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Historischer Bildervergleich: Heute die „Alte Post“ in Neuenkirchen Im Lauf der Zeit

Von Michael Woll


Neuenkirchen. Über die eisige Kälte, die im Moment herrscht, ist in den vergangenen Tagen ja wirklich genug geredet worden. Ein Gutes hat der Wintereinbruch wenigstens für diese Serie: Wir können uns das Schneefoto von der alten Post in Neuenkirchen ansehen, das ich schon in die Schublade für den nächsten Winter gelegt hatte.

Eine noch frühere Poststation, die sich von 1848 bis 1909 an der Neuenkirchener Hauptstraße befand, haben wir uns ja bereits vor einigen Wochen angesehen. Vielleicht erinnern Sie sich an die tragische Geschichte: Als sich am 18. Mai 1883 die große Brandkatastrophe ereignete, war in der Post zwar gerade die erste Fernsprechanlage im Ort eingerichtet worden – doch als um die Mittagszeit in Melle Hilfe angefordert wurde, war der dortige Apparat nicht besetzt.

Fast hundert Jahre später ist das historische Bild entstanden, das wir heute sehen. Das Backsteingebäude mit den charakteristischen weißen Streifen, die auch auf dem aktuellen Foto zu sehen sind, wurde in den Jahren von 1968 bis 1970 erbaut.

Wie Gerhard Stechmann, der langjährige Leiter der Neuenkirchener Post, in einem Beitrag in den „Postgeschichtlichen Blättern Weser-Ems“ (1970) schreibt, wurde der Ort erst vergleichsweise spät an eine regelmäßige Postverbindung angeschlossen. Es ist bekannt, dass es im Jahr 1777 eine Botenpost zwischen Melle und Herford gab, die über Riemsloh führte: Wer in den umliegenden Ortschaften wohnte, musste seine Post erst dorthin bringen. Erst 1848 erhielt Neuenkirchen die erwähnte eigene Post an der Hauptstraße. Zugleich wurde erstmals eine Personenpost zwischen Neuenkirchen und Melle eingerichtet. Die nötigen Pferde kamen zunächst von der Meller Posthalterei. Als diese alte Einrichtung – das Gebäude aus dem Jahr 1644 ist eins der wenigen in Melle-Mitte, die das Feuer von 1720 überstanden haben – 1874 durch eine moderne Post abgelöst wurde, wurde der Personenverkehr mit Neuenkirchen von privaten Kutschern übernommen.

Nach dem Neuenkirchener Brand von 1883 wurde die Post an der Hauptstraße wieder aufgebaut.

Im Jahr 1909 zog die Post an die Bielefelder Straße neben der Kirche, wo sie bis 1970 blieb, womit wir wieder bei unserem 30 Jahre alten historischen Foto angekommen sind, die Post mit schwarz-rot-goldener Flagge im Schnee. Die Post blieb hier bis zum Jahr 1999, heute ist das Gebäude ein Wohnhaus.


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