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Schule und Freibad folgen Energieversorgung ausgebaut - Nahwärme für die Restruper

Sie läuft – die Biogasanlage für das Nahwärmenetz in Restrup. Darüber freuten sich die Betreiber Hermann und Anja Schmidt (Mitte) sowie die Vertreter der Kommunen und der Fachfirmen. Foto: Jürgen AckmannSie läuft – die Biogasanlage für das Nahwärmenetz in Restrup. Darüber freuten sich die Betreiber Hermann und Anja Schmidt (Mitte) sowie die Vertreter der Kommunen und der Fachfirmen. Foto: Jürgen Ackmann

Restrup/Bippen. Wer weiß schon, dass in der Gemeinde Bippen weit mehr Energie durch Windkraft, Fotovoltaik oder Biogas produziert wird, als die Betriebe und Haushalte der Kommune verbrauchen? Das rechnete Bürgermeister Helmut Tolsdorf am Mittwoch bei der offiziellen Inbetriebnahme des Biogas-Nahwärmenetzes für den Ortsteil Restrup vor. Landwirt Hermann Schmidt hat in dieses Projekt 530000 Euro brutto investiert. Damit ist ein weiterer Schritt zu einer dezentralen Energieversorgung in der Kommune vollzogen.

Zur technischen Seite: Die von Hermann Schmidt gebaute 500-kW-elektrisch-Biogasanlage wird mit Mais, Gras, Gülle, Grünroggen und Mist beschickt. Die erzeugte Wärme wird zum einen für die Ferkelställe des Landwirtes ausgekoppelt. Zum anderen erhalten 25 Haushalte in Restrup, die eine warmwasserbetriebene Heizanlage besitzen, über Wärmetauscher Energie aus der Biogas-Anlage. Die Nahwärmeleitungen, die Hermann Schmidt dafür von den Fachfirmen Haverkamp, Oeverhaus und Koste hat bauen lassen, haben eine Gesamtlänge von drei Kilometern. Die Bauzeit betrug fünf Monate. Pro Jahr werden rund zwei Millionen kWh genutzt, das entspricht einer Heizölmenge von etwa 200000 Litern.

Zur Kostenseite: Den 25 Haushalten sind für den Anschluss an das Nahwärmenetz kaum Kosten entstanden. Das war aber nur möglich, weil die Fachfirmen die Leitungen zum großen Teil auf einfache Art und Weise über Äcker und Wiesen verlegen konnten. In geschlossenen Ortschaften wäre das so nicht möglich gewesen, wie Hermann Schmidt betonte. Hier hätten die Kosten also deutlich höher gelegen, weil beispielsweise Pflaster hätte aufgenommen werden müssen. Ein weiterer Grund für die niedrigen Kosten: Es gab staatliche Zuschüsse von der kfw-Bank. Alle Faktoren zusammengefasst, hätten eine „Win-win-Situation“ ergeben, erklärte Hermann Schmidt. Auf der einen Seite hätten sich nun die Energiekosten in den 25 Haushalten halbiert. Auf der anderen Seite könne er seine Ställe sowie Anlagen kostengünstig betreiben und habe zudem weitere Abnehmer für seine Energieproduktion.

Zum Rohstoffverbrauch: Oft wird kritisiert, dass die zunehmende Zahl von Biogas-Anlagen zu Monokulturen führt und in bestimmten Regionen fast nur noch Mais angebaut wird. Zudem wird bemängelt, dass sich Gewichte zwischen der Futtermittelproduktion und der Biogas-Produktion verschieben. Diese Probleme sieht auch Hermann Schmidt. Er geht aber davon aus, dass dies nicht so bleiben wird. In der Pflanzenzucht würden derzeit effektive Alternativkulturen entwickelt. Das werde sich schon in wenigen Jahren bemerkbar machen. „Da wird sich was tun“, betonte Hermann Schmidt. Auch würden in den nächsten Jahren sicherlich Fruchtfolgeregelungen greifen, um Monokulturen entgegenzuwirken. Wie Helmut Tolsdorf ergänzte, lege der Landkreis Osnabrück außerdem Wert darauf, dass Biogas-Anlagen möglichst gleichmäßig über den Raum verteilt seien. Wenn es keine Ballung gebe, gebe es auch keine größeren Probleme.

Zu den weiteren Plänen: Wie Samtgemeindebürgermeister Peter Selter berichtete, ist auch eine Nahwärmeleitung nach Bippen geplant. Hier will die Kommune unter anderem die Maiburg-Grundschule und das Freibad an das Netz anschließen. Auch könnten weitere Haushalte folgen. Allerdings werden die Kosten aufgrund des größeren Aufwandes höher liegen. Gleichwohl rechne sich das Projekt noch immer.

Zur Entstehung: Entstanden ist die Idee für das Projekt bereits 2006. Hermann Schmidt machte sich damals intensiv Gedanken über die hohen Energiekosten für seine Ferkelproduktion. Ursprünglich wollte er lediglich eine Anlage für seinen Betrieb bauen. Nachdem alle Anträge gestellt waren, ging sie 2007 in Betrieb. Es stellte sich aber bald heraus, dass die Energieproduktion den tatsächlichen Bedarf überstieg. So entstand die Idee, ein Nahwärmenetz aufzubauen und auch weitere Haushalte in Restrup mit kostengünstiger Energie zu versorgen. Das hört sich im Nachhinein einfach an, war aber einerseits mit viel Arbeit verbunden. Andererseits stellte das Projekt durchaus ein unternehmerisches Risiko dar. Siehe auch Seite 18


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