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Teure Auflagen Königsberghilfe: Kinderhaus in Kosmodimjansk in Gefahr?

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Altkreis Bersenbrück/Kaliningrad. Unter dem Dach der Caritas setzt die Königsberghilfe ihre Arbeit erfolgreich fort. 2012 sammelte sie mehr als 150000 Euro für ihre Projekte und schaffte Hilfsgüter im Wert von schätzungsweise 630000 Euro nach Osteuropa. Jetzt droht neues Ungemach: Brandschutzauflagen könnten das Aus für das Kinderhaus im Königsberger Vorort Kosmodimjansk bedeuten.

Unstimmigkeiten mit der Malteser-Diözesanleitung führten Ende 2011 dazu, dass die seit Beginn der Neunzigerjahre aktive Königsberghilfe zum Caritasverband der Diözese Osnabrück wechselte. Die Zusammenarbeit mit Caritasdirektor Günter Sandfort und Russlandexperte Ottmar Steffen funktioniere reibungslos, berichtet Theodor Große Starmann als Koordinator der Königshilfe. Regelmäßig gebe es „Steuergespräche“ mit den beiden Osnabrückern, an denen auch Helmut Buschmeyer als Aktiver teilnimmt. Das bestätigt auch Ottmar Steffen. „Das läuft sehr konstruktiv“, sagt er, der die beiden bald nach Königsberg begleiten will, um die Hilfsprojekte an Ort und Stelle kennenzulernen. Der Caritasverband behalte aber auch sein langfristiges Ziel im Auge, die Königsberghilfe „zukunftsfest zu machen“, Starmann, Buschmeyer und Co. jüngere Mitstreiter an die Seite zu stellen.

Die mussten mit dem Tod Schwester Irmengilds im Sommer 2012 einen herben Verlust hinnehmen. Die Franziskanerin war Gründerin des „Thuiner Kreises“ und koordinierte die Akteure im Emsland wie Große Starmann die im Osnabrücker Land. Die Königsberghilfe hat ihren Schwerpunkt in diesen Landkreisen, bekommt aber Unterstützung aus allen Teilen Deutschlands. An vielen Stellen werden Altkleider, Schuhe, Möbel gesammelt für Bedürftige im bitterarmen russischen Bezirk Königsberg/Kaliningrad und in Polen. Krankenhäuser und Altenheime steuern ausgemusterte Pflegebetten und andere Ausrüstung bei. Einmal bauten die Helfer sogar die komplette Innenausstattung einer Kirche ab, die in Osteuropa eine neue Verwendung fand.

36 Lkw-Transporte mit Hilfsgütern im Wert von geschätzten 630000 Euro gingen 2012 nach Polen und Russland, berichtet Große Starmann. Verteilt werden sie über die Sozialstationen der Königsberghilfe in Königsberg-Stadt und Rasdolnoe und in Polen über ein Kloster in Braniewo/Braunsberg und einen Verein Deutschstämmiger in Olsztyn/Allenstein.

Außerdem sammelte die Königsberghilfe 150000 Euro an Spendengeldern, mit denen sie drei Projekte betreibt: Ein Kinderhaus zur Tagesbetreuung im Elendsviertel Kosmodimjansk, eine Suppenküche mit einer medizinischen Ambulanz und eine Kleiderkammer für Obdachlose in Königsberg-Stadt und die Sozialstation in Rasdolnoje, die nicht nur Hilfsgüter verteilt, sondern auch ein kleines Programm zur beruflichen Bildung junger Leute betreibt.

Die Königsberghilfe werde alles daransetzen, dieses Drei-Säulen-Modell zukunftssicher zu machen, Kosten zu vermindern und die Leitungsstrukturen neu zu ordnen. Bald scheiden zwei wichtige Mitarbeiter aus: die langjährige Leiterin des Stützpunktes mit Suppenküche, Ambulanz und Kleiderkammer auf dem Gekände der Heilig-Geist-Kirchengemeinde und die Übersetzerin der Königsberghilfe. Große Starmann hofft, einen polnischen Schwesternorden zur Mitarbeit zu gewinnen. Die Entscheidung solle in diesen Wochen fallen.

Noch mehr Sorgen machen ihm und seinen Helfern neue Brandschutzauflagen der russischen Behörden für das Kinderhaus, die Kosten in Höhe von 25000 Euro verursachen könnten. Diese Summe könnte die Organisation kaum aufbringen, ohne ihre Hilfsprogramme zu kappen. Das soll aber nicht geschehen. Die „Königsberger“ wollen nun mit Behördenvertretern über eine zeitliche Streckung des Aufrüstungsprogramms sprechen.


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