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Imker in der Pflicht Osnabrück: Die lange Kältezeit lässt Bienen verhungern

Von Nadine Grunewald

<em>Auch die Bienen</em> im Lehrbienenstand im Osnabrücker Zoo leiden unter der anhaltenden Kälte, weiß Ansgar Erpenbeck, stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins Osnabrück und Umgebung. Foto: Uwe LewandowskiAuch die Bienen im Lehrbienenstand im Osnabrücker Zoo leiden unter der anhaltenden Kälte, weiß Ansgar Erpenbeck, stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins Osnabrück und Umgebung. Foto: Uwe Lewandowski

Georgsmarienhütte/ Osnabrück. Die andauernde Kälte hat schlimme Folgen für Bienenvölker, denn sie hält die Tiere in ihren Kisten. Das Problem: Ihr Futtervorrat geht zur Neige. Erst wenn die Temperaturen auf mindestens zehn Grad Celsius steigen, fliegen die Bienen aus, um Pollen und Nektar zu sammeln. Imker müssen deshalb den Futtervorrat in den Bienenkisten überprüfen und notfalls auffüllen, damit ihre Völker nicht eingehen – wenn sie es nicht bereits sind.

Damit die Bienen über den Winter genug Nahrung haben, legen die Imker bis spätestens Oktober rund 20 Kilogramm Futter pro Volk auf die Bienenkiste. Die Tierchen lagern dieses in ihren Waben ein und versiegeln es. „Das ist der Vorrat, den sie für den ganzen Winter haben. Eigentlich haben wir im März wärmeres Wetter, von den männlichen Weidenpflanzen holen sie dann Blütenpollen, von den weiblichen den Nektar“, erklärt Thomas Wilker, Vorstandsvorsitzender der Imkergenossenschaft Teutoburger Wald und Vorsitzender des Imkervereins Dissen und Umgebung.

Da wir bislang erst wenige schöne Tage hatten, an denen das Thermometer einen zweistelligen Temperaturwert anzeigte, hätten die Bienen kaum Gelegenheit gehabt, für Futternachschub zu sorgen. Die Zeit habe gerade dafür gereicht abzukoten. Indes hätten die paar wärmeren Tage dafür gesorgt, dass sich die Lage weiter verschärft: „Die Bienen sind in Brutstimmung gekommen“, erklärt Ansgar Erpenbeck, stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins Osnabrück und Umgebung. Um den Nachwuchs versorgen zu können, bräuchten sie so noch mehr Futter.

Durch die Brut entsteht noch ein weiteres Problem. „Die Bienen sitzen jetzt auf der Brut, um diese warmzuhalten, und bewegen sich nicht von ihr weg“, erklärt Silke Klotzhuser, Pressesprecherin des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Das heißt: Selbst wenn im Randbereich des Bienenkastens noch Futter vorhanden ist, kämen die Bienen nicht daran. Sie würden verhungern, obwohl noch Reserven da sind.

Deshalb sind die Imker jetzt gefordert. „Sie müssen kontrollieren, ob noch genug Futter da ist“, sagt Wilker. Wenn das nicht der Fall ist, sei es Zeit für eine Notfütterung mit Zuckerlösung oder Fertigfutter in flüssiger Form.

Zwar würden die Bienen durch die Kontrolle gestört und einige könnten aufgrund der kalten Temperatur verenden – andernfalls würde jedoch das ganze Volk sterben. Das beträfe zwischen 5000 und 15000 Bienen, je nachdem, wie groß das Volk ist.

Bei Wilker hätten sich bereits einige Imkerkollegen gemeldet, die mit diesem Problem zu kämpfen haben. In der Region sei die Imkerei überhaupt sehr beliebt, etwa 400 Imker gäbe es im Osnabrücker Land und dem Stadtgebiet, schätzt Wilker.

Auch er selbst hat in diesem Winter zwei seiner 25 Völker aufgrund der Kälte verloren. „Die beiden hatten starke Futterwaben, die ich in andere Kästen gehängt habe“, sagt er. Bislang hatte er noch keine Möglichkeit, die Futtermenge seiner Völker zu kontrollieren.

Die Imkerei sei „ein sehr abwechslungsreiches Hobby. Kein Bienenjahr ist gleich“, sagt Wilker, der seit rund 32 Jahren dieser Leidenschaft nachgeht.

Und so ist auch dieses Jahr wieder anders als die vorigen: Dass es so lange kalt ist, habe er noch nicht erlebt. „Im April wird es oft noch mal kälter, aber da hatten die Bienen vorher schon Gelegenheit, Futter zu holen“, sagt er. Das reiche dann zum Überbrücken.

Der lange Winter ist nicht das einzige Problem für die Bienen. Ein weiterer Feind sind Nervengifte, von denen sie Spuren über das Regenwasser aufnehmen. Knapp 15 Prozent der fleißigen Tiere sterben jedes Jahr.

In der Vergangenheit ist die Zahl der verendeten Bienen gestiegen. Dabei sind die Tiere für die Landwirtschaft von großer Bedeutung. 85 Prozent der Agrarbeträge im Pflanzen- und Obstbau hängen laut Aussage des Deutschen Imkerbundes von der Arbeit der etwa 750000 Bienenvölker in Deutschland ab. Der Nutzen für die Landwirtschaft liegt bei 22 Milliarden Euro.