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350 Jahre Schulgeschichte Alfhausen: Erinnerungen an Ohrfeigen und Schläge vom Rektor

Von Margarete Hartbecke

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<em>350 Jahre Schulgeschichte</em> zeigt die Ausstellung von Andreas Heeke in der Alfseeschule. Foto: Margarete Hartbecke350 Jahre Schulgeschichte zeigt die Ausstellung von Andreas Heeke in der Alfseeschule. Foto: Margarete Hartbecke

Alfhausen. Mit Beginn der Sommerferien wird die Alfhausener Hauptschule endgültig geschlossen. Eine Ausstellung in der Pausenhalle der Alfseeschule informiert amüsant und auch mal pikant über 350 Jahre Alfhausener Schulgeschichte.

Die Alfseeschule im Sommer sang- und klanglos zu schließen kam Schulleiter Andreas Heeke nicht in den Sinn. Sechs Wochen lang recherchierte er im schuleigenen Archiv, in den Texten von Bernhard Wellmann und Werner Dobelmann sowie Gerhard Diephaus und natürlich im Gemeindearchiv unter Mithilfe von Helmut Niedernostheide. Die Mühe hat sich gelohnt. In der Pausenhalle hat er 350 Jahre Alfhausener Schulgeschichte mit Berichten und Fotos anschaulich wiedergegeben.

Einige Aspekte ziehen sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte. So wurde ständig gebaut: Die Schulgebäude waren zu klein oder zu alt, sie wurden immer wieder neu und umgebaut, erweitert oder mit Wehmut geschlossen.

Nachweislich gibt es seit 1653 eine Schule in Alfhausen, seit 1693 die Schulpflicht und ein eigenes Schulhaus mit Lehrerwohnung seit 1798. Es folgten die Schulen in Thiene (1816) und Heeke (1820), im Jahr 1841 ein neues Schulgebäude neben dem alten Friedhof (heute Gaststätte „Zum alten Pauker“) und 1913 das Gebäude an der Alten Schulstraße, bis vor Kurzem Sitz der Gemeindeverwaltung. Von 1916 bis 1936 gab es auch die private Rektoratsschule.

1989 nur sieben Schüler

1951 saßen siebzig Drittklässler in einem Raum. Als 1962 das 9. Schuljahr eingeführt wurde, fiel die Entscheidung, die Volksschule an den Bahnhofsesch zu verlegen. Der erste Bauabschnitt wurde hier 1964 eingeweiht. Ein Jahr später wechselten die Jahrgänge fünf bis neun aus Heeke und Thiene zur sogenannten Mittelpunktschule. Es wurde also weitergebaut, der Westtrakt entstand. Die Schulen in Heeke und Thiene schlossen 1969 und 1970, sodass die Schülerzahlen wieder in die Höhe schnellten. Mit der Orientierungsstufe 1981 wechselten die Fünft- und Sechstklässler nach Bersenbrück.

Dann brachen die Schülerzahlen ein, 1989 gab es nur noch sieben Entlassschüler. Das änderte sich, als die Riester Hauptschule geschlossen wurde, viele Aussiedler nach Alfhausen zogen und die Orientierungsstufe mi viel Krach eingeführt wurde. Mobilklassen und das Katholische Jugendheim schufen kurzfristig Platz. Um die Raumnot zu beenden, entschloss man sich zum Neubau der Grundschule und damit ihrer räumlichen Trennung von der Hauptschule.

Spannend sind auch die vielen Dokumente, die Einblicke in den jahrhundertealten Schulbetrieb geben. Die Chronik der Schule zu Heeke gibt die ältesten Daten preis. In ihr ist zu lesen, dass die Schule am 24. März 1892 wegen Diphtherie geschlossen war oder welche Ergebnisse die vom Schulrat jährlich durchgeführten Inspektionen ergeben hatten. Kontrolliert wurde beispielsweise, ob der Spucknapf mit Wasser gefüllt war und an der richtigen Stelle stand oder ob das Kaiserbild im Klassenraum richtig platziert war.

Bilder von damals und heute sowie die Schulen in Heeke und Thiene folgen als Themen auf den Stellwänden. Braune Briefköpfe verraten dann, dass es auch Informationen aus dem Schulleben während der Nazizeit gibt: Hinweise für Luftschutzübungen, Preise für Lumpen, Knochen, Eisen und Papier bei Wertstoffsammlungen und die Zucht von Seidenraupen in einem Schulraum, um die Luftwaffe mit Fallschirmseide zu versorgen. Die Maulbeerbäume für die Falter wuchsen gegenüber.

Der Sportunterricht fand wegen fehlender Räumlichkeiten mal als Bodenturnen im Saal Sauerland statt oder auf dem Flur vor dem Lehrerzimmer, bis 1971 die Sporthalle fertig war.

Promis im Strafbuch

Amüsant ist das Thema Prügelstrafe, zumindest für den Betrachter. Sie war früher eine Selbstverständlichkeit. Dafür gab es Regeln und Erlasse. Das Strafbuch der Heeker Schule nennt Lüge, Trägheit und Trotz als Gründe für ein bis zehn Stockschläge. Im Strafbuch der Volksschule Alfhausen aus dem Schuljahr 1962/63 finden sich Namen von bekannten und ehrbaren Alfhausenern, die als Schüler für Widersetzlichkeit, Ungehorsam und Unsportlichkeit gezüchtigt wurden. Vier Ohrfeigen und zehn Stockschläge auf das Gesäß erhielt ein Schüler für häufiges nächtliches Schlagen an die Fenster des Schulleiters. Die Namen sind in der Ausstellung verdeckt und die Bücher unter Glasscheiben gesichert. Aber Heeke kennt die Namen, und er hat sichtlich Spaß daran.

Und wie geht es weiter? Die Gebäude werden nicht leer stehen, erklärt Andreas Heeke. Die Werk- und Technikräume werden für die Mensa der Grundschule umgebaut, weitere Räume für deren Ganztagsbetrieb genutzt. Dennoch hält er die Schließung der Alfseeschule für sehr bedauerlich. Sie habe sehr gute Arbeit geleistet. Die Kinder seien in kleinen Einheiten sehr individuell und gut betreut worden. Das belegten die Abschlüsse und die Rückmeldungen der Eltern.

Während der Schulzeit kann die Ausstellung von 7 bis 16 Uhr in der Pausenhalle besichtigt werden.


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