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Das Ortsporträt Klinker tragen den Namen Pente in die Welt

Von Christoph Lützenkirchen

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<em>Das Penter Zentrum</em> liegt zwischen Zitterweg (im Bild hinter der vorderen Baumreihe) und Kleiner Egge. Foto: Johannes BusmannDas Penter Zentrum liegt zwischen Zitterweg (im Bild hinter der vorderen Baumreihe) und Kleiner Egge. Foto: Johannes Busmann

Pente. „In meiner Kindheit lautete unsere Anschrift: Pente über Bramsche“, Ortsbürgermeister Frank Kresin hält mit dem Selbstbewusstsein der bis 1972 eigenständigen Gemeinde nicht hinter dem Berg. Immerhin besaß das Dorf auf dem Berg oberhalb der Hasestadt 250 Jahre lang eine eigene Schule, sie wurde erst 1975 geschlossen.

Große Teile der Bramscher Innenstadt hätten früher zu Pente gehört, erzählt Kresin: „Selbst St. Martin steht auf ehemaligem Penter Grund.“ Gebietsansprüche gibt es aber nicht mehr. Die wachsende Industriestadt Bramsche hat nach und nach Flächen angekauft. Besonders einschneidend war ein Vergleich im 19. Jahrhundert, Pente gab erhebliche Gebiete an Bramsche ab. Dennoch sind die Penter sehr zufrieden mit dem inzwischen weit größeren Nachbarn. „Wir mögen unser ländliches Ambiente, sind aber schnell in der Stadt“, so Kresin: „Heute ist der Mittellandkanal praktisch die Grenze.“ Die beiden Kanäle – im Osten verläuft der Zweigkanal in Richtung Osnabrück – seien sehr typisch für die Lebenssituation der Penter Bürger. Beim Spazierengehen sei man oft auf Brücken angewiesen.

Die Nähe zur Innenstadt hat für die Einwohner von Pente nicht nur gefühlte Bedeutung, sondern konkrete: In Pente kann man fast nichts einkaufen. „Im Unterschied zu anderen Ortsteilen haben wir keine Infrastruktur“, sagt Kresin, es gibt auch keine Kirche. Die Mitglieder der Gemeinde treffen sich im Bürgerhaus an der Kleinen Egge. „Das war früher ein Ferienheim der Arbeiterwohlfahrt, inzwischen gehört es der Stadt“, erklärt Kresin, die Penter hätten es in Eigenleistung ausgebaut. Dort finden beispielsweise Vorträge, Lesungen und Bastelgruppen statt. Ihre Feste feiern die Penter allerdings andernorts. Im stattlichen Kaffeehaus Penterknapp an der B68 in Richtung Osnabrück finden bis 300 Personen Platz.

Wichtig für das Gemeinschaftsleben im Ort sind Vereine. Auch das Bürgerhaus hat einen, er nennt sich allerdings „Förderkreis“. Ferner stehen den 1000 Einwohnern von Pente der Turnverein und der Schützenverein zur Verfügung. An der Osnabrücker Straße unterhalten die Naturfreunde Bramsche ein eigenes Haus, das ganzjährig bewirtschaftet wird.

Die sagenumwobene Geschichte des Ortes wird im Penter Heimatverein gepflegt. Die Zeittafel reicht bis ins Mittelalter. Auf der an der Hase gelegenen Burg Schagen (Wittekindsburg) solle ein Raubritter gehaust haben, sagt Kresin. Er hat auch eine Gruselgeschichte auf Lager: „Der Kammweg heißt nicht umsonst ‚Zitterweg‘. Am einen Ende liegt dort das sogenannte ‚Hexenholz‘. Man erzählt sich, dort habe eine Hexe mit dem Teufel getanzt.“

Seit den Zeiten der Hexen und Ritter hat sich in Pente viel verändert. Aufgrund der reichen Tonvorkommen prägten lange Zeit Ziegeleien das Bild des Ortes. Geblieben ist nur die Ziegelfabrik Penter Klinker, heute eine Tochter des österreichischen Konzerns Wienerberger. „Die Ziegel aus Pente sind besonders hart und widerstandsfähig“, weiß Kresin: „Sie werden in alle Welt geliefert und liegen in Hamburg St. Pauli ebenso wie in Barcelona.“

Die Ziegelfabrik liegt schon ziemlich nah an der unsichtbaren Grenze, die Pente im Süden traditionell von Wallenhorst und Hollage trennt. „Da ging man nicht hin, weil die Leute dort katholisch sind“, erklärt Kresin. Fast direkt am Zweigkanal, aber ebenso nah an der Grenze residiert die „Familien Sport Gemeinschaft e.V. Osnabrück“. Umgeben von dichtem Wald, unterhält der Verein ein 67 Hektar großes Gelände mit umfangreichem Freizeitangebot. Unter anderem kann man Petanque spielen, Volleyball und Badminton. Es gibt ein Schwimmbad und eine Sauna. Auch Bogenschießen und Gymnastik gehören zum Programm. Die Homepage des Vereins verrät: „Unser Ziel ist es, Sport und Freikörperkultur zu verbinden.“ Für Nicht-Eingeweihte: Hier bewegt man sich ohne störende Bekleidung, nackt wie von Gott geschaffen.


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