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Gute Ernte zu erwarten Bei der Artland Mosterei in Badbergen bekommt jeder seinen eigenen Apfelsaft

Von Alexandra Lüders


Badbergen. „Saft aus dem eigenen Obst pressen zu lassen, davon träumen alle Besitzer von Obstbäumen“, sagen Christian Knaack (46) und Sigrid Sachteleben (43) , die in den letzten Wochen die Artland Mosterei in Badbergen-Wehdel, Im großen Felde 78, eröffnet haben. Vier Jahre hat das Paar anderen Mostern über die Schulter geschaut, Gründerseminare besucht und eifrig Pläne geschmiedet.

Seitdem sie 2009 für ihre 600 Quadratmeter große Streuobstwiese einen Naturschutzpreis erzielten, engagieren sie sich für die Ernte aus der eigenen Region und mischen kräftig mit beim Mundraub-Projekt des Hasetals. Das brachte die beiden auch auf die Idee, Obst von der eigenen Streuobstwiese zu ernten und naturtrüben Saft zu gewinnen.

Hier hatten sie vor Jahren 88 Hochstammbäume – im eigenen Garten kommen noch 40 Bäume hinzu – mit alten Apfel- und Birnsorten, Pflaumen, Kirschen und Quitten sowie 1500 standortheimische Laubgehölze gepflanzt. Mithilfe eines Zuschusses aus dem Landschaftspflegeprogramm konnte die Anlage gehegt und gepflegt werden.

„Das ist unerlässlich, wenn man eine gute Ernte erzielen möchte. Schon der Ertrag eines einzelnen Baumes (etwa 50 Kilo) reicht, um 30 bis 32 Liter Saft zu erzeugen“, berichtet Knaack. Natürlich gab es bei der eigenen Streuobstwiese auch Rückschläge: Einige Bäume mussten ersetzt werden, und alle haben zwei Stützpfähle sowie Wildverbissschutz bekommen. Die ersten Erträge stellten sich ab dem fünften Jahr ein. Im Frühjahr/Sommer sind die Blütenbäume ein Traum für alle geflügelten Leckermäuler. Überall haben Knaack und Sachteleben dafür Insektenhotels und Vogelnistkästen gehängt und gestellt – denn sie achten und schätzen die tierischen Mitbewohner.

Bereits jetzt sei eine erfolgreiche Mostsaison zu erwarten, verweist der gelernte Bäcker auf gute Resonanz bei den Kunden, die eine Vielzahl an Apfelsorten jeweils freitags und samstags in die 100 Quadratmeter große Mosterei bringen. Es kommen auch Gäste aus Dinklage und Vechta. Auf ihre fünf Liter großen Saftboxen können sie meistens warten, um sie gleich mit nach Hause zu nehmen. Dabei finden sie es ganz spannend, den Mostern bei ihrer Arbeit zuzuschauen und untereinander auf der gemütlichen Bank zu klönen. Die Moster verwenden zugunsten der besseren Saftqualität nur gesundes, reifes und sauberes Obst.

Zunächst wird das Obst gereinigt, dann gemahlen, kalt gepresst, gefiltert und mit einer Temperatur von 78 Grad Celsius pasteurisiert (erhitzt). Dadurch bleiben alle Vitamine und gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe sowie ihr eigener Geschmack weitgehend im Saft erhalten. Jede Apfelsorte hat ihr eigenes Aroma. Die Moster mischen gern den Saft verschiedener Sorten für den eigenen Bedarf. Der ausgepresste Trester (gepresste Apfelmasse) wird an Kühe oder Wild verfüttert. Der erhitzte Saft wird in lebensmittelechte Fünf-Liter-Polyäthylen-Beutel mit einem patentierten Ausgusshahn (Bag) abgefüllt und in Kartons verpackt. Der Zapfhahn ist angezapft mindestens drei Monate, ungeöffnet ein Jahr haltbar.

Streuobstwiese und Mosterei liegen nahe der Giebeltour und dem Hasetal-Radwanderweg, der über die Hase und das Flüsschen Wrau führt. Diese Besonderheit wollen Christian Knaack und Silke Sachteleben touristisch nutzen. Im Rahmen des Mundraub-Projektes sollen Radausflügler eines Tages Pauschalen buchen können, die das Mosten von selbst gepflückten Äpfeln mit anschließendem Saftverzehr beinhalten.

„Wenn wir erst einmal genug Stammkunden haben, wollen wir die Mosterei noch erlebnisorientierter gestalten. Dazu gehört zum Beispiel ein Mostfest, Beratung und eine Kontaktbörse für Obstkunden, die sich untereinander austauschen wollen“, freut sich das Paar auf die Verwirklichung weiterer Ideen. Die Mosterei ist bis Mitte November freitags und samstags geöffnet. Voranmeldungen sind täglich von 18 bis 20 Uhr unter Telefon 05433/399 möglich. Infos: www.Artland-Mosterei.de .