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Riestes Bürgermeister tritt nicht mehr an Anton Harms hört 2011 auf

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Anton Harms tritt 2011 nicht wieder an. Foto: BN-Archiv GeeersAnton Harms tritt 2011 nicht wieder an. Foto: BN-Archiv Geeers

Rieste. Gut ein Jahr vor der nächsten Kommunalwahl hat Riestes Bürgermeister Anton Harms (CDU) öffentlich angekündigt, nach 15 Amtsjahren nicht wieder als Spitzenkandidat seiner Partei anzutreten. 1996 war Harms, der fünf Jahre lang die CDU-Fraktion geführt hatte, in einer Kampfabstimmung Nachfolger von Adolf Wittefeld geworden. 2011 ist kommunalpolitisch nach 22 Jahren Schluss.

Dass sein Entschluss gestern öffentlich wurde, war eher ein Zufall. Denn den Bürgermeister besuchte eine Grundschulklasse im Rahmen einer Sachkundeeinheit „Meine Gemeinde“. Als die Kinder nämlich fragten, ob Harms Bürgermeister auch in der Zukunft bleibe, gestand Harms seinen Entschluss aufzuhören. „Ich konnte die Kinder doch nicht belügen“, sagte der 55-Jährige später, als die Nachricht auf dem Markt war.

Auf unsere Anfrage hin erinnerte Harms gestern daran, dass er bereits bei seiner Wiederwahl 2006 angekündigt habe, mit Ablauf der Wahlperiode das Bürgermeisteramt niederzulegen. In den letzten Wochen hat der 55-Jährige bereits in einem persönlichen Gespräch die Fraktionen des Gemeinderates Rieste darüber informiert, dass er seine Ankündigung wahr mache, und empfohlen, die Suche nach einem geeigneten Bewerber nicht auf die lange Bank zu schieben.

Auf die Frage nach dem Grund für den Amtsverzicht antwortete Harms ganz spontan: „Es ist keine Amtsmüdigkeit, sondern die hohe Belastung, die meine Verpflichtungen mit sich bringen“, sagte Harms, der im Hauptberuf Geschäftsführer der Alfsee GmbH ist. Die Arbeit für die Gemeinde mache „nach wie vor Spaß“. Gerade die Mehrfachbelastung habe aber teilweise zu einer 80- bis 90-Stunden-Woche geführt.

Der Bürgermeister belegte die rapide Entwicklung mit Zahlen. In den letzten 15 Jahren sei der Erholungs-und Ferienpark Alfsee doppelt so groß geworden. Auch die Wochenenden seien mit Terminen ausgefüllt gewesen. „Ich muss an meine Gesundheit denken“, bat Harms um Verständnis. Letztlich sei da auch seine Familie, die unter seiner immensen Belastung leide und in der letzten Zeit „viel zu kurz gekommen“ sei.

Rechtzeitig seine Partei und die anderen Fraktionen über seine Pläne informiert zu haben ist für Harms auch eine Frage der Fairness – abgesehen davon, dass er sich nicht vorwerfen lassen will, an seinem Sessel zu kleben. „Ich wollte immer selbst entscheiden, wann es Zeit ist zu gehen“, sagte Harms voller Selbstbewusstsein.

Der 55-Jährige kann in der Tat eine beachtliche Bilanz aufweisen. Erwähnt seien nur die Ausweisung neuer Baugebiete und in der Folge der Zuzug von 1000 Neubürgern, der Bau von rund 30 Kilometern Wirtschaftswegen über das Förderprogramm „pro Land“, der Neubau des Rathauses am alten Bahnhof sowie Architektenwettbewerbe für den Ortskern und die touristische Entwicklung der Gemeinde. „Stillstand ist Rückschritt“ lautet einer seiner Grundsätze.

Der Wittefeld-Nachfolger genießt auch bei der Opposition hohes Ansehen. SPD-Gegenspieler Rainer Waldhaus attestierte Harms „Charisma, Charakterstärke und Zielstrebigkeit“. Im nächsten Jahr werde es sehr schwierig sein, einen Bewerber „von einem ähnlichen Kaliber“ zu präsentieren. Harms habe auch die Opposition stets ins Boot geholt und sei bemüht gewesen, gemeinsam in die gleiche Richtung zu rudern.

Riestes stellvertretender Bürgermeister Bernhard Vagedes bedauerte sehr, dass sein Parteifreund nicht wieder antreten will. „Es tut mir außerordentlich leid. Toni hat sehr viel für Rieste getan“, anerkannte der Biester, der nach eigenen Angaben „vergeblich versucht“ hat, den 55-Jährigen umzustimmen. Vagedes zeigte sich überzeugt, dass die Riester CDU rechtzeitig einen geeigneten Bewerber präsentiere.

Auch die „bunte“ Fraktion zollte dem Bürgermeister für seinen Entschluss Respekt. Harms habe es verstanden, „Ideen und Visionen zu entwickeln“. Marcus Revermann (WGR) lobte das „konstruktive und vertrauensvolle Miteinander trotz manchmal unterschiedlicher Meinungen“. Es werde schwer, einen Nachfolger zu finden, der „seine Fähigkeiten, Zeit und Weitsicht, aber auch Freude und Spaß an der Aufgabe“ habe.


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