich erkennen.

Genaues Zuhören war beim Schnellredner auch während seiner Musikeinlagen angesagt. In den messerscharf formulierten Texten wurde der Kabarettist nachdenklicher und zuweilen melancholischer als an anderen Stellen. Das Motto seines neuen Programms spielte dabei die zentrale Rolle jeder Gesangseinlage. „Weiter, immer weiter… und irgendwann voll vor die Wand“, war der letzte Satz des letzten Liedes. Seine kabarettistische Anklageschrift brachte Schmickler damit präzise auf den Punkt.


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