zuletzt aktualisiert vor

Calderone: Wichtig und richtig Streit um die Fortführung des Familienbesuchsdienstes

Von Martin Schmitz

Quakenbrück/Bersenbrück. Im Streit um die Fortführung des Familienbesuchsdienstes protestiert ein Wissenschaftler dagegen, dass die Hochschule Osnabrück ausgebootet werden könnte. Christian Calderone verteidigt den Beschluss des Quakenbrücker Stadtrats.

Als Pilotprojekt bis Ende Januar gibt es in den Samtgemeinden Artland und Bersenbrück einen Familienbesuchsdienst, der sich um Einwandererfamilien kümmert, betreut und geführt von der Hochschule Osnabrück. Weil die Gelder auslaufen und die Zukunft des Dienstes aus ihrer Sicht völlig ungewiss ist, haben die Bersenbrücker Familienbesucherinnen ihre Arbeit bereits eingestellt.

Wie das öffentlich geförderte Projekt fortgesetzt werden kann, ist aus Sicht der Samtgemeinden Artland und Bersenbrück noch völlig unklar. „Stadtpolitischerseits“ sei die Weiterführung aber schon „gesichert über das Ende der Pilotphase hinaus“, teilt Christian Calderone mit, Sprecher der CDU-Fraktion im Quakenbrücker Stadtrat.

Die Stadt Quakenbrück ist als Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Artland nur mittelbar am Projekt beteiligt. Der Stadtrat hatte aber im Dezember einen Zuschuss von 5000 Euro zur Fortführung des Familienbesuchsdienstes beschlossen. Zurzeit kostet das Projekt etwa 25000 Euro pro Jahr und Samtgemeinde. In der Stadtratssitzung hieß es ferner, der solle Caritasverband anstelle der Hochschule Osnabrück die Betreuung der Mitarbeiterinnen übernehmen.

„Der Rat der Stadt Quakenbrück maßt sich an, ein Projekt, das die Hochschule Osnabrück zusammen mit den beiden Samtgemeinden erfolgreich gestaltet, geführt und finanziert hat, ohne jede Rücksprache zu beschlagnahmen und an einen neuen Träger, den Caritasverband, weiterzureichen.“ Dies schreibt dazu Professor Dr. Jochen Windheuser. Der Psychologe aus der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Hochschule Osnabrück evaluiert das Projekt und war unter anderem Rektor der Vorgängerin der Hochschule, der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland, und führte als Präsident die Bundeskonferenz der Rektoren und Präsidenten kirchlicher Fachhochschulen in der Bundesrepublik Deutschland an.

Weder die Hochschule noch die Familienbesucherinnen seien darüber informiert worden, der Hochschule das Projekt zu entziehen: „Dieses Vorgehen ist nicht nur eine Unverschämtheit, es widerspricht den Grundsätzen des Projekts selbst – Transparenz, Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, Vertrauen durch Kontinuität –, es stößt die Menschen mit Migrationshintergrund wieder einmal vor den Kopf, und es ist erneut ein Beispiel für die Arroganz der Politik gegenüber den Bürgern“, schreibt Windheuser.

Calderone hingegen verteidigt den Stadtratsbeschluss als „richtig und wichtig, da die Hochschule Osnabrück auch ordnungspolitisch in Konkurrenz zu freien und kirchlichen Trägern keine sozialen Projekte dauerhaft umsetzen könne“. Der Wechsel zu Caritas biete einen weiteren Vorteil: „Aus Quakenbrücker Sicht ist positiv anzumerken, dass die Caritas bereits in der westlichen Neustadt mit einem Integrationsbüro soziale, aufsuchende Arbeit leiste“, heißt es in Calderones Presseerklärung. Damit seien beide Integrationsmaßnahmen gut und eng vernetzbar.