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Fenster gab spät den Namen Kirchenschätze in Rieste: Die Emmauskapelle feiert ihr 100-jähriges Bestehen

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Rieste. Vor einhundert Jahren, am 6. April 1913, wurde die evangelische Emmauskapelle in Rieste eingeweiht. Die Christuskirchengemeinde Hesepe-Sögeln-Rieste feiert dieses Jubiläum mit einem umfangreichen Festprogramm rund um die Kapelle am kommenden Wochenende.

Ein wenig versteckt steht die kleine Jugendstil-Kapelle auf der rechten Seite der Durchfahrtsstraße, wenn der Besucher aus Hesepe kommend in das Dorf Rieste gelangt. Eine Kapelle mitten auf dem Land: Was hat die Menschen vor 100 Jahren zum Bau bewogen, mag man sich ein Jahrhundert später fragen. „Man wollte die evangelischen Christen in Rieste stärken“, erklärt Andrea Wolters, Pastorin der Christusgemeinde Hesepe-Sögeln-Rieste. Zuständig für die lutherischen Christen in Rieste war seit Mitte des 17. Jahrhunderts eigentlich die St.-Martin-Gemeinde in Bramsche. Doch der Fußweg dorthin war weit und die seelsorgerische Versorgung für den in Bramsche ansässigen Geistlichen mitunter mühsam.

5015 Mark gespendet

So wurde im Jahre 1912 mit den Planungen für den Bau einer Kapelle begonnen, und bereits im Mai desselben Jahres konnte mithilfe von Spenden aus der Bevölkerung der Grundstein gelegt werden. Beachtliche 5015 Mark stammten aus der bis heute stark engagierten Riester Gemeinde. Innerhalb eines Jahres entstand, gebaut aus Ueffelner Bruchstein, eine in jeder Hinsicht beeindruckend schöne Kapelle mit einem Altarraum, der in seiner Harmonie und sakralen Aussage dem Besucher in besonderer Erinnerung bleibt.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht zunächst das in der Rückwand des Chorraums eingelassene Emmausfenster, das der Kapelle erst anlässlich ihres 80. Jubiläums im Jahre 1993 ihren Namen gab. Dem Mosaikbild liegt die im Lukas-Evangelium erzählte Geschichte von Emmaus zugrunde.

Darin begegnen zwei Jünger dem auferstandenen Jesus auf dem Weg nach Emmaus und erkennen ihn zunächst nicht. Erst beim Abendessen, als Jesus das Brot bricht – wie er es auch beim „letzten“ Abendmahl mit seinen Jüngern getan hatte – hätten sie ihn erkannt, schreibt der Evangelist. Daraufhin sollen sie sofort nach Jerusalem zurückgekehrt sein, um den Aposteln und den anderen Jüngern von der Begegnung zu berichten. „Dieser Moment des Brotteilens und des Erkennens ist in dem Kirchenfenster festgehalten“, erklärt Pastorin Wolters.

Der Satz unter der Tischszene „Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden“ könne wie ein Gleichnis für die Stimmung in Deutschland in den Jahren 1912/13 gesehen werden. „Man wollte die Ostergeschichte bewusst als Thema nehmen“, berichtet Wolters weiter. Denn es war eine sehr arme Zeit, in der viele Menschen auswanderten, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen. „Die Emmausgeschichte sollte den Menschen sagen, dass es nicht aller Tage Abend ist und sie bei Gott geborgen sind“, erklärt Wolters die Trost spendende Bedeutung des Fensters.


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